Ausgabe 
14 (19.3.1854) 12
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ordimngen hiezu gegeben werden können, wenn man die Gränzen deS Christen-thums überschritten. Wenn der Herr dieses Werk nicht baut, bauen die Bauleutevergebens. Es dürfte zugleich hieraus erhellen, daß, sobald daö Christenthum nichtals das allein normirende Princip verfolgt wird, die Civilisation einem lockenden Trug-bild ähnlich ist, einem faulen Sumpft, mit täuschendem Grün überzogen, und daßdieselbe in dem Maaße retrograd den« Barbarismus zueilen muß, als die aus guteralter Zeit geretteten Trümmer im neuen Lichte aufgehen.

ist auch principielle Tendenz deS G.aubens, Verarmung und Nothzu heben; nicht nur, daß er, wie gezeigt, den Segen Gottes vom Himmel herabzieht,sondern auch, daß er den einmal stattfindenden Unterschied zwischen Arm nnd Reichmöglichst aufzuheben bestrebt ist. Der Glaube lehrt, der Armen sich erbarmen. Ent-gegen dem Armen als gebornem Sklaven in der heionischen Welt sollte der Arme imReiche Gotlcs vom Drucke freigestellt werden als Bruder in Christo. Es schufdas Christenthum den Mittelstand gegenüber den zwei Ständen deS Alterthums, derdie Ausgleichung zwischen beiden werden sollte, wie der Untergang oder daS Schwächendesselben ein Kennzeichen der Abnahme oder des VerschwindenS deS Glaubens wäre.Während das Heidenthum die Armen als eine Last betrachtete, so daß ein römischerKaiser sagen konnte:>oi,is graveg sunt", und selbst bei einem ihrer größten Moral-philosophen (Senecs cle clem. I. 2, 4) zu lesen:Alle Guten werven sich vor Barm-herzigkett hüten und kein Weiser wird sich von Mitleid rühren lassen": erkennt dasChristenthum die Unterstützung derselben als Pflicht und als Erforderniß zur ewigenSeligkeit; ein beständiger Anfrus, in dem der Herr mit dem Armen sich selbst identi-ficirt. In diesem Sinne schrieb der heil. Kirchenvater Petrus ChrisologuS (cle ^ejuniciet eleem.):Die Hand des Armen ist der Schatzkasten Christi, denn was der Armeannimmt, das empfängt Christus." Nur wo diese Principien herrschen, können wiruns die rechten Mittel gegen die eingerissene Verarmnng und Noth versprechen, undnicht vom Abklatsch eines verfeinerten Gefühlswesens, oder vom Absehen von dernicht hierher gehörigen" Religion.

Wir kommen nun der Lösung der Fr^ge näher, und werden in einem zweitenArtikel die sachdienlichen Mittel bezeichnen.

P a s s a u.

Passau , 7. März. Unser hochwürdigster Herr Bischof Heinrich behandeltin seinem dießjährigcn Hirtenbriefe bei Anlaß der heiligen Fastenzeit die hochwichligeFrage der Kindererziehung vom christlichen Standpuncle aus mit besonderer Berück»sichtigung auf die oft verkannte Wahrheit,daß die Erziehung der Kinder keineswegserst mit jenem Zeilpuncte beginne, in welchem die gesetzlichen Vorschriften die Elternverpflichten, ihre Kinder in die Schule zu schicken, sondern daß die ersten Pflichtenchristlicher Erziehung von den Eltern schon lange zuvor mit aller Sorgfalt und Ge-wissenhafligkeit erfüllt werden müssen. Nachdem dieses Thema eben so gediegen alsausführlich behandelt und die dießfällizen irrigen Ansichten unv Vorkommnisse geschil-dert worden, äußert sich der hochwürvigste Herr Bischof in nach Oben und Untenhöchst beherzigcnswerlher Weise dahin:Wenn es mit uuserer heranwachsenden Jugendallenthalben so traurig aussieht; wenn mit Recht von allen Seiten die bittersten Kla-gen erhoben und die größten Befürchtungen für die Zukunft deßhalb ausgesprochenwerden, so schiebe man doch ja nicht alle Schuld auf die Schulen und das jetzigeSchulwesen, sondern suche vielmehr den Anfang dieser beklagenSwerthen Uebelständein dem Mangel einer christlichen häuslichen Erziehung, ehe die Kinder in die Schuletreten. Daö Verderbuiß unserer jetzigen Jugend geht in der Regel vom älterlichenHause aus, die Kinder kommen meistens schon verdorben in die Schule. Was kannman aber mit einem Kinde in der Schule anfangen, das mit einem verkehrten undverdorbenen Herzen in dieselbe eintritt? Können die Lehrer, können die Priester, welche