Ausgabe 
14 (12.3.1854) 11
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So also predigt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft die heilige Furcht deSHerrn; so fordert Erde und Himmel, Zeit und Ewigkeit uns auf, den Weg zu Gottin der Buße zu suchen. Leider! daß es Augen gibt, die nicht sehen, Ohren, dienicht hören, Herzen, die nickt verstehen wollen.

Nun kommt, geliebteste Diöcesauen! mit eben dieser Predigt der Buße dieKirche Gottes unS entgegen, besonders in der herannahenden heiligen Zeit, in welcherder Heiland uns seine Wunden zeigt und die Geheimnisse seines Leivens und Sterbensuns zu betrachten gibt und in welcher wir nach dem Willen der Kirche durch Abbruchund Fasten, durch vermehrte Uebung im Gebete und in Werken christlicher Nächsten-liebe und insbesondere durch wahre Buße und ernstliche Rückkehr zu Gott uns auf denTisch des Herrn zum heiligen Osterfeste würdig bereiten sollen.

Möge, was die heilige Kirche in mütterlicher Liebe fordert, in unS die Erwie-derung deS willigsten Gehorsams und der kindlichsten Liebe finden; möge der Ernstder heiligen Fastenzeit tief in unsere Seelen dringen, auf daß wir, der Sünde inWahrheit erstorben und auferstanden zu einem neuen Leben, am heiligen Osterfestedas Mahl der Liebe würdig feiern, Den empfangend verhüllt in BrodSgcstalt, denwir dort oben von Angesicht schauen.

Um dieses zum Herrn in Demuth flehend, breiten Wir Unsere Hände übereuch auS und ertheilen euch den bischöflichen Segen.

Gegeben Würzburg am 10. Februar 1854.

f Georg Anton, Bischof.,

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Das Armenwesen vom katholischen Etanbvuncte betrachtet.

(Fortsetzung.)III

Mittel gegen die Verarmung und Noth.

Die Mittel, die man einschlägt, um der Noth zu steuern, sondern sich in zweiClassen, in solche, welche trotz alles Bemühens nur daS Unheil noch vermehren, undin solche, welche, obwohl die Heilung in sich tragend, bisher gar nicht oder ver-einzelt aufirateu. Jene sind wieder doppelter Art, entweder schon ausgeübte odernur angestrebte Methoden zur Abhilfe. Wir wollen sie einzeln darstellen.

Wichtig ist's, den Stand der Armuth zu ermitteln. So gutgemeint auch eineVerordnung über Anmeldung, Vorrufung und collegialische Prüfung zu diesem Behufeanfänglich seyn mochte, so wird sie doch zu sehr von der Erfahrung widerlegt, alsdaß man dieses nicht öffentlich auSsprechen sollte. Ein Armer, der erst auf diesemWege ermittelt seyn will, muß cmweder unverschämt oder zu verschämt wer-den, und eine Procedur der Art wäre dem Verfahren des Arztes nicht unähnlich, derhübsch daheim, im gemächlichen Zimmerlein seine Euren macht. Es ist von selbstklar, daß das Individuum, losgerissen von seinen Verhältnissen, die ins Auge fallenmüssen, oft lügenhaften Aussagen oder, greller Uebertreibung hingegeben, von dengünstigen oder ungünstigen Einflüssen deS Augenblickes abhängig, unmöglich einenrichtigen Census bestehen kann. Alle Erinnerungen an die Amtsstube müssen wei-chen, wo man es mit der nackten Wirklichkeit zu thun hat.

Es ist ferner gewöhnlich, auS dem vorhandenen Armenfonde oder durchUmlage die Unterstützungen zu leisten.Es ist gefährlich, den Leu zu wecken", diegroßen Städte haben es bitter bereut, jede nur etwas weiter verzweigte Armenpflegefühlt es tief. Sobald der Conscribirte von einem Fonde, von wöchentlicher, monat-licher, jährlicher Unterstützung hört, sobald ihm bedeutet,er sey aufgenommen,"dann ist die Wurzel deS Proletariers in ihn gelegt; er ist bepfründet, hat seinRecht, hat gute Aussichten, waö braucht er mehr? Die Gemeinde muß ihn jaernähren, im Weigerungsfalle kann er ihren Vorgesetzten zu Leibe rücken, sie der