Ausgabe 
14 (12.3.1854) 11
Seite
81
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Vierzehnter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

zur

Augsburger PsstMtung.

12. März KK 1854,

Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonuementsprn«1l<t kr., wofür e« durch alle kvnigl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werde« loini.

Hirtenbrief des Bischofs von Würzbnrg zur Fastenzeit 1834.

Georg Anton, durch Gottes Barmherzigkeit und des apostolische»Stuhles Gnade Bischof von Würz bürg, allen Gläubigen des Bis-

thumS Gruß und Segen im Herrn.

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Wohl hat schon mancher Fährmann sich dem Meere anvertraut, um den Wegdurch die Fluthen zu nehmen und jenseits daS Land zu suchen, in welchem das Zielseiner Wunsche lag. Da erhoben sich die Winde, da brauste der Sturm, da tobtendie Wasserwogen, da brach das Steuer durch der Fluthen Uebergewalt und das Schifflag am Felsen in Trümmer zerschlagen.

Dem Fährmanne gleich sind auch wir, geliebteste Diöcesanen! auf gefahrvollerReise begriffen; Klippen, Stürme und Untiefen drohen hier Tod und Verderben; wirbefinden uns auf der Reise durch daS große Meer der Zeit in ein weites, frein-des Land hinüber an daS Ufer der Ewigkeit.

Um uuö glücklich hinüber zu tragen, hat der Herr selbst einem jeden von unsdas Fahrzeug zugewiesen; sein Mastbaum ist der Stamm deS heiligen KreuzcS, seineSegel sind vom Wehen der göttlichen Gnade geschwellt, daS Fahrzeug ist stark undfest, dem Sturme zu trotzen, und sicher und glücklich werden wir zum Ufer gelangen,wenn nur wir daS Schifflein zu lenken, die Klippen zu meiden verstehen.

ES ist das die heilige Unschuld, die in der Taufe uns verliehen wurde, dieArche, von Gott gebaut, um aus der Sündfluth uns zu retten. Wo aber sind dieglücklichen Seelen, die diese Unschuld zu bewahren wissen? Wo jene christlichen Hel-den, die furchtlos in SturmeSnoth das Ruder führen, mit sicherem Blicke und festerHand an jeder Klippe vorübersteucrn und daS Fahrzeug, wie hoch auch die Brandungschlägt, über den Wassern zu erhalten verstehen? Da und dort sinkt ein Schiffleinunter, da und dort leidet die Unschuld Schiffbruch, da und dort sehen wir Trümmerschwimmen, Trümmer, die bittere Thränen unö erpressen, Trümmer ehemaliger Heilig-keit und Gerechtigkeit.

Wenn aber der Fährmann Schiffbruch leidet, so sucht er, wenn er sonst nichtszu retten vermag, wenigstens daS Liebste, was er desiyr, sein Leben zu retten, erkämpft und ringet aus aller Kraft, um in den Tiefen nicht sein Grab zu fiuvxn, undfreut sich, ans den Trümmern des Schiffes irgend ein Brett ergreisen zu können, um,wenn Gott will, mir Hilfe desselben das Ufer glücklich zu erreichen.

Und nun ergeht die Frage an unS: Wo ist unsere erste Unschuld? Wo ist jeneGerechtigkeit, womit die Taufgnade uns bekleidet hat? Wer zählt im Gegentheile dieUnzahl von Missethaten, womit wir gegen den Herrn gesündigt? Und wenn imSchiffbruche unseres ewigen Heiles sich uns der Abgrund der Hölle öffnet, wo ist