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Hilfe in der Noth, wo jenes Brett, das wir umklammern und nie mehr auS denHänden lassen sollen, um, von ihm getragen, unsere Seelen zu retten?
Nur die Buße kann uns retten, die ernste, aufrichtige, die wahre Buße, unddarum wird sie vom heiligen HieronymuS das Brett zur Rettung aus dem Schiff-bruche genannt.
Dieß Wenige sollte genügen, geliebreste Diöcesanenl um in unS die Ueberzeu-gung zu begründen, wie unerläßlich zum Heile der Geist der Demuth und Zerknir-schung, wie nothwendig unS sündigen Menschen die beständige Uebung der Buße sey,einer Buße iu der Züchtigung unser selbst, in gänzlicher Sinnesänderung, einer Buße,die mit jedem Tage nen beginnt, mit jedem Tage neu sich fortsetzt, und erst im letztenAthemzuge ihr Ende findet.
Um nus jedoch noch tiefer und lebendiger von dieser Nothwendigkeit der Bußezu überzeugen, so werfen wir nur einen Blick ans die Vergangenheit.Wenn wir nämlich unser Gewissen fragen, wie wir unsere Tage bisher verlebt, soerhalten wir Alle die Antwort, daß wir uns nicht zu jenen wenigen glücklichen Seelenrechnen dürfen, welche in der Tanfunschuld deu Weg zum Himmel gehen. Nein,wir gehören in die Zahl der Sünder, wir haben Alle schwere Schulden abznlragen,und nur Eines kann also uns retten, daß wir den Weg zu Gott im Gewände derBuße suchen. Oder wer von u»S kann sage», daß es mit ihm sich anders verhalte?Durchgehe nur die Tage der Vergangenheit, erwäge daö Gute, das du versäumetoder nachläßt verrichtet, die Gaben GotteS , die du mißbraucht, die vielen Stunden,die für die Ewigkeit du verloren, die Aergernisse, die. bösen Beispiele, welche dugegeben hast; überdenke deine Sünden gegen Golt, gegen den Nächsten und dich selbsten, Sünden in Gedanken, Worten, Werken und Unterlassungen, Sünden — zahllosin ihrer Menge, nach ihrer Bosheit uuendlich schwer, unabsehbar in ihren Fol-gen; und wahrlich du hast Ursache, zu weiuen, wie eiust PetruS und Magdalenaweinten, hast Ursache, zu trauern über dich, wie einst die Töchter Jerusalems, hastUrsache, mit David zu»' Herrn zu rnfen: Erbarme dich meiner, o Gott! nach derMenge deiner Erbarmungen. Gehe nicht ins Gericht mit deinem Knechte. Dennwenn du willst der Sünden gedenken, Herr! wer wiro bestehen mögen?
Aber, sagst du, mein Christ! so groß mich meine Sünden sind, die Erbarmun-gen des Herrn sind unendlich größer. Habe ich auch der Missethaten viele begangen,so habe ich sie mit Rene und Schmerz im heiligen Bnßsacramente zn den Füßen desBeichtvaters niedergelegt. Nachdem nun der Herr den Tov des Sünders nicht will,nachdem der Priester aus göttlicher Gewalt im Namen des Dreieinigen mich los-gesprochen, darf ich noch zweifeln, ob mir vergeben sey? Und wenn nicht, wozu dannnoch weitere Buße?
Ja gewiß, mein Christ! der Herr will den Tod des Sünders nicht; er ist jagekommen, nm Sünder zu suchen, seine Erbarmungen sind chne Gränze, und wasder Priester auf Erden löst, das ist auch im Himmel gelöst. So gilt also auch dirmit Recht das Wort des Herrn: „Sey getrost, mein Sohn! deine Sünden sind dirvergeben." Aber wenn Gott dir vergeben hat, sollen darum deine Sünden dich nichtmehr schmerzen? Wenn der Herr an dir Barmherzigkeit gethan, solltest du darumaufhören können, zu bereuen, ihn, den Gott der Liebe, so vielfach und so schwerbeleidigt zu haben? Aufhören, durch Werke der Buße deinen Abschen gegen die Sündezn bezeugen und der Gerechtigkeit deS Herrn mehr und mehr genug zu thun? Undwenn es wahr ist, daß der Priester die Stelle Gottes vertritt, daß er Macht hat,im Namen des Herrn Sünden zu vergeben, bist du darum gleich gewiß, daß auchdir vergeben sey? War deine Anklage aufrichtig und vullständig, deine Reue wahrund übernatürlich, dein Vorsatz ernst und fest? Hast du würdig die Lossprechungempfangen, nicht dich und den Priester getäuscht, — besonders wenn dn bedenkst,wie oft du zum heiligen Beichtgerichte hinzugetreten und wie oft du in die Sündezurückgefallen bist? Und wenn dir hier ein gegründeter Zweifel bliebe, kannst du dannmit Gewißheit sagen, daß die Lossprechung, welche der Priester gab, auch von Gott