Ausgabe 
14 (26.2.1854) 9
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Wir richten unsere Blicke dahin, wo der eigentliche Sitz des Uebels ist, undwollen nicht nutzlose Streiche gegen eine Hydra versuchen.

Eine weitere Ursache der Verarmung wird der zu leichten oder erschwer-ten Ansäßigmachung beigelegt. ES ist nicht zu bestreiken, daß dieses eine klaf-fende Wuude unseres socialen Lebens ist. Das Forlkommen ist nicht an einen einzigenFactor, au den Besitz, gebunden; SubjecliveS und Objectives gehören zu demgewünschten Resultat, und die Außerachtlassung dcS Einen oder deS Andern ist vomUebel. Wie das starre Festhalten am Rechte deS Einzelnen znr Begründung seinereigenen Subsistenz seine Vagabunden begünstigt, so erzeugt das Verfolgen deS bloße»GcldtarifS Verhältnisse, die wir nicht näher zu erörtern brauchen. (?) Wenn jede Sche-matisirung ihre Gebrechen, so hat die fragliche solche in vergrößertem Maaße. Diebürgerliche Gesellschaft muß leiden, wenn in der Constituirung derselbe» die Wesenslichste Stufe wenigstens ignorirt und die nach der Erde gekehrte Seite vor-zugsweise ins Auge gefaßt wird. Auch hier nehmen wir nicht die auf beidenSeiten hervortretenden Fehler, die nur die.Folge der Vernachläßigung eines höherenGesetzes sind, als die Ursachen in erster Reihe für unsere Nothstände an, sondernwollen sie nur in ihrer Mitwirkung erwähnt haben.

ES werden ferner Ursachen angegeben, die zn weit vom bessern Ziele entfernen,als daß wir sie uugerügt lassen könnten. Sie betreffen einige Zweige des katholischenCulruS.Die vielen Feiertage" sagt man »sind eS, die den Müßiggang för-dern, den Wohlstand hingegen wegen der an solchen Tagen stattfindenden Genüsseschmälern. Man wisse ja doch, wirv beigefügt besonders das gemeine Volk,solche Tage nicht würdig zu seiern." Hieraus folgt eine furchtbare Alternative: ent-weder braucht man die Feiertags nicht mehr dann sind eS nur zeitweilige Zucht-mittel in der Polizei-Hemd der Kirche gewesen oder sie selbst sind schlechtdann ist eS auch der Bodeu, aus dem sie emporgewachsen. ES liegt ferner in einersolchen GlückseligkeitS-Theoric, je eher je lieber die Religion hinter Schloß und Riegelzu verwahren und den Alisgang des neuen Heiles erst zu erwarten, wenn im öffentlichen Leben jeder religiöse Charakter verwischt und das goldene Kalb des Capitalszur Verehrung aufgerichtet sey. Nun, man verwandle die Kirchen in Pantheone fürKunst undnützliche Unterhaltung", die Vorhöfe derselben in heilvolle Turnschuleuund Plätze für höhere Gymnastik; mau streiche die christlichen Feste aus dem Kalenderund setze dafür vernünftige und nützliche ein; man sauctionire auch die antiquir-testc Unwahrheit als Gewinn und Aufschwung und schreite, über die festesten Grund>sätze, weil nicht zn widerlegen, verachtend hinweg; man statuire ein Amalgamader verschiedenen religiösen Ueberzeugungen, um den materiellenunv intellektuellen Reichthum einer gewissen besondern Classe derBevölkerung durch das Ganze in Fluß zu bringen: und wir werven dasVolk bald schreien hören:Iranern et eircenses", wie in jenen Tagen, vondenen ein trauernder Heide (Herxzc-z c!e iiu II, 8) sagt:Omina scelerikus et viti'1'5plens sunt"; wir werden graben in den Goldmincn Kaliforniens , und ein UngeheuerauSgraden, das seine eigenen Kinder auffrißt. Eine Parallele aller Revolutionen,besonders der beim Ablauf deS achtzehnten Jahrhunderts und der jüngsten Jahre, dievorzüglich Revolutionen der Noth seyn wollten, könnte belehrend seyn. Da eine solcheTheorie eine gottlose, ist sie dann eine wissenschastliche? Znm matten Lebenherabgesunkeu, verrostet auch der aus beständigen Gebranch gewetzte Stahl; unmuthigwirft Der vaS Werkzeug ans der Hand, der sich der höhern Idee beraubt und zumSclaven der Scholle verdammt sieht. Den Festtagen, deren es keineswegs zu vielsind, gehört eiu solcher Vorwurf nichr; sie athmen ein thatkräftigeres Lebe», als cinpurer Materialist zu ahnen vermag. 5)

Dazu sind oic Festtage eingesetzt, daß sie als öffentliche, alle Jahre wiederkehrende Evan-gclisicn die Thaten Gottes in der ganzen Kirche verkündeten, in dem Andenken der Christen erneuertenund verewigten, und durch diese Erneuerung und Verewigung göttlicher Thaten den himmlischenSinn derGläubigen weckten, offenbarten, belebten." F. M. Sailcr, Pastoraltheol, ll>, S. 194.