Ausgabe 
14 (11.6.1854) 24
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man nicht an die Worte dächte:WaS sie nicht verstehen, das lästern sie." (Paul.)Weil unsere Zeit, wie mit so vielem Andern, nicht weiß, waS sie machen soll daraus,darum auch die sonderbare Meinung, die sie geltend machen will, daß es ein Ver-brechen an der Menschheit sey» wenn die Kirche gottgeweihte Jungfrauen vor denAltar des Herrn führt, dem sie Leib und Seele zum Opfer bringen,Damit," heißteS,hat es noch Zeit, wenn die alten Tage gekommen seyn werden, die Jugendmuß man genießen." Als ob Gott , der höchste Herr der Schöpfung, für alle seineLiebe zur Menschheit sich mit einem Opfer begnügen solle, welches der Welt bereitszum Eckel geworden! Als ob man den Altar Gottes nur mit verwelkten Rosen schmii-cken dürste! Von dem Gedanken durchdrungen, daß der Herr ein reines Herz ver-langt, verlassen daher auch die begabtesten Seelen die Welt entweder ganz, oder dochnach Kräften zum Theile, Für erste wie für die letzteren hat die Kirche mit mütter-licher Weisheit gesorgt, indem sie sowohl Zufluchtsstätten errichten sür die Einen inden Frauenklöstern, sür die Andern in den drei Orden des heiligen Franciscus undDominicuS, der seine fruchtbeladenen Zweige selbst bis. in die trauliche Hütte derFamilie erstreckt. Und man kann in der That den Scharfblick, verbnnoen mit derGnade von Oben, nicht genug bewundern, mit welchem der große heilige FranciscuSwie ein Vater der Menschheit in alle Schichten und Classen derselben den göttlichenFrieden tragen wollte, der ihm selber durch die Seele strömte! der auch denFrauen, die in der Welt leben müssen, und an Verhältnisse dcS Lebens gebundensind, eine dritte Lehrschule für den Himmel gründete, in der man bei weniger Mühe,aber desto mehr Gefahr jene Vollkommenheit erklimmen kann, die der Hcrr Jesus unter die Räthe gestellt. Man kann nur den göttlichen Erlöser preisen und ihm dan-ken, daß er in seiner Kirche nicht bloß hnlige Männer, die für ihre und die spätesteZeit Netter und Helfer geworden sind, sondern daß er die Gaben des heiligen Geistesauch dem Geschlechte zutheilte, wo sie seltener zwar zu treffen sind, aber auch seltenerunbenntzt bleiben! Haben die Heiligen aus demstarken" Geschlechte für die KircheGottcS oft UebermäßigeS gethan, durch Predigen dcS Evangeliums mit ihrer begei-sterten Zunge, so wirkten heilige Klosterfrauen durch die Salbung ihrer Schriften,und was vielleicht oft übersehen wird, durch inniges Gebet nicht weniger. Unddarin liegt vielleicht die Antwort, welche die aliein richtige ist, wenn die Frage aus-geworfen wird: Was soll es nützen, wenn die Frau, statt im Schooße d?r Familiezu walten, aus dem Weltleben scheidet, um ihre Tage hinter dumpfen Klostermauernzu verkümmern? Das Wort des Weltapostels (Kor. 1, 34) gilt nicht bloß für dieKorinther, sondern er hat zn Menschen aller Zeiten gesprochen, wenn er schreibt:Die Jungfrau ist bedacht aus das, was des Herrn ist, daß sie heilig sey dem Leibeund dem Geiste nach; die Verehelichte aber ist bedacht auf das, was der Welt ist,wie sie dem Maune gefallen möge." Freilich wird das Streben nach Vollkommenheitnur selten und von Wenigen erfaßt, was im Frauengeschlechte noch dazu oft vonungünstigern Umständen erschwert ist; allein nichts desto weniger ringen auch da dieedelsten Seelen voll Liebe und Begeisterung nach jenem verklärten Tabor, dem ChristiWorte gelten: Wer es fassen kann, der fasse eS! Nicht allein in der ersten Zeit deSChristenthums drängten sich heidenkühne Jungsrauen auf die blutigen Bühnen, umdurch wilde Thiere und unter dem furchtbar grausamen Beifalle eines entartetenPöbels für ihren Glauben zu sterben; auch in späterer Zeit gab eS in der Kirchesolche GlaubenSheldinen in Menge, nur mit dem Unterschiede, daß diese oft einenweil wichtigern Kampf zu führen hatten, als die Märtyrer der ersten Jahrhunderte.Jener Kampf, bei dem die Welt mit all' ihrem Trug das eigene Fleisch, und dieMacht des Teufels gegen die Tugend in die Schranken trat; ein Kampf, dessenSiegeSlorbeer wohl nicht mit Blut aus eigeueu Wunden bespritzt war, den aber umso reichlicher die Thränen der Buße oder Theilnahme am srcmdeu Schmerze benetzthatten. Und dem Himmel sey es gedankt, auch in der Jetztzeit zählen viele Frauenzu Jenen, welche das Wort von der Vollkommenheitfassen können"; die wohl wissen,warum sie vom Schöpfer höhere Einsicht und Erkenntniß vor den Uebrigen erhalten