Ausgabe 
14 (19.3.1854) 12
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DaS Armenwesen vom katholischen Gtanbpunete betrachtet.

III

Mittel gegen die Verarmung und Noth.(Schluß, 1

Wir behaupten frei und werden eS erhärten, daß lediglich im Christenthum daSgesuchte Heilmittel gegen Verarmung und Noth enthalten sey. ES ist dieß nicht etwabloß ethische Folge, sondern sogar principielle Tendenz. Gehen wir zu derallgemeinen Anschauung und dann zur besonderen.

Wie daS Land der Verheißung, dieses von Milch und Honig fließende Land,mit seinen gesegneten Triften und fruchtbaren Feldern, mit seiner blühenden Küsten-strecke und dem unschätzbaren Libanon, wie dieses Nachbild des paradiesischenS-egenS entstand und fiel mit der Treue oder Gottlosigkeit der Kinder Israels, soin weiteren Kreisen bei den Kindern deS neuen GotteSrcichcS. Es steht fest im gläu-bigen Bewußtseyn und geschichtlich begründet, daß an GotteS Segen Allesge,l,egen, und wie der Fluch GotteS auch die größten Reichthümer vernichte.(Psalm 111, 3: Klon» et clivitme in clomo ejus, prov. 3, 13: Omm8 enim tmmo,lsui oomeclit et Kirnt et viclet bonum cle Isdore suo; Koo clonum vei est.) Esdrückt dieses die Schrift mit den Worten aus, welche sich zur untrüglichen Wcchrhmerheben (Pf. 36, 25):Ich bin jung gewesen und bin alt geworden, und noch niesah ich den Frommen verlassen, noch seine Kinder nach Brod gehen."'Näher ist diese auS dem Christenthum unmittelbar fließende zeitliche Wohlfahrt dahin zuerklären, -daß Gott für Solche gleichsam mit seiner Vorsehung einsteht. Darum that derHerr den göttlichen AuSspruch (Mth. 6, 33):Suchet zuerst das Reich GotteS und seineGerechtigkeit, und jenes Alles wird euch beigegeben werden."Solcheunmittelbare Eingriffe der Vorsehung bestätigen aber ihre Fügung und Ordnung, dieüber alles menschliche Eigenthum im Allgemeinen waltet." (I. Th. Laurenr, die zeitlichenSegnungen des Christenthums.) ES berühren sich nämlich die Hauptconstitutive jedesGedeihens eben so fördernd das Gute als ausschließend daS Verderbliche, und einigensich zum Regenreichen Erfolg, GotteS Gnade und menschliche Freiheit. Daher ist dannauch das zerstörende Moment der Sünde, welches diese auf daS dießsemge Lebenübertrügt, entrückt, größere oder kleinere Calamitäten sind, wo Gottes Friede weht,ferne gehalten, cS steigen Gebete zum Herrn empor im Vertrauen auf die Worte derewigen Wahrheit:Bittet, und so wird euch gegeben!" (Mth, 7, 7) nnd der Herrerfüllet Alles mit seinem Segen.

Vergeblich sieht sich die moderne Glücksthecne nach einem Rüstzeug um. dasden -Feind erschlägt, dessen Eristenz und Einfluß sie statuirt, ohne zum siegreichenSchwert zu greifen. Denn wo Leidenschaften und Laster schweigen, welche wie eingefräßiges Thier auch die größten Güter verschlingen; wo nicht mehr das beleidigteSittengesetz seine Ueberlreter bis zur Verworfenheit in ein disharmonisches Leben ab-stößt; wo nicht mehr der Zerfall mit den allein haltbaren Principien fortreißt; wonicht mehr d.sr Geist in die Fesseln der Sünde geschlagen und im freien Aufschwungzum wahren Glücke nicht mehr gehemmt ist: da war eS nur das Christenthum, derMaube, der diese Quellen zeitlicher Noth versiegen machte, und nicht ein wenn auchnoch so hochgetrageneö politisches Glückssystem. Hier wirkt daS Geheimniß deSchra'jstlichen Sittengesetzes ein, d.iS auf dem Grundpfeiler der Entsagung undSÄlWvsrläugnliNH aufbaut und in dem Grade erhöht uud beglückt, als sich dieDsmuth in ifreiwilliger Erniedrigung vor Gott beugt. Jene dreifache Begierde derGenußsucht, der Habsucht und Ehrsucht, die Herrscher unserer Zeit, die aufeine Vergötterung des Creatürlichen hinausläuft, setzt gerade die größte Feindschaftzwischen diesem und dem Menschen, säet Fluch in die Furchen der so bebauten Erde,und vernichtet jedes Werk, dem sie als Motiv zu Grunde liegt. Wir möchten darumglauben, daß nicht nur negativ gegen die Hindernisse deS Aufblühens besserer Tagenichts auszurichten sey, sondern auch positiv keinerlei Art von Vorschriften nnd An-