Ausgabe 
14 (19.3.1854) 12
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die Kinder nur eine kurze Zeit in ihrer Nähe haben, welche keine väterliche Gewaltüber sie besitzen, welche mit den Kindern nicht durch jene heiligen Bande deS Blulesund der Abstammung verbunden find, die eine so große Macht über die Natur aus-üben , welche überdies) aus natürlichen Gründen in so vielen Verhältnissen den Kindernnie so nahe stehen wie die leiblichen Eltern, können die Lehrer und die Priesternun alles das gut machen, was die Eltern seit Jahren bei einem kleinen Kinde ver-säumt und verderbt haben? Die eifrigen Bemühungen der Lehrer und Priester werdendie Ausartungen eines Kindes durch Belehrung zurückweisen, durch Strafen in Schran-ken halten, durch Aufsicht und Ueberwachung unschädlich, theilweise unmöglich machenkönnen, aber eS wird nur sehr selten und nur unter besonderm Beistände der göttlichenGnade möglich seyn, ein einmal verdorbenes Kind auch in seinem Innern, seinemHerzen, seiner Seele vollkommen zu bessern. Denn das Herz eines Kindes, das nichtvon den zartesten Jahren an durch eine fromme christliche Erziehung im elterlichenHause von Vater und Mutter geschützt, geleitet und entwickelt wird, kommt frühzeitigin einen Zustand von Kälte, Erstarrung und Verstocktheit für alles Gute. Die geistigeNatur eines solchen Kindes verliert alle Kraft und allen Wachsthum, die Natur desFleisches aber entwickelt sich mir der Macht und wird über alles Herr." Der Hirten-brief schließt mit der wahren Behauptung, daß nur mit dem Eintreten einer besserenchristlichen häuslichen Erziehung bessere Kinder bessere Menschen bessere Zeitenkommen werden. Gott gebe eS!

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Zur Tischraserei.

Wolfgang Menzel schreibt hierüber in seinem Literatur-Blatt: »ES hat seinGuteS, wenn das Böse offenbar wird. Die Schamlosigkeit, mit welcher seit Jahr-zehcnten der Unglaube hervorgetreten ist, hat zur Besinnung geführt und den christ-lichen Glauben, der überwunden werden sollte, neu gestärkt. Die Schamlosigkeit deSAberglaubens wird gleichfalls zur Besinnung führen und dem wahren Glauben zugute kommen. Nebenbei ist es erfreulich wahrzunehmen, wie trostlos sich das Trei-ben derer widerspricht und selbst vernichtet, die vom Glauben abgefallen sind. DaSTischrücken ist in dieser Beziehung die solennste Protestation gegen die vor Kurzemnoch auf allen Universitäten prädvminirende Hegel'sche Philosophie, denn man gibtauf den eigenen Verstand deS Menschen gar nichts mehr und holt sich Raths beimjetzt auf einmal allein weise gewordenen Holze. Der hochgepriesene Menschengeist,in dem Gott allein eristiren und sich selber zum Bewußtseyn kommen sollte, ist abge-schätzt und muß sich beugen vor dem Holze. Das erste beste Tischlein weiß jetzt mehrals alle Professoren der Philosophie zusammengenommen und Tausende würden jetztlieber bei dem hölzernen Katheder Hegels fragen als bei ihm selber. Darin liegt einetiefe Beschämung für alle Hofsänigen im Geiste. Der neue Aberglaube abcr kann,sofern er von vornherein alle Menschenweisheit aufgibt und nur der Sehnsucht nacheiner Offenbarung von außenher folgt, wenn man nur erst der groben Täuschungund Verirning in Bezug aus sein Ziel inne wird, zum wahren Glauben zurückführen.Die Naivität, die an den Dämon im Holze glaubt, ist nicht so sündhaft, wie es dieSelbstvergötterung der Hegelinge gewesen ist. Es ist nur Adams, nicht LuciserSSünde. Sie will nur naschen, nicht Gott gleich seyn. Sie erkennt wenigstens an,daß eS außer dem Menschen etwas gibt, waS mächtiger und einsichtsvoller ist, alser selber, und wenn der Teufel diese Abergläubigen erst recht geäfft und in Angstgejagt haben wird, werden sie sich leichter zum wahren Glauben wenden, und wieMoseS sein Volk vor den Schlangen rettete durch die eherne Schlange, so werden sievon den dämonischen Tischen fliehen zum Holze des heiligen Kreuzes.

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen,

Verlags-Inhaber: F. E. Krcmer.