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würdig erachtet wurden, diesen Tempel zu schmücken? Männer, die mit dem Schwertin der Hand vorwärts stürzten, um die Nachfolgenden zum Kampfe zu ermuthigen,oder die untersanken, während sie das feindliche Verdeck enterten; Helden, wenn Siewollen, Wohlthäter ihres Landes, aber sicherlich keine Männer, die zur Verherr-lichung der Religion beigetragen. Von einem wird gesagt, er sey gefallen, wie eSsich gewiß ein Römer gewünscht hätte, nachdem er seines Feindes Schiff geenterthatte und so entweder eines vernichtete oder beide rettete; die Grabschrift einesAndern ist mit Worten gegeben, mit denen sein Befehlshaber berichtete; die einesDritten mit den Worten des Beschlusses des Hauses der Gemeinen; nicht ein Wortvon einer einzigen Tugend, eines Gedankens an Gott, einer Hoffnung auf den Him-mel, nicht eine einzige Andeutung, daß er sich zu irgend einer Religion bekannt odergeglaubt habe. Und würde nicht der Heide sich freuen, einen Tempel gefunden zuhaben, wo der Muth der dreihundert Fabier oder die Selbstopferung der Deciusse,oder die Tugenden der Scipionen so vollständig gelehrt und der Bewunderung undder Nachahmung der Menschen ausgestellt werden? Um wie viel größer würde dieseFreude werden, wenn er die Sinnbilder, unter welchen diese Thaten oder ihre nähernUmstände ausgedrückt werden, näher betrachtete. See- und Flußgötter, mit ihrenschlammigen Kronen und ausströmenden Gefäßen, der Ganges mit seinen Fischen undKalabassen, die Themse mit den Genien ihrer Nebenflüsse, der Nil mit seinem Götzen-bild? der Sphynr; die Siegesgöttin geflügelt und aufgegürtet wie bei den Alten,schlingt weltlichen Lorbeer um die Schläfe der Gefallenen, die Fama verkündet mitihrer antiken Trompete ihre weltlichen Verdienste, Clio, die Tochter Apollo'S, erzähltihre Geschichte; und außer diesen kommen noch neue Schöpfungen von Göttern undGöttinnen vor, der Aufruhr und die List, die Stärke und die Empfindsam-keit/Britannien, das wahre Abbild deS sich selbst anbetenden RomS, und beieinigen von diesen ist die Draperie so mangelhaft, daß sie mehr für einen alten heid-nischen als für einen modernen Tempel passen würden. Diese Sammlung alter Gott-heiten, die einzigen Bilder, die sein Auge belehren konnten, würden ihn gewiß zuder vollen Ueberzeugung bringen, entweder daß seine alte Religion, ihre Sinnbilderund ihre Sittenlehre nie verdrängt, oder daß sie erst wieder eingesetzt worden sey-ES würde umsonst seyn, ihm zu erklären, daß hinter jenem Gitter einmal wöchentlichwenig Zuhörern, und an den Werktagen den leeren Bänken ein heiliges Buch vor-gelesen werde, welches lehre, seinen Götzendienst zu verabscheuen und Gott im Geisteanzubeten; und daß gelehrte Männer hier Predigten über die Gefahr deS Götzendien-stes und eines symbolischen Gottesdienstes halten. Alles dieß würde, glaub' ich, ihnnur noch mehr veiwirren. Er würde sagen, wenn ?S euch nicht erlaubt ist, Bilderzu haben, oder sie in eurem Tempel aufzustellen, warum brecht ihr daS Gesetz bloßzu Gunsten von Kriegern und Flußgöttern? Wenn dieß euch erlaubt ist, warum wer-den die Christen von Rom angeschuldigt und verdammt, daß sie Bilder von Christusund seinen Hnligen aufstellen? Ich trage kein Bedenken, zu behaupten, daß er. wenner so schlösse, wie Sie, und den Grundsätzen, nach welchen Sie urtheilen, folgte,wenn er eine Religion nach der Schaale und nicht nach dem Kerne, nach dem Leibeund nicht nach dem Geiste, nach den äußerlichen Formen und nicht nach dem Glau-ben, den sie ausdrücken, beurtheilte; und wenn er darauf bestände, gleich Ihnen seineneigenen Eindrücken und Vorurtheilen mehr nachzugeben, als den Verwahrungen undErklärungen derjenigen, gegen welche er streitet; ich trage kein Bedenken zu behaupten,daß er einen viel matteren Ausdruck deS christlichen Gedankens in der protestantischen,als in der katholischen Kirche sehen, daß er viel größere Denkmäler deS verworfenenGötzendienstes in der englischen als in der römischen Kathedrale finden würde.
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