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Ungerechtigkeit bezüchtigen, verklagen! Er weiß sich durch Kunst und Verstellung Zeug-nisse zu erwerben, damit wird er frech. Jetzt ist er jener Unhold, der die sogenann-ten Slrmen-Sitzungen nicht selten mit Insulten bestürmr, der in den Gerichten mitseinen Papieren eine nicht unbedeutende Rolle spielt; jetzt ist er jener Vollblut-Proletcm'er, der mit unterdrücktem Grimm auf eine günstige Gelegenheit lauert, seinenRachedurst zu kühlen, und sey es selbst im Blnte der Revolution.
Endlich kommt der Betheiligte, holt in bestimmten Raten sein jährliches Aver-sum, kümmert sich um den Geber nicht mehr, als um den nächsten besten Gerichts-diener, und gehl wie er gekommen. So muß auch die letzte Reminiscenz einesAlmosens fallen, und der Empfänger in seinem Rechte die Bestätigung erhalten.Ueber dieses Alles, wer sind die Vertheiler der Pfründe? Etwa Diaconen, wiezur Zeit der ersten Christen, oder der Seelsorger als solcher in Verbindungeiniger Männer von Frömmigkeit und Erfahrung, oder ein besonderer Verein christ-licher Liebe? Es ist ein Staatsorgan, in dem auch jede Zurückführung auf religiösenStanbpuuct unmöglich geworden; ein Staatsorgan, dessen Vorstand, ohne eigeneBesugniß, allen Nüancirungen der Controle ausgesetzt ist, ein Staatsorgan, daSbeim besten Willen nimmermehr seiner hohen Aufgabe nachkommen kann. .Dazu istihm in der Conscquenz ein unfehlbar wirkendes Mittel entrissen, daS in vielen Fällendie einzige Zuflucht ist, die Hunger-Cur; eS ist sein Wirken, und wenn auchstandhaft das Gegentheil behauptet werden wird, bloß negativ.
Nach dieser Behandlung des ArmenwesenS erscheinen abändernde Vorschlägeund suchen, obwohl sie aller Wissenschaftlichkeit und Haltbarkeit entbehren, als Engelder Rettung sich hinzustellen. So erblicken die Einen das Heil allein in der Arbeitund stoßen auch zitternde Greise und Mütterlein zu derselben fort; Andere entdeckenden Hoffmingsstern in dem frisch belebten Handel und wollen möglichst viele Fabrikenerrichtet wissen; Andere wollen BeschäftigungS-Anstalten nach Art der Zuchthäuser,weil nur so beider Desiderien vollständig entsprochen werden könne; wieder Andereglauben, eS sey daS für die Speculation günstige jüdische Ferment gesetzlich zubegünstigen und möglichst zu verbreiten, und nach Niederreißunq dieser religiösenScheidewand ein nenes Canaan herzustellen. Diese Vorschläge, wozu noch die Er-richtung von Arbeiter-Vereinen, die Hebung des Credits u. s. f. zu zählen, ergehensich alle in der süßen Hoffnung, daß ihnen um so sicherer der Erfolg sey, je ruhm-reicher die Anfänge gekrönt nnd durch Nachweise erhärtet seyen. Dieser krankhaftenHoffnung können wir unmöglich beipflichten. Sie leidet an der falschen Voraussetzung,daß das subjective Element in jedem Falle nicht von so hoher Bedeutung sey und,Weil die Noth eine materielle, auch mit materiellen Mitteln ihr begegnet werdenkönne und müsse; sie läßt die Frage unerörtert, woher eS denn komme, daß Gegen-den oder Individuen, für welche materiell Alles geschehen, dennoch mehr und mehrder Verkümmerung verfallen; sie übersieht die geschichtliche Argumentation, welche indem Blühen und Sinken der Völker eine große Ursache unläugbar angibt; sie wirdendlich mehr oder weniger von einem schlimmen Grundgedanken geleitet, den wir vorder Hand noch nicht näher bezeichnen wollen.
(Schluß folgt.)
Se. Heiligkeit Papst PiuS IX. hat an den hochwürdigsten Herrn Fürstbischosvon BreSlau unterm 2. Januar ein apostolisches Schreiben erlassen, aus dem wirFolgendes hier mittheilen:
..Aus Deinem Briefe haben wir nicht ohne große Freude Deine kindliche Pietätund Ehrfurcht ersehen, in der Du UnS und diesem Stuhle Petri, dem Mittelpunktder katholischen Einheit, fest anzuhängen versprochen hast. Bewahre auch fernerhin,Ehrwürdiger Bruder, diese Deine vortrefflichen, eines katholischen Bischofes würdigen