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und man erstaunt immer wieder von Neuem, wenn man hier einen Fremden ein sovollendetes Französisch sprechen hört. Dabei entwickelt der Pater Ventura eine bewun-derungswürdige Kenntniß sämmtlicher heiligen Schriften, und hat außerdem etwasungemein Herzliches und GemüthvollcS in seinem Vortrage; nur manchmal dürftenuns die allzu großen Gegensätze des Hochp'oe>i'chen und einer gar zu sehr au's Rauhestreiscnden Natürlichkeit befremden. — Der Abbe Combalot läßt sich in St. ThomasAquin hören, ebenfalls ein ausgezeichneter Kauzelreduer. Ihm kommt namentlich einelangjährige Erfahrung zu statten, und bei seiner volkSthümiichen Redeweise übt ergroven Einfluß ans die Massen. Zwei Tage der Woche hat er besonders zum Reli-gionsunterrichte für Damen bestimmt, deren Lieblingsprediger er seit Langem ist. —In Ste. Elisabethe predigt der Abbe Coquercau, der trotz seiner überhäuften Geschäfteals erster Aumonicr der Flotte, seinen Zuhörern nicht untreu geworden ist. Dieserist ein sehr lebendiger, anziehender Redner, er hat die Welt gesehen und alle Lebens-lagen kennen gelernt; seine Vorträge, die stets eine sociale Tendenz zum Hintergrundehaben, sind von großem praktischem Nntzen, Er zählt eine außerordentliche Mengevon Zuhörern. — In St. Roch finden wir den Abbe Desplace, ein seltenes, schönesTalent, in seinem kräftigen, ungeschminkten Styl oft an die Kanzelredner deS 17tenJahrhunderts erinnernd. — Der Doyen von Ste. Genevieve, der Abbe DuqueSnay,seil Kurzem auch Professor an der Sorbonne, predigt in Ste. Marguerite; im ehe-maligen Pantheon predigen die Capläne abwechselnd. Abbe Duqueönay gleicht viel-fach dem Vorhergenannten; auch er ist eine kerngesunde, gerade Natur, der so rechtspricht, wie'S ihm um'S Herz ist, und der zugleich sehr populär sich ausdrückt. Deß-halb ist ihm auch das volkreichste Quartier, der Faubourg St. Antoiue, zugewiesen.Man muß auch durchaus den Adbv Duquesnay häufiger hören, um ihn lieb zugewinnen, weil er für den Neuling etwas Hartes und Abstoßendes hat. Wir erwähnenhier aber seiner mit besonderer Vorliebe, weil er es ist, der ans die Vorstellungen desAbbe Cuny eine der Seitencapellen in Ste. Genevivve für den regelmäßigen Gottes-dienst der deutschen Mission bewilligt hat. Der letztgenannte Priester, der sich mitseltener Hingabe ganz den „armen Deutschen" in Paris widmet, hat denn auch schonseit mehreren Monaicn ein zahlreiches Auditorium um sich versammelt. — Wir schließenhier, da eS den Raum unseres Berichtes überschreiten würde, wollten wir alle übrigePriester erwähnen., die für die Fastenzeit Conferenzen und Vorträge angekündigt haben,und unter denen sich übrigens noch Redner ersten Ranges befinden, wie z, B. PaterLavigne in St. Sulpice, Pater Corail für die auswärtigen Missionen u. s. w. Genug,wir sehen aus dem Obigen hinreichend, daß wenigstens von der obersten Kirchen-bchörve des ErzbislhumS Ällcs gethan ist, die diesjährige Fastenzeit zu einer segens-reichen zu machen. (D. VolkSh )
Griechische Prophezeiungen.
Wenn der Sturm kommt, wirbelt Staub auf. So haben auch die politischenEreignisse, die sich gegenwärtig im Orient entwickeln, die Erinnerung an manche alteSage und Prophezeiung wach gerufen, an die man sonst schwerlich gedacht hätte.Man erzählt von einem griechischen Mönche, der zur Zeit der Eroberung Konstan-tinopels prophezeit h-ibe, daß die Türken nach vierhundert Jahren dieses Vesitzthumwieder verlieren winden, und zwar, wie man später hinzugesetzt zu haben scheint,durch die blonden Söhne deö Nordens. Ziemlich das Gleiche erzählt man von demdamaligen Patriarchen von Konstantinopel. An dem Hauplaltar der Sophienkirchevon MohamedS eiserner Streilkolbe niedergeschmettert, habe er sterbend seinem Mördergeflucht und dessen Reiche nach vierhunderljährigem Bestehen ein schmähliches Endegeweissagt. Diese Vorherverkündigungen, von den Russen zu rechter Zeit wieder auf-gefrischt, haben die Runde durch fast alle Zeitungen gemacht. Nichtsdestowenigermüssen sie mit großem Mißtrauen aufgenommen werden. Der angebliche griechischeMönch ist eine durchaus verdächtige Person; denn seiner Prophezeiung geschieht von