Ausgabe 
14 (19.3.1854) 12
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schaft zu beilen; daß die Kirche ihre Rechte zunickerobern müsse, um die wahre Frei-heit auf Erden zu gründen: das ist sein politischer Gedanke. Er liebt sein großesVaterland und kennt dessen Geschichte; aber er ist der treueste Unterthan seines Lan-desherr». Im Sturm der Umwälzung hat er seinen Sitz nicht verlassen, unter drin-genden Gefahren hat er den Rebelle» ihr Unrecht vorgehalten und das Volk zur Treueermahnt. Niemals ist cS ihm in den Sinn gekommen, das Ansehen der weltlichenGewalt zu schwächen; aber in seinem Glauben darf er dem Rechte der Kirche Nichtsvergeben, er mnß es schützen und wahren znm Heil des Staates und zum eigenenWohl des Regenten.

DaS ist der Erzbischof von Freiburg , der jetzt den Kampf der Kirche gegen diebureaukratische Staatsallmacht führt.

Derkatholische Götzendienst".

Ein gewisser Poynder zu London schrieb ein Schmählibell gegen die katholischeKirche , die er deS Götzendienstes und HeidenthumeS bcschnldigte. Wiseman (noch eheer Cardinal wurde) antwortete hierauf im Dublin Kevisw in einer so vernichtendenWeise, daß Poynder dadurch zum Schweigen gebracht wurde und die katholischeSache in England nur damit gewann. In dieser Widerlegung Poynders läßt Wise-man einen Heiden die Kirchen Londons besichtigen, und liefert dann folgende herrliche den Gegenstand der Anklage auf den Ankläger und seine Sache zurückwerfendeBeschreibung der Paulskirche in London :Ich würde ihn (den Heiden), nachdemdas Eintrittsgeld gehörig bezahlt wäre, in die Kathedrale von St. Paul führen, undihu bitten, er solle auf die Religion rathen, der sie angehöre. Würde nicht seineerste Frage seyn, gehört sie überhaupt einer Religion an? Ist dieß überhaupt einPlatz zum Gottesdienst? Kein Altar, keine Kanzel, keine Abbildung von einem Hei-ligen ist sichtbar; rein Punct, gegen den sich die Gläubigen wenden, als sey in ihmdie Gegenwart Gottes concentrirt; kein Zeichen von eigenthümlicher Bestimmung, keinBetender oder auch nur ehrerbietiger Beschauer, keiner, der, wenn er die Schwelleübertritt, seinen Geist im Gebet vorbereitet, als nahe er Gott . Da sieht er Männermit bedecktem Haupte, als wären sie ans offener Straße; sie gehen ab und zu,betrachten das Gebäude bloß als architektonisches Werk, und sind durch die Einpfäh-lung von dem großen Schiffe getrennt; denn die Ehrfurcht vor demselben ist so gering,daß eS, wäre eS offen, ohne Scheu profanirt werden würde; Spott und Scherz,oder der Stand der Papiere, oder eine skandalöse Tagesneuigkeit kann allein ihreNeugierde befriedigen und bildet die Unterhaltung der verschiedenen Gruppen. Würdeer einen einzigen Gegenstand bemerken, der ihm andeuten würde, daß er in einemfür christlichen Gottesdienst bestimmten Raume stehe? Dürfte er nicht auS der Orgelschließen, es sey eine Halle für festliche Versammlungen? Dürften nicht die schimme-ligen Fahnen, die um ihn wehen, ihn ans den Gedanken bringen, es sey die Curie,oder das Senatoreuhaus der Stadt? Bloß Ein Umstand kann ihn auf ein richtigeresUrtheil führen; es sieht nämlich wie ein Theil des Gebäudes, gerade wie seine eells,abgeschlossen, und dem Blicke uus dem Zutritte deS Profanen entzogen ist, und da erin der katholischen Kirche nichts derartiges gesehen hat, und es vollständig der Form-seiner Tempel entspricht, wird er sicherlich noch genauere Aehnlichkciten vermuthen.Während er aber so unentschlossen wäre, welcher Religion er Ansprüche ans den Besitzdieses Tempels geben soll, würde ich seine Aufmerksamkeit auf einen andern Punctrichten, und ihn bitten, seinen Blick auf die Grabmäler und die tastbaren DenkmälerringS um ihn zu richte», um ihm einigermaßen zu verstehen zu geben, welchem Gott hier gedient, uud wclche Tugenden gelehrt werden. Hier sieht er Sinnbilder in genü-gender Anzahl, aber nicht da? Kreuz, oder die Taube, oder den Oelzweig, wieauf den alten Grabmälern, sondern die Trommel und Trompete, das Schwert unddie Kanone. Wer sind nun diejenigen, deren Aufführung und deren Thaten für