Ausgabe 
14 (12.3.1854) 11
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Gesinnungen und suche in jener umfangreichen Diöcese, die Dir von UnS anvertrautworden, alle Pflichten eines guten Hirten eifrig zu erfüllen. Und vor Allem ver-wende alle Deine Sorge, Wachsamkeit, Mühe und Klugheit darauf vorzüglich, daßdas Pfand unseres heiligsten Glaubens vollständig und unversehrt bewahrt und dasRecht, die Lehre und die Freikeit der katholischen Kirche unverletzt erhalten werde.Da eS Dir aber keineswegs verborgen ist, daß die Menschen zur Religion, zur Fröm-migkeit und zum Gottesdienst wohl am meisten durch das Leben und Beispiel Dererangeregt werden, die dem göttlichen Dienst sich gewidmet haben, so biete alle DeineSorgfalt und Wachsamkeit auf, daß die Geistlichen, alles dasjenige vermeivend, waSden Klerikern untersagt und für sie unschicklich ist, den Gläubigen ein Beispiel seyenim Wort, im Benehmen, in der Liebe, im Glauben, in der Keuschheit, daß sie diePflichten ihres Amtes fleißig, verständig und heilig erfüllen, dem Gebete obliegen,die Studien der heiligen Wissenschaften mit Eifer und Fleiß betreiben, damit sie Die-jenigen belehren können, die das Gesetz von ihrem Munde begehren und jene, diewidersprechen, zurechtweisen. Und weil Du wohl weißt, wie wichtig eS in diesenZeiten namentlich für die Kirche ist, geschickte Diener zu haben, die nur auS wohl-geleiteten Klerikern hervorgehen können, so lasse nichts unversucht, daß die jungenKleriker schon von zartem Alter an durch die bewährtesten Lehrer im Seminar zurFrömmigkeit, zu aller Tugend und zum geistlichen Sinne herangebildet, in Studienund strenger, besonders kirchlicher Disciplin, fern von jeder Gefahr, jedweden Irr-thums und profaner Neuerung, auf'S fleißigste eingeübt werden. Unterlasse nicht, mitdem größten Eifer und mit bischöflicher Sorge zu wachen, daß in jenen öffentlichenund privaten Lehranstalten, die Dir besonders unterworfen sind, die Methode derStudien und deS Unterrichtes der katholischen Lehre vollkommen entspreche. Denn Dnerkennest sehr wohl, welch' falsche, absurde, irrthümliche und verderbliche Meinungen,in den philosophischen Disciplinen namentlich, vorgebracht werden, die der göttlichenOffenbarung und der wahren Vernunft widerstreiten. Auch ist Dir nicht unbekannt,welch' verpestete und abscheuliche Bücher, mit Geschick geschrieben und voll von Hin-terlist, verbreitet werden, durch welche die feindlichen Menschen die Geister und Ge-mächer Aller verkehren, die Sitten verderben, die Gläubigen vom katholischen Cultusabwendig machen, die Grundlagen der Religion und der bürgerlichen Gesellschafterschüttern, und alle göttlichen und menschlichen Rechte gottlos und verbrecherisch zuvernichten suchen. Deshalb, Ehrwürdiger Bruder, laß eS, so viel an Dir ist, cmkeiner Sorge und Klugheit fehlen, um die Ansrecknng dieser schrecklichen Pest vonDeiner Diöcese fern zu halten und sowohl mündlich, als durch geeignete Schriftendie Dir anvertrauten Gläubigen beständig zu ermähnen, damit sie im Bekenntniß derkatholischen Wahrheit täglich mehr befestigt, unbeweglich verharren und sich niemalstäuschen und in Irrthum führen lassen von den Erfindern der Lüge und den Anhän-gern verkehrter Glaubenssätze. Den Eifer der Pfarrer suche insbesondere anzufeuern,daß sie ihrem Amte fleißig uud gewissenhaft obliegend, niemals aufhören, das christ-liche ihnen anvertraute Volk durch Verkündigung des göttlichen Wortes und Aussven-dung der Sacramente zu weiden und durch Einschärfung des göttlichen Gesetzes zuunterrichten, von den vergifteten Weiben abzuhalten und auf die heilsamen zu leitenund die Kinder in den Grundlehren des Glaubens mit großer Geduld zn unterweisen,und ihre zarten Geister und empfänglichen Herzen zur Tugend und zu jeder Disciplinfrühzeitig anzuleiten. Und da Du ein Gesandter Christi bist, welcher kam, nm zusuchen und selig zu machen, was verloren war, so höre nicht auf, EhrwürdigerBruder, in aller Geduld und Belehrung, Deine bischöfliche Mühe darauf zu verwen-den, daß jene, die elendiglich unwissend sind und irren, das Licht der Wahrheiterblicken und erkennen und auf den W.'g der Gerechtigkeit und in den einzigen Schaf-stall Christi zurückkehren. Bei den größten Bedrängnissen aber und Schwierigkeiten,die in diesen so ungünstigen Zeiten von dem bischöflichen Amte untrennbar sind, ver-liere nicht den Muth, sondern sey stark im Herrn und denke an jene unverwelklicheKrone der Herrlichkeit, die von dem ewigen Fürsten der Hirten den Ausdauernden