Vierzehnter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Augsburger Pojtzeitung.
19. März M K2 ' 1854.
Dieses Blatt erscheint regslmäHia alle Sonntage. Der l,albjShrilie^Ab>'m.,'nientg>!rei.?kr., wofür e« durch alle köm'ql. bayer. Postämter und ülle Buchhcmdlunaen liezvnen werden ksnr.
DaS Bild des Erzbischofs von Freiburg .
Die in der Cottci'schen Buchhandlung erscheinende „Deutsche VierteljahrSschrift"enthält im ersten Hefte für 1854 eine höchst gediegene Monographie: „Der Kirchen-streit in Baden" betitelt; ja, wir stehen nicht an, zu sagen, daß damit sowohl inFc>rm als Inhalt daS Beste über diese Angelegenheit geboten wird. Der Raumgestaltet uns leider nicht, auf die Einzelnheiten dieser Abhandlung, welche in beson-ders gründlicher Weise das Recht des Erzbischofs auch i» den posuiven staatsrecht-lichen Verhältnissen nachweiset, weiter einzugehen; hingegen können wir uns n>Mversagen, das achle, die Persönlichkeit des herrlichen Erzbischofs schildernde Capitelabzudrucken. Der Aufsatz lauiet also:
Nach langer Krankheit starb der Erzbischof Jgnaz Demeter am 21. März 1842.Er hatte den Sitz des Mettopolilan fünf Jahre und zwei Monate inne gehabt, unddiese ganze Zeit unter Vorstellungen, Bitten und Protestatiouen verlebt.
Die Wahl des Nachfolgers wurde am 15. Juni 1342 vorgenommen. DerGroßherzog Leopold hatte keinen Candidaten verworfen; er ordnete den damaligenDirector der katholischen Kirchensection, Gcheimenrath Siegel, als Wahlcommissärnach Freiburg ab, und dieser mischte sich auf keine Weise in die Wahl. Sein Beneh-men ist in jeder Beziehung ein ehrenhaftes gewesen; und so wurde Hermann vonVicari, Bischof von Macra, zum Erzbischof von Freiburg und Metropoliran deroberrheinischen Kirchenprovinz einstimmig erwählt.
Hermann v. Vicari ist geboren am 13. Mai 1773 zu Aulendorf in Oberschwa-ben , wo sein Vater gräflich Königsegg'scher Oberamtmann war. Während er seineersten Studien am Lyceum zu Coustanz machte, verlieh ihm das Dvmcapiiel einÄanonikat am dortigen CollegiatsMe zu St. Johann. Am Jesuiiencollegium zuAugsburg studirte er Philosophie, und begab sich von dort nach Wien , um nach vemWillen seines Vaters sich dem Studium der Rechte zu widmen Von Wien im Jahre1795 zurückgekehrt, führte ihn sein Vater in die praktischen Geschäfte ein, aber dieNeigung zum Berufe deS Priesters bewog ihn, mehrere ehrenvolle Beamienstellcn aus-zuschlagen. Während dieser Jahre seiner juristischen Praris unterzog er sich den rigo-rosen Prüfungen in Dillingen, ans deren Grund er die Doctorwürde beider Rechteerhielt. Nach dem Tode seines Vaters verließ er den weltlichen Beruf, um sich ganzdem Studium der Theologie zu widmen; er wnrde am 1. October 1797 zum Priestergeweiht, und zu gleicher Zeit in sein Kanonikat eingesetzt. Earl Theodor von Dal-berg ernannte ihn.im Jahre 1802 zum Assessor bei dem bischöflichen Regierungs-Collegium zu Constanz, und nach wenigen Tagen zum geistlichen Rath. In dieserStelle zeigte er eine so vorzügliche GeschäftStüchtigkeir, daß ihn der ehemalige Fürst-primas v. Dalberg noch im Jahre 1816 mit dem Officialate der bischöflichen Eurie