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gebirgc noch vom rothen Meere sondert, boten den so ferne von Sion sich nieder-lassenden Söhnen Israels gesicherte Wohnsitze. Selbst in unsern Tagen wohnen mittenin jenem Lande, in der gebirgigen Provinz Samen, zahlreiche Juden, hatten lange,bis 180», ihre eigenen Fürsten, und nähren sich, außer dem für sie unwiderstehlichenHandel, auch vom Baue der Häuser und Hütten.
AuS jener Gegend nuu, die viel ausgedehnter ist als die österreichische Monarchie,kam um die Zeit der Steinigung des heiligen StcphanuS der Kämmerer der KöniginKandazeö nach Jerusalem , Jehova dort im Tempel anzubeten. Auf seiner Rückreiseim Wagen den Propheten Jsaias, diesen Evangelisten des alten BunveS lesend,ward er durch GottcS wunderbare Fügung vom Diacon Philippus belehrt, bekehit undgetauft, und zog dann seinen Weg fort zur fernen Heimal,mit Freuden. — Solchesist Alles lebendig und mit nnnachahmlichcr Anmuth geschildert im achten Kapitel derApostelgeschichte zu lesen. Unsern Lesern wir!) der genauere Inhalt auch ohne diewohlfeile Großmulh einer martyriumssüchtigcn Miß Cnnniugham bekannt seyn. —Wir fügen nur noch bei, daß fromme Ueberlieferungen der christlichen Vorzeit erzählen,dieser äthiopische Hofdeamte habe den Samen dcS göttlichen Wortes sodann in seinemVaterland ausgestreut, und später den heiligen Apostel Matthäus gastlich ausgenom-men, als ihn die göttliche Vorsehung nach Aethiopien zur Previgt des Evangeliumsrief. Wir überlassen eS einer hochmüthigen Kritik, diese und ähnliche Sagen chemischzu zersetzen und zu verflüchtigen, und an dem bleibenden Reste nach ihrer Weise sichzu erbauen und zu erquicken.
Wie cS der Pflanzung des Christenthums iu den nächsten Jahrhunderten daselbsterging, darüber fehlen uns die Nachrichten. Wissen wir doch in unsern Tagen, bei. so vielen Reisemitteln und so sehr gesteigerter Reiselust so wenig über jene Gegen-den; was Wunder also, wenn in so früher Zeit Nacht und Dunkel über dasselbesich vor den Auzcn der nördlichen Welt gelagert hat.
Erst gegen das Jahr 327, iu den Zeiten des großen KirchenlchrcrS AthanasiuS,fällt wieder ein freundlicher Lichtstrahl der Kircheugcschichre auf das den Augen derchristlichen Welt fast entschwundene äthiopische Gebiet. Obgleich das bisher Gesagtenur eine freilich sehr lose gezimmerte Brücke seyn soll, um zu einem Märtyrer auSOesterreich zu gelangen, welcher in Sibyssinien für ChristnS sein Leben opferte, sowird, wie wir hoffen, der christliche Leser die Geduld nicht verlieren, wenn wir nuuauf der Brücke noch etwaö verweilen. Wie bekannt bieten sich ja die schönsten Aus-sichten sehr oft auf Brücken dar. — Im Anfange des vierten Jahrhunderts unsererZeitrechnung hatte Meropius, ein reicher und gelehrter Mann auS TyrnS, mit seinenzwei hoffnungsvoll hcranblühenden Neffen Frnmentius und EvesiuS eine wissenschaft-liche Reise nach Persieu und Indien unternommen. Die beiden Knaben waren frommund christlich erzogen, kundig der griechischen Sprache, und selbst auf den Reisenbenutzte der Oheim die freie Zeit, sie noch weiter zu unterrichten. Auf der Rückreiseaus Persien landete das Schiff an der abyssinischen Küste des rothen MeereS, umdort frisches Wasser einzunehmen. Mit!l>rwcile ging MeropiuS mir den Knaben undeinem Theile der Reisegenossen ans Land. Sie entfernten sich von der übrigen Gesell-schaft, und lagerten sich unter einem schattigen Baume, und weil sie körperlich sowohl sich fühlten, so lasen sie, den Geist zu erquicken, in einem Buche. Da fielunerwartet ein Blitzstrahl aus heiterem Himmel in ihren frohen Kreis, ein Tropfenbittern WermuthS füllte schnell den ganzen Becher ihrer reinen Lnst. Rohe räuberischeBewohner der Gegend stürzicu herbei und mordeten die Fremdlinge. Der beivenKnaben aber ward geschont, denn ihr junges Leben erregte selbst der Barbaren Mitleidoder Gewinnsucht. Sie käme» an den,Hof des Fürsten nach Auruma, der gerührtdurch ihre schöne Gestalt, in welcher eine noch schönere Seele sich spiegelte, sie liebgewann, und lur, vor seinem Tode ihnen die Freiheit schenkte. Dankbar blieb dasBrüderpaar auf den Wunsch, der verwittwcien Königin noch einige Zeit im Lande,sie bei der Regierung, welche dieselbe statt ihres unmündigen SohueS führte, dmchRath und That zu unterstützen Aber die Sehnsucht nach einer christlichen.Umgebung,