Ausgabe 
14 (11.6.1854) 24
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Bedeutsam ist die Frist von vierzig Jahren, eS steht geschrieben nach dem SiegeDeboraS und BaracS:und das Land ruhte vierzig Jahre," also haben auch wirEngländer vierzig Jahre," Frieden gehabt. Am 31. März 1314 wurden die Kriegeder französischen Revolution beendet, und vierzig Jahre darnach am 31. März 1854erging der einstimmige Beschluß des brittischen Parlaments, daß wieder Krieg sey inEuropa . Aber zu bemerken ist, daß jede der Mächte, die jetzt ihr Schwert gürten,dieses widerwillig thut, und durch den gewaltigen Rathschluß Gottes in den Kampfgezerrt wird. Eine Nation nach der andern sträubt sich, bis der unwiderstehlicheStrom sie erfaßt, und willenlos treibt er sie dem Gottesgericht entgegen, auf daßsich erfülle, was JeremiaS sagt Cap. 22. Also sprach der Herr Gott Israels zumir:nimm die Schaale dieses Zornes von meinen Händen, und gib sie allen Völ-kern zn trinken," so spricht der Herr der Heerschaaren,wahrlich, ihr sollt sie leeren." Zn diesem höchst wichtigen englischen Artikel mag Nachstehendes als Kommentardienen: ES ist hohe Zeit, daß wir alle aufmerken auf die Gerichte Gottes, welche erüber die Vöker der Erde ergehen läßt. Nicht ohnmächtige Menschen beschwören denungeheuren Sturm, der die Welt verwüstet, nicht Menschen haben ihn veranlaßt,nicht diese, sondern längst vergangene Zeiten haben aus ihrem Schooße das allgemeineElend geboren. DaS erschütterte Weltmeer bewegt seine Wogen endlich bis zu denentferntesten Gestaden, und die Ereignisse unserer Tage werden noch am Ende unsersJahrhunderts zurückwirken. Die Religion fordert von uns, daß wir allem, was jetztgeschieht, unsere Aufmerksamkeit widmen; was die Luft und der Athem dem mensch-lichen Körper, das ist die Religion dem menschlichen Geiste, er athmet nur in ihr,er zieht sein Leben nur aus ihr und ist alleö nur durch sie. Sie gewährt dem Menschen füralle Dinge deS Lebens den erhabensten Staudpuuct, weil sie den Geist des Menschen überdie Welt erhebt und mit Gott verbindet. Es ist Zeit, daß wir auf die Gerichte Gottesin den Geschichten der Welt merken. Die Menschen in ihrem thörichten Selbstdünkelbilden sich ein, daß sie eS sind, die dieß alles, was vorgeht, hervorbringen. Froh-locken sie über einen Sieg, so schreiben sie ihn der Tapferkeit ihrer Schaaren, dergroßen Klugheit ihrer Feldherren zu; ach, sie sind blind für daö Wahre, denn siekennen nicht die Verflechtung der Umstände, nicht daS Spiel sogenannter Zufälle,welche der dunkle Arm der Vorsehung leitet, und wo eine unbemerkte, geringfügigeSache den Ausgang der größten Schlachten, das Glück oder Unglück der größtenVölker entscheiden kann. Uebermülhig nach Siegen, welche sie> sich und ihrer Kraftanrechnen, halten sie sich schnell für unüberwindlich, und ahnen nicht, daß der nächsteTag alles umkehren werde, weil ein Höherer über Sieger und Besiegte ein anderesLooS beschlossen hat. Kleinmüthig im Unfall, klagen sie die Verrätherei und Unklug-heit ihrer Anführer, die Schwäche ihrer Fürsten an. Nein, liebe Brüder, was ihrsehet, ist nicht Menschenwerk, es ist Gottes Gericht über die Völker! Wieder einzelneMensch seinen eigenen Lebeuslauf hat, so hat ihn auch jede einzelne Nation. Wieder einzelne Mensch durch Weisheit, Zufriedenheit, Mäßigung, Fleiß, Muth undRechtschaffenheit ehrwürdig und klüger wird, so kann und muß auch ein ganzes Volkdurch seine Tngend beglückt, durch seine Fehler elend werden. Ein Volk erfreut sich,und leidet als Ganzes. Es wird für sein Gutes, welches es stiftet, in sich belohnt,für seine Vergehnngen für sich bestraft, und so wie unter dem Himmel im menschlichenLebenslaufe nichts Gutes geschieht, welches nicht seine guten Folgen hätte, und sowie keine Ungerechtigkeit geschieht, welche ohne nachtheilige Folgen bliebe, so hat auchim Leben und Sein der Nation die Tugend ihre Belohnung, die Sünde eine unver-meidliche Strafe zu erwarten, denn alles auf Erden, das Größte und Kleinste, stehtmit einander in ewiger Verknüpfung von Ursachen und Folgen. Leider ist das Ge-schlecht der Menschen in seiner Leidenschaftlichkeit so tief versunken, daß eS meint, eskönne mit Gold, mit List und Kriegsheeren alles erzwungen werden, und vergebenswarnt und mahnt die Vorwclt. Wer möchte wohl behaupten, daß ein Mensch vonruchloser Denkart ein wahrhaft glücklicher, freier und achtungswürdiger Mensch seynkönne? Seine Klugheit wird durch daS Eintreten von unvorgesehenen Umständen ver-