Ausgabe 
12 (27.6.1852) 26
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dieselbe ja weltbekannt, und wo sie nicht bekannt war, ist sie eS durch die ungläubigeKritik geworden, die alles aufbot, um Betrug dabei zu entdecken oder die Sache aufnatürlichem Wege zu erklären. Neapel bewahrt nämlich, früher in seinen überausmerkwürdigen Katakomben und jetzt in seiner Kathedrale das Haupt des heiligenJanuariuS. der unter Diokletian im Amphitheater den wilven Thieren vorgeworfen,unv da diese ihn nicht berührten, sondern sich zu seinen Füßen niederlegten, eiuhauplelwurde, wie auch ein Fläschlein (Ampulle) mit seinem Blute, wie man ein solchesin der Regel vor den Grabstätten der Märtyrer in den Katakomben findet. An letz-terem zeigt sich nun die auffallende Erscheinung, daß an den drei Hauptfesten desHeiligen während des Gebetes des stets zahlreich gegenwärtigen Volkes das zu einerKruste erstarrte Blut flüssig wird und eS wiederholt sich daS von Jahr zu Jahr. AISwir in der großen Seitencapelle deS DomeS, wo die Heiligthümer aufbewahrt wer-den, waren, wurde gerade unter großer Feierlichkeit das Haupt deS Heiligen, in einesilberne, vergolvete Büste gefaßt und mit den bischöflichen Jnsignien geschmückt, zurVerehrung ausgesetzt, unv damit die Octav zur Vorbereitung auf daS eine der dreiHauplfeste, an welchem jene Erscheinung sich zeigt, begonnen. Leider ist eS unönicht vergönnt, noch so lange in Neapel zu verweilen, um als Zeuge davon redenzu können, aber wir erinnern unS, in einem Werke, daS unS hier leider nicht zuGebole steht, eine sehr gediegene Geschichte und Kritik darüber, die auch die Zeugnissevieler Aerzte, die völlig ungläubig hinzutraten und ihre Untersuchung begannen,gesammelt enthält, gelesen zu haben. Einer unserer größten Historiker, FriedrichHurter, ging nämlich noch als Protestant nach Neapel , um sich durch eigene An-schauung davon zu überzeugen, was an der Sache sey, und er hat seine Beobach-tungen und Untersuchungen in seinem Werke:Geburt und Wiedergeburt" (II. THI.)niedergelegt, worauf wir Ihre Leser deßhalb verweisen. ^) Wie im Volke, sofindet man aber auch in Neapel lebendige Religiösität auf dem Throne, und vor allerWelt hat König Ferdinand II. sich durch die Ehrfurcht und Ehrerbietung, mit der erden heiligen Vater auf seiner Flucht aufnahm, als frommen Katholiken gezeigt.Wie sehr er diesen Namen auch in seinem Privatleben verdient und seinen Unter-thanen im Guten voranleuchtet, dafür wollen wir nur das Eine anführen, daß derKönig in d^n letzten Tagen vor der Charwoche sich von den StaatSgeschäften zurück-zog, um die vor dem hohen Osterfeste noch übrige Zeit ganz allein seinem und seinesVolkes höchsten Herrn in den geistlichen Erercitien zu widmen, und daß alle Bewoh-ner seines Palastes, vom obersten bis zum untersten Diener, an diesen heiligenUebungen Theil nehmen mußten. Wahrlich, wohl dem Volke, daS einen solchenRegenten hat, aber auch wohl dem Regenten, der ein so ächt katholischesVolk hat!

In der Nähe von Neapel und im Rücken der Stadt liegt Camaldoli, vondem alle Reisebücher melden, daß es der schönste Punct der bewohntten Erde sey,und alle Fremden, die Neapel besuchen, scheuen deßhalb die Mühseligkeit der Erstei-gung einer hohen Bergkuppe nicht, um die herrliche Aussicht, die dort geboten ist,zu genießen. Wenn es nun aber überhaupt schon so schön und für das christlicheGemülh so ansprechend ist, waS man hier in Italien so häufig findet, daß nämlichauf den höchsten Spitzen der Berge Klöster liegen, und so, während das GetreidedeS alltäglichen Lebens in die Tiefen sich zurückgezogen hält, von den Höhen auSheiligerem Munde und unaufhörlich dem Herrn Preislieder ertönen, und von denHöhen auS reineren Händen und unaufhörlich die Opfer der Entsagung und deSGebetes emporsteigen, so daß eS scheint, als wolle die Clmstenheit den Herrn fort-während bitten, daß, wenn er auf die Erde herniederschaue, er nur auf die Höhensehen, und waS in den Niederungen deS gemein-n Lebens vor sich geht, übersehenwolle, wir sagen, wenn das überhaupt schon so ansprechend ist, so hat unS dochdaS Kloster auf dieser Höhe ganz besonders gefallen. Von dem Klostergarten auö

") Vergl. auch im röm. Brevier den 19. Sept.