Ausgabe 
14 (11.6.1854) 24
Seite
191
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

191

eitelt. Ueppigkeit und Ausschweifung müssen endlich seine Gesundheit und Leibeskraftzerstören, Verschwendung, Wohlleben und Feindschaft können das größte Vermögenin Armmh verwandeln, wo ist dann sein Glück, seine Freiheit, seine Ehrwürdigkeil?

DaS ist daS größte Uebel der Menschen, daß sie mir unglaublicher Unverstän-digkeit die bloßen Mittel zum Zweck gewöhnlich für den Zweck selber halten, und überdas Anschaffen der Mittel den Zweck, für den sie Gott erschaffen har, vergessen, wiebei den einzelnen Menschen, so bei ganzen Völkern, denn die Völker bestehen ausMenschen. Nur Beförderung der Sitteneinfalt, öffentliche Tugend, Unbestechlichkeit,Vaterlandsliebe, Anerkennung des wahren Verdienstes erhöhet den Menschen. Werdurch Ueberfluß und Wohlleben einmal von zahllosen Bedürfnissen abhängig gewordenist, tritt ohne große Schwierigkeit in die Knechtschaft dessen, der ihm diese Bedürfnissebesser zn befriedigen verspricht, oder sie alle bedroht. So gingen die berühmtestenund reichsten Staaten der alten Zeit zn Grunde. Tas ist der unselige Kreislauf derVölker, daß sie durch Armuth und Furcht vor Gefahren tapfer, durch Tapferkeitkriegerischer und erfindsamcr, durch Eroberungen und Handel reich wurden, umsich durch Ueberfluß wieder zu entnerven, zu verarmen und an fremde Bormäßigkeithinzugeben, denn die Sünden der Völker sind der Mißbrauch der ihnen von Gott gewährten Mittel. Noch sind wir nicht am Ende der großen Trübsale, Friedens-schlüsse der Könige ändern an GolteS Verhängnissen nichrS. Neue Zwierracht, neueUmwälzungen, neuer Jammer wird die Sünde der jetzigen und der vergangenen Weltgebären. Wer konnte die Mittel und Wege des Gottesgerichts zählen? Gehorchenseinem Winke nicht die Stürme und Meereswellen? Sind nicht Feuerflammen seineDiener, Erdbeben und unfruchtbare Zeiten die Boten seines Willens? Der Menschkennt den Goltcs-Finger, aber er nennt ihn im gemeinen Leben nur Glück oderUnglück. Doch kann er sich eS nicht verhehlen: diese oft geringe scheinenden Zufallebeurkunden ihre erhabene Herkunst durch ungeheure erschütternde Wirkungen; dieß, waSGlück oder Unglück heißt, gestaltet oft die Verhältnisse ganzer Welttheile um, waSalle Macht, alte Kunst und Klugheit der Sterblichen nicht vermochle. Die alre unddie neue Geschichte ist von solchen Erscheinuugen voll, alle die heiligen Berichte desAlterthums, wie das menschliche Geschlecht kaum zweitausend Jahre nach seiner Er-schaffung zur gemeinsten Thorheit versank, find bekannt. Gott winkte und das Geschlechtnahm durch die Sündfluth ein Ende, doch warum soll man an die vielen Ereignisse dergrauen Vorwelt mahnen, ist Gott heute minder groß in seinen Gerichten? Wissen wirnicht, wie er Königreiche, wenn sie am stolzesten prahlten, durch einen einzigen Schlag zer-schmettert«? Wissen wir nicht, wie er gewallige Armeen und Schiffsflotien, die man unüber-windlich genannt, in einer einzigen Stunde mit ihren trotzigen Heeren vernichiele? Wissenwir nicht, wie der kalte Hauch eines Herbstes, Regen und Fänlniß siegesreiche Heere inschmerzlichen Krankheiten auflöscte, oder der Frost einer Winternacht mit den Leichen unbe-siegbarer Echaaren die Felder bedeckte? Es ist wahrlich leicht, in den Schicksalen der Länderüberall nachzuweisen, wie sie durch die Tugenden ihrer Bewohner aufblühten, und jedes-mal durch deren eigene Schuld wieder unmerkbar ins Verderben sanken, weil nur das Voll-kommene bestehen kann, das Unedle aber den Todeskeim in seiner Vrnst trägt, und alsovergehen muß. Sey daher du, mein Herr und Gott, gnädig deinem sündigen Vulke. Erleuchtemit deinem Geist die Fürsten und ihre Diener, die Hohen und die Niedrigen, daß sie nichtmit thierischer Stumpfheit die ernsten Ereignisse der jetzigen höchst bedenklichen Zeit anstau-nen, sondern in allem dein ewiges Weltgesetz anerkennen, dein Gericht über die Völkerder Erde. (W. Kirckenz.)

Zur Kirchengeschichte Bosniens.III.

Bei der geringen Anzahl religiöser Häuser in Bosnien war eS unmöglich, allephilosophischen und theologischen Studien ausrecht zu erhalten; daher hatte die Pro-vinz, so lange sie mit Erzegowina vereint war, das Recht, sechs Jünglinge nach