Ausgabe 
14 (26.3.1854) 13
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durcb dreizehn Jahre in jenen Gegenden wirkte, und viele Heiden und Muhamedanerzur Erkenntniß deS Evangeliums brachte, und der zu Lanzendorf bei Wien , nachdemer vier Weltrheile durchgewandert, und seine Kräfte erschöpft im Dienste des Herrn,reich an Verdiensten starb, hat in einem lateinischen Briefe den Martyrertod seineroben erwähnten Miibrüder beschrieben. Da dieser Brief in weiteren Kreisen wohlweniger bekannt ist, als er eS um seines Gegenstandes willen verdiente, und dieBlicke der Katholiken in unsern Tagen wieder mit srcmmer Begeisterung tief binabnach Afrika gerichtet sind, so dürste eine Uebersetzung und Mittheilung desselben nichtüberflüssig seyn.

(Schluß folgt.)

Die Zeit der Fasten in Pari».

Der Erzbischof von Paris hat in seinem dießjährigen Hirtenbriefe ein warnen-des Wort in Bezug auf dieIgnoranz in ReligionSsachen" gesprochen, und verschie-dene Mittel unv Wege angegeben, theils daS Uebel zu heben, theils seinen weiterenFortschritt wenigstens zu h>mmen. Die Predigten fehlen übrigens in der Hauptstadtwahrlich nicht und daS Wort GotteS zählt hier würdige und zahlreiche Vertreter.Aber oft verfehlen die besten Mittel thre Wirkung, wenn nicht äußere günstige Um-stände hinzukommen. Der Erzbischof sagt in seiner Anrede an die Gläubigen selbst:Nirgends ist wohl für die Verkündigung des göttlichen Wortes treuer und reichlichergesorgt, als in Paris . Dennoch glaube man >ja nicht, daß nichts mehr zu thunübrig bleibt. Und weil noch so viel Böses neben dem Guten, daß wir von Herzenanerkennen, besteht, so sollen wir alles Mögliche thun und kein Mittel unversuchtlassen, eine noch größere Anzahl Zuhörer um unsere Kanzeln zu versammeln. Undsollte man nicht auch bis in jene dunkeln Winkel von Paris , wo so viele verirrteSeelen fern von der Sonne der Wahrheit leben und sterben, einen belebenden Strahlsenden können?" ....

Ti se Ausgabe versucht nun der Erzbischof zu lösen, indem er für die Dauerder Fastenzeit in allen Pfarrkirchen einen Religionsunterricht anordnet, der merbodi-schcr, vollständiger und umfassender als bis jetzr geschehen, die christkatholische Lehreverkündet, der zugleich bei den Halbunterrichteten die Kenntnisse ben'cktigt und erwei-tert und der endlich die ganz Indifferenten zum Nachdenken uud zur Bekehrung auf-muntert. So hat denn der Erzbischof außer den großen Cons.renzcn, die jährlich inNvtre-Dame stattfinden, ähnliche Zusammenkünfte für jeden Sonntag Abend in denandern Hauptkirchen, so namentlich in St. Sulp'ce, in Ct. Eustache, in St. Mar«guerite und in St. G6nevieve, angeordnet. Bei Hofe hält der gewöhnliche Hospre-diger des Kaisers, der Abbv Couriier, die Fastenpredigttn, uud nachdem am letztenSonntage der Bischof von AdraS die Messe gelesen, begann der ebengeuanute Rednerin Gegenwart beider Majestäten den CycluS seiner Voriräge mit einer Predigt überdie erste der acht Seligkeiten:Selig sind die Armen im Geiste, n. s. w", welcheAufgabe bei einem so besonder» Auditorium derselbe sehr gut gelöst hat. Der AbböComtier ist ein vonrcffiicher Redner, der trotz seiner hohen Gelehrsamkeit sehr einfachspricht. Seine ganze Ausdrucksweise ist unzezien unv klar und man hätte kaum einebessere Wahl treff.n können für einen Vertreter der heiligen Wahrheiten eben andiesem Orte. In Notre-Dame predigt der Pater Wir, der wirklich keinen leichtenStand hat, wenn man bedenkt, daß vor ihm Laccrdcure und Raviguan auf derselbenKanzel gepredigt haben. Teniroch weiß der Pater Mlir seine Aufgabe glücklich zulösen und ein zahlreiches Auditorium, unter welchem man stets den Erzbischof selbstbemerkt, ist hier versammelt. Im vorigen Jahre hatte derselbe Redner sich dieBekämpfung der Irrthümer der sogenannten modernen Wellphilosophie zum Themagewählt; dießmal spricht er über den Einfluß des Christenthums zur Hebung dergroßen socialen Uebel. Vorzugsweise wird er dabei daS materielle Elend der Zeitin'S Auge fassen. Per berühmte Pater Ventura predigt in St. LouiS d'Anlin,