Ausgabe 
14 (26.2.1854) 9
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auch Rodt in einem vom 7, Juli 1838 dcitirten Brief:Die Wissenschaften und derUnglaube machen unter den jungen Hindus große Fortschritte (!!). Sie verachten dieHindu-Religion, sind aber zugleich, was oft der Fall ist, die leidenschaftlichstenF einde des Christenthums. Ich bin versichert, daß in einem Jahrhundert, odervielleicht noch eher, Calcutta dem ungläubigen PanS zur Zeit Voltaire's gleich seynwird, wenn der Herr nicht hier, Hand anlegt. Ich bin öfters versucht, mich undmeine Brüder, nicht in Bezug auf den Charakter, wohl aber in Bezug auf dieäußern Umstände, mit den Propheten der Juden, mit einem EsaiaS oder Jeremias,zu vergleichen, welche während vierzig Jahren und mehr daS Wort GotteS verkün-digten, ohne Frucht davon zu sehen." Gleicherweise fügt er unter dem 11. Febr. 1840bestätigend hinzu, daß zwar der Götzendienst in Calcutta mit schnellen Schritten seinemUntergange entgegen gehe, daß ungefähr 300 junge Hindus auS den angesehenstenFamilien in allen Zweigen europäischer Wissenschaften unterrichtet würden, daß kaumEiner aus Zehn an die Bramanen-Religion glaube; aber eben so entmuthigcnd seyeS andererseits, zn sehen, daß dennoch äußerst wenige zum wahren Christenthumeüberträten, die Meisten, wenn sie es auch mit Worten billigten, sich dabei begnügten,ohne sich raufen zu lassen.Sehr Viele bleibe-n auch ganz ohne Religion, und blähensich mit einer seichten, nichtssagenden Philosophie auf, die sie gegen alle bessern Ein-drücke und Gefühle verhärtet."

Man darf wahrlich der Gewissenhaftigkeit und Geradheit des nüchternen undunverblendetcn Rodt Dank wissen für das freimüthige Zeuguiß, so er für die Wahr-heit abzulegen keinen Augenblick zweifelhaft war. Er wußte selbst wohl, wie sehr ermit dieser Gesinnung rsrs svig unter den protestantischen Heidenboten war; noch amSchlüsse seiner Berichte bemerkt er:Hier daS Gemälde von dem, waS in Indienvorgeht. Vielleicht habe ich es mit allzu schwarzer Farbe eutworfen: allein ich bereuees nicht: ich hoffe dadurch die glänzenden, in Europa bekannt gemachten Schilderungenzu berichtigen, wo man mit Fleiß alles Gute und Schöne heraushebt und daSBöse ausläßt." Wir aber unsererseits widerholen: die Geschichte deS protestantischenMijsionswcsens ist ein G ot t eS g crich tS - Urtheil

Das Armenwesen vom katholischen Gtanovunete betrachtet.

II.

Ursachen der Verarmung.Die Sophistik hat sich auch in Auffindung der Ursachen der mehr und mehrhereinbrechenden Verarmung und deren Steigerung, die aller Subsistenzmittel entbehrt der Noth versucht, und zwar nicht ohne ihr Glück. Sie stellr vor Allem dieBehauptung auf, ein Grund dazu liege in der Uebcrvölkerung. Dieser ist jedochnach zwei Seiten unrichtig: einmal haben wir keine absolute Uebcrvölkerung, dannverkennt diese bei Vletui beliebte Klage die Stellung deS Einzelnen zum Organismusder Gesellschaft. Ein Jeder ist berufen, die ihm gewordene Aufgabe als Bürgerdieser Well zu lösen, und schon in dieser Lösung liegt sein Segen oder sein Fluch.Die Nichterfüllung erst gibt eine Anzahl gleichartiger, zur bloßen Konsumtionherabgesunkcner Einwohner, die im Steigcrungsfallc wie eine Landplage über dieBesitzenden herfallen, Verderben aller Art verbreiten, eine gewisse Uebervölkerungsimuliren können. Im jüdischen thevkralischcn Staate war verhältnißmäßig die höchstgesteigerte Bevölkerung, und eS waren namentlich unter den ersten Königen Jahre,die ihres Glückes halber eine typische Vorbedeutung zum spätern Reiche GotteShaben sollten. Manche Staatsmänner ahnten die hierin tiefliegende Wahrheit undeiferten gegen jegliche Auswanderung, wie sie auS den meisten Kräften den Schlußaus die höchsten Resultate machten, freilich mit der wenig bedachten Hypothese über dieQualität der Kräfte. Wie ein Wasserwirbel seine Ursache nicht auf der Oberfläche,sondern tief am Grunde Hai und dort nur zu heben ist, so verhält eS sich mit dieserUebervölkerung, die, wie Viele glauben, die Hoffnungen der Zukunft in den Abgrund zieht.