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haben. Derartige Erscheinungen der Neuzeit sind dem glaubenstreuen Katholiken etwasmehr als ein Rudel (es fand sich kein besseres Wort) leichtfertiger Tänzerinnen, welcheeine sinnlose Masse mit Beifallsbezeugungen überschüttet, bloß allein, weil sie eS garso gut verstehen, die thierischen Triebe und Leidenschaften in der zügellosen Brust zuwecken I Der demüthige Christ spart sein Lob und seine Anerkennung für Werke undLeistungen höherer Art. Er schaut mit Liebe und Freude hin auf die Opserwilligkeitund hohe Selbstverläugnung, die in der katholischen Kirche selbst da nicht veraltet,wo die Schwäche größer ist, wenn auch nicht stärker als der christliche Muth.AlleS Wunderbare und Große der Neuzeit ist für den aufmerksamen Beobachter nichtsanders als eine Wiederholung dessen, was die Kirche schon unzählige Male erzeugtund geschaffen hat. Wer, wenn er das Gedeihen der Töchter der CharitaS, deSOrdens der barmherzigen Schwestern, sieht, wäre lange in Verlegenheit, nach einemHrbilde in der Kirche zu suchen? Denkt man nicht unwillkürlich an die Perle deutscherFrauen, jene Elisabeth von Thüringen , die im Krankendienste eine solche Vollkommen-heit erreichte, daß sie selbst den Eiter auS den Wunden sog, deren segensreiches,unermeßliches Wirken die Reformation mit ihrem bösen Leumund wohl nicht erhöhenkonnte, aber auch seit Jahrhunderten mit Aufbietung aller Kräfte das Andenken derlieben heiligen Elisabeth") beim Volke nicht zu vertilgen im Stande war.Noch steht die Kirche zu Marburg , ihrem Namen geweiht, wenn auch ihre Gebeinevon einem gvttesräuberischen Enkel und Blutsverwandten auS derselben geworfen wur-den! Wer denkt nicht beim Anblicke des segensreichen Lehramtes der Ursulinerinnenan jene Angela von Brescia, die wie ein Engel, dessen beive Hände mit Mannaerfüllt sind, um es auf die dürftige Flur zu streuen, über die Erde ging, um sichderjenigen zu erbarmen, „die am verlassensten sind, weil Niemand an sie denkt, anarme preisgegebene Waisen!" um diesen Mutter und Lehrerin zu werden! War dieseAngela nicht selber wieder ein Abbild der unbegrenzten Geduld und Liebe, wie sichdieselbe in der heiligen Tochter der Wüste, der heiligen Marina verkörpert hat? dieserschweigenden Dulderin unv unschuldigen Büßerin fremder Schuld, die ferne von dereinsamen Klosterzelle hinausgestoßen in dunkle Nacht, in Sturm und Regen, daSWaisenkind fremder Schuld an ihre Brust drückte und mit erbarmender Liebe ernährte.
Halt man Verwunderung und theilnahmsloscS Erstaunen dem hohen Grade vonEntsagung entgegen, dessen auch zarte Jungfrauen fähig sind, so ist eS nicht schwer,zudringliche Af erweiSheit durch Auszählung jener starken Jungfrauen zn ermüden, die„ihr Fleisch sammt den Lüsten gekreuzigt!" Von der Schwester des heiligen Benedict,der heiligen Scholastica, an, die die strenge Regel des heiligen Bruders auch auf dieFrauen übertrug, welche in ihrem Kloster zu Hausen gedachten, bis zu jener heiligenKlara von Ässisi, die unter dem Schirmdache deS Mantels, welchen FranciScusihr gegeben, einen Garten von Jungfrauen, Lilien gleich, Pflanzte, der an Geistund Armuth, an Demuth und Eifer kaum zurückstand hinter dem männlichen OrdendeS seraphischen Lehrers! Keinem fühlenden Herzen, dessen Adern göttliche Liebedurchströmt, sind jene weiblichen Hirten unbekannt, die in unermüdlicher Liebe Seelenzu retten suchen, daS edelste Geschäft für Bekeuner Christi! DaS Mitleid, welchesselbst dem größten Sünder vom wahren Christen zu Theil wird, hat in der Kircheschon oft so zahlreichen Lohn gefunden, daß man kaum unterscheiden kann, wer vonbeiden glücklicher ist, der Retter oder die gerettete Seele. Die Büßerin von Magdala zu den Füßen deS Herrn steht keineswegs allein auf solcher Höhe der Bußgnade. IhrSchimmer erglänzte wieder in der schauerlichen Oase Egyptens, als die büßende Mariadaselbst 47 Jahre von Wurzeln lebend, ihre Schuld früher Jugend beweinte. Auchdas Mittelalter sühn uns das Ideal reuiger Buße vor, in der eben so schnell bekehr-ten als gebesserten Margarita von Cortona , deren Gebet um Barmherzigkeit, vielleichtdas erste, so auö dem Herzen kam scit ihrer Bekehrung, von solcher Innigkeit und