Ausgabe 
14 (26.3.1854) 13
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nach christlichem Gottesdienst, regte sich mehr und mehr im Herzen der beiden Brüder,denn entweder war in diese Gegend des weiten Aerhiopiens das Christenthum in derapostolischen Zeit nicht gedrungen, oder zu fern nnd abgerissen vom erwärmendenMittelpunkte wieder erloschen. Ost und oft fragte FrnmcntiuS die fremden Kaufleute,welche bisweilen daö Land besuchten, ob sie Christen seyen. Wie groß war seineFreude, als ihm endlich einmal seine Frage bejaht wurde! Wie alte Freunde nahm ersie auf, und weinte Thränen der Rührung, als er nach christlicher Weise mit ihn?»beten konnte, nnd ersuchte sie beim Abschiede, ja bald und recht oft wieder zu kommen,denn seine Sor,-e werde es seyn, für den Ban eines christlichen Gotteshauses im Landezu sorgen. Als endlich der jurwe König volljährig geworden, verließen die BrüderdaS Reich. EvesiuS, den die Liebe zum Vaterlande und seinen Verwandten zog.reiste nach Tyrus , wo er später zum Priester geweiht wurde, Frumentius aber warddurch Gottes Geist zu einem höhern Ziele getrieben. Ihm lag daö traurige Schicksalder Aethü'pier schwer am Herzen, die er in der Finsterniß des Heiventhumes hattezurücklassen müssen; er wollte sie dem himmlischen Vaterlande gewinnen. Er wendetesich nach Alerandria in Egypten an den heiligen Alhanasius, schilderte ihm den Zu-stand AbyssinienS, und bat ihn, Vorsorge für die Bekehrung dieses Volkes zu treffen,das durch seine Lage nach Älerandria um geistliche Hilfe angewiesen sey. Aihanasiuö,gewohnt in wichtigen Angelegenheilen nicht blos seinem Ermessen zu folgen, sondernin wahrhast christlicher Demuth den Rath Vieler zn hören, versammelte seinen Klerus,und forderte HrumeittiuS auf, sein Anliegen vorzutragen. Als dieser nun voll Begei-sterung schilderte, welch' reiche Ernte in Abyssinien zu machen sey, wenn ein vomGeiste Gottes beseelter Mann dort mit Macht und Kraft das Evangelium verkündenwürde, da rief AthanasiuS , ihn mitten in seiner Rede unterbrechend, freudig aus:Wo wäre ein Mann zu finden, auf dem so augenscheinlich GotteS Geist ruhte, wieaus dir, FrumcniiuS; nud wer in der Welt wäre geeigneter zu diesem großen, evan-gelischen Werke?" Und so ward denn Frumentius zum Bischöfe geweiht, und alsGlaubenöbote nach Äelhiopien gesendet, wo er segensreich wie ein Apostel wirkte.

Seil jenen Zeiten blieb bis in unsere Tage die abyssinische Kirche mit der vonEzvptcn in Verbindung. Leider daß sie, obgleich dem MohamedaniSmuS sieghastwiderstehend, in Irrlehren und unstatthafte mosaische Gebräuche und Ansichten ver-strickt wurde, welche dem Ausblühen eines wahrhast christlichen LebenS hemmend imWege stehen. Mit der übrigen christlichen Welt ans weiter Entfernung nur durch eiueinziges schwaches Band, die Ernennung vcS Abnna ovcr obersten Geistlichen, welchedurch den koptischen Patriarchen in Egypten geschieht, in Verbindung stehend, bliebdaS christliche Abyssinien fast neun Jahrhunderte für Europa in Dunkel gehüllt. Datraten gegen Ende dcS löten Jahrhunderts die Portugiesen, und unter ibrem Schutzeim löten Jahrhunderte die Jesuiten in nähere Berührung mit dem merkwürdigen Landeund Volke. Ihr eifriges Bestreben war cS, das Volk auS Aberglauben, Irrlehreund Unsittlichkeir zu befreien, und in enge Verbindung mit Rom zu bringen. Eskostete dem Orden viele Mühe, Schweiß, Drangsale und Blut. Schon schien derSieg errungen, der Hof war zum katholischen Glauben bekehrt, die zweifache Naturin Christo überall verkündet, die Mönche und ihre Mißbräuche vom Hofe entfernt,ein Patriarch vom Papste ernannt: da brannte der Fanatismus dcS alten Irr- undAberglaubens wieder auf, das Reich zitterte in seinen Grundfesten, das Blut vonvielen Katholiken ward in einem grausamen Bürgerkriege vergossen, die Jesuiten selbstwurden verjagt oder getövtct (1632). Wohl ließen auch im 18ten Jahrhundert dierömischen Päpste Abyssinien nicht ganz auS ihren Augen. Aber auch damals ver-mehrten ihre Versuche, dort den römisch-katholischen Glauben auszubreiten, nur dieZahl der Märtyrer. Dieß war auch unter Clemens XI. der Fall, im Jahre 1711.Liberatus Weis, ein Priester der damaligen österreichischen Provinz des FranciScancr-OrdenS, und apostolischer Präscct der katholischen Missionen in Abyssinien, starbdamals mir zwei Ordensbrüdern daselbst den Martyrerlod. Pater TheodosiuS Wolf,ihr Ordens- und MissionSgenosse auö dem Kloster zu St. Pölten in Oesterreich , der