Ausgabe 
14 (12.3.1854) 11
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wenn wir dann noch den gefährlichsten Feind im eigenen Innern tragen, in der gefal-lenen Ae>amönatnr; gewiß haben wir da Ursache, zwar nicht zu verzagen, derChrist verliert Muth und Vertrauen nicht, seine Hoffnung ist auf den Herrn gebaut, aber Ursache haben wir und die allerwicht-gste Ursache, in der Demuth zu wan-deln, uns selbst in heilige Zucht zu nehmen und alle Tage zum Herrn zu rufen, ermöge uns und allen Menschen gnädig und barmherzig seyn.

In noch hellerem Lichte wird diese Wahiheit sich unS zeigen, wenn wir dieZukunft ins Auge fassen.

Der Weg des Menschen geht zur Ewigkeit, dort sollen wir Gott schauen, inihm und mil ihm leben, und aus den Tiefen des göttlichen Wesens die Fälle desewigen Lebens trinken. Daß wir aber glücklich dorthin gelangen, hängt dieß vonzwei Willen ab, vom Willen Gottes und unserm Willen; nur daß der letzte demersten sich fugen muß. Gott will nun, daß alle Menschen selig werven, er gibtdarum allen rie ausreichende Gnade; von Eette GvtteS also ist unser Seelenheil sichergestellt. Der Herr aber will unS selig machen nicht ohne unS; er gibt, wessenwir zum Heile bedürfen, wir aber müssen aus freier, thätiger Selbstbestimmung mit-wirken mil der Gnade; Feuer und Wasser, Leben und Tod ist uns vorgelegt unddann unS anheim gegeben, nach dem Einen oder dem Andern die Hand auszustrecken.Während also voll des Vertrauens und der Kcillgen Freude unser Auge sich zumHerrn erhebt, dem Gölte unseres Heiles, muß der Blick sich in tiefster Demuth senkenund ein heiliger Schrecken unser Herz erfüllen, wenn wir auf unsere Schwäche schauen.Und was sollten wir auch von dieser nicht Alles fürchten? Sind ja doch alle Men-schen zum Himmel berufen; sehen wir denn auch, daß alle dem Ruse folgen? Werdenwir aber lreuer befunren werden? Ist nicht Christus für Alle gestorben und findenwir nicht dennoch, daß Viele des Herrn vergessen? Werden wir aber dankbarer dieGnade gebrauchen?Breit ist die Straße, und groß ist das Thor, daö zum Verder-ben führt, und Viele sind, die da wandeln?" Sind nicht auch wir bisher uutcr denVielen gewandelt?Schmal ist der Weg und eng die Pforte, die zum Leben führt,und Wenige sind, die da wandeln?" Wird der Herr uns einst unter die Wenigenzählen? Noch wissen wir nicht, welches Urlheil die Gerichte des Herrn uns einstverkünden werden; still, schweigsam und unergriinolich steht dieses Geheimniß hinterdem Vorhange der Ewigkeit; aber gerade dieses liefe, geheimnißvolle Schweigen mußdesto lauter und eindringlicher uns zum Herzen sprechen von Demulh, Zerknir-schung, Buße und Belehrung.

Bist du nun, geliebter Christ! so glücklich gewesen, die Taufgnade zu bewahren,so wache und bele, auf daß du nicht in Versuchung fallest. Denn der Versucher ruhtund rastet nicht, die Sünde steht vor der Thüre; und schon lag manche Unschuld inder Wiege lächelnd und liebenswürdig; aber die Unschuld ist gefallen und dieunglückliche Seele muß min die Peinen des Feuers leiden. Fühlst du, mein Christ!dein Gewissen von schwerer Schuld belastet, dann säume nicht, noch heute, in dieserStunde schon dich zu Gott zu wenden, wenn nicht jeder Glockenschlag dir neue Seelen-gefahr verkünden soll. Der Tod kömmt zu welcher Stunde ist unbekannt;wehe! wenn das Gericht des Herrn dich unbereitet finden sollte! Hast du aberfür deine Vergehnugen aufrichtig Buße gethan und glaubst du also, mit dem vollenVertrauen dich trösten zu dürfen, daß der Allbarmherzige dir vergeben hat, dannwohl dir, glückliche Seele! wenn du in Demuth die Gnade zu bewahren dich bemühst.Käme aber je die traurige Stunde, wo du, eingewiegt in falschen Frieden, dein Herzder Täuschung öffnen könntest, als habest du fortan für dein Seeleuheil weitere Ge-fahren nicht mehr zu besorgen, gerade dann hättest du- von Neuem und ganz besonderszu fürchten, weil du dann der Mahnung des Apostels vergessen hättest, in Furchtund Zittern das Heil zu wirken. Wenn du also stehst, so sehe zu, daß du nichtwieder fällst; denn auch ergraute Büßer sind wieder gefallen. Lege daS Gewandder Buße an, um es nie wieder abzulegen, bis es deiner Leiche mit in das Grabgegeben wird.