Vierzehnter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Augslmrger PostZeitung.
26. März
^ RS
1854.
DteseS Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Aboauementsprei«kr., wofür e« durch alle köuial. baver. PoKämter uud alle Buchh-mdluiiqeu bezoqrn werden kanv.
DaS Christenthum in Abyssinien und der letzte Märtyrer daselbst
I.
Unter den Psalmen Davids ist unS auch daS freudige HuldigungSlied einesbegeisterten Jsraeliten auf Salomo , da er die Regierung antrat, im 71. Psalme auf-bewahrt. Aber so grcß auch Israels Erwartungen von Salomo'S Weisheit undRegententugenden seyn mochten, in diesem Fciergesange sind dennoch Erwartungenausgesprochen, die wohl kein blos irdischer Friedensfürst oder Salomo erfüllen konnte.„Er wiid Recht sprechen den Armen im Volke, und helfen den Kindern der Dürf-ligkn, und demüthigen die Unterdrücker derselben. Er wird bleiicn, so lange Sonneund Mond währer, von Geschlecht zu Geschlecht, Er wird herabkonumn, wie derRegen auf eine Wiesenmatte, und wie der Thau die Erde befeuchict. Da wird inseinen Tagen die Gerechtigkeit und Fricdensfülle sprossen, bis daß der Mond vergeht.Von Meer zu Meer wird er herrschen, vom Fluß bis zu des Erdballs Gränzen.Die Aethiopier werden vor ihm sich niederwerfen, und obgleich früher seine Feinde,nun aus Gehorsam den Boden küssen. Die Könige von TarsiS und die Inseln wer-den Gaben bringen, Arabiens und Seba'S Fürsteil mit Geschenken huldigen: der Eide Herrscher alle ihn anbeten, ihm dienen alle Nationen; — und er wird der Gegen«stand ihres GebeteS immerdar, und ihrer täglichen Lol preisung seyn."
In diesen Worten des gotlbegeistcrtcn Sängers schimmern freilich Hoffnungen,die erst in JesnS Christus, dem großen Salomo oder FricdenSfürsten für die Menschen,die eines guten Willens sind, festen Ankergrund fanden, deren volle Erfüllung aber erstjener auch von uns Katholiken ersehnten unv stets angcstreblen Zeit aufbehalten ist, woEin Hirt unv Eine Hecrde seyn wird.
WaS die Aethiopier betrifft, die nach dieser Prophezeiung Christo dem Herrnhuldigen sollten: so begegnet u»S schon in den Jahren 3-t und 35 nach Christi Ge-burt , als die jugendlich kräftige Kirche noch nicht lange ihre Aeste und Sprossen überJerusalems Mauern hlnauSgeirieben hatte, ein Abgesandter derselben. In jenem Vor-sprunge HochasrilaS, den w.r Habcsch oder Abyisinien, die Allen aber Aelhiopiennennen, hallen sich lange vor Christi Geburt jüdische Ansiedlungen gebildet. Dievielen mit Engpässen versehenen Waldgebirge dieses Landes, welche stufenweise vonschneebcrccklen Gipfeln bis ins liefere Nilland sich niedersenken, die dazwischen liegen-den graö- und gerrcidcrcichen Hochebenen mit dreimaliger Ernte und milder und erqui-ckender Alpenluft, die engen Thäler, von wasserreichen Flüssen durchströmt; die vierTagereisen lange heiße dürre Salzstäche, welcher als Küsteusaum die östlichen Gränz-
-) Ocstcrr. Volksfr.