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mädchenS, zusammentraf. Als Präfect der Congregaiion der Riten und Berichterstatterhegte er das lebhafteste Interesse für diese Angelegenheit und drückte tausendmal dieFreude nnS, die ihm das Fest der Seligsprechung bereiten werde. Gott wollte ihnauf der Erde belassen, bis zu dem Tage, wo sein Verlangen in Erfüllung ging undhat ihn dann in den Himmel aufgenommen, um sich des Triumphes und der Herr-lichkeit der Seligen zu erfreuen.
LambruSchini trat frühzeitig in den Barnabitenorden; seine strenge Einhaltungder Ordensregel und seine Gelehrsamkeit steht in den Häusern von Rom und Macerata in bestem Andenken; er bekleidete bald mehrere hohe Aemter in dem Orden und nahmspäter in der Eigenschaft als Secretär der Congregation für außerordentliche kirchlicheAngelegenheiten am Abschlüsse der Concordate mit Bayern und Neapel wesentlichenAntheil. Das Vertrauen des PapsteS wie deS Königs von Sardinien erhob ihn imJahre 1319 auf den crzbischöflichen Stuhl von Genua , auf welchem er mit seltenerWeisheit, die aus seinen Hirtenbriefen und aus der berühmten Trauerrede auf VictorEmanuel leuchtet, und mit gleichem Hirteneifer, von djm er namentlich bei einemScesturm um Weihnachten 1822 im Hafen von Genua eine glänzende Probe ablegte,die Diöcese regierte. 1827 wurde der Erzbischof zum Nuntius am französischen Hofein Nachfolge des N> Macchi befördert; in der Kraft der Jahre stehend und mitaußerordentlichen GeisteSgaben das vortheilhaftestc Aenßere vereinigend, war der kirch-liche Diplomat besonders geeignet für die Schwierigkeiten seiner Stellung, in welcherer von der Julirevolution überrascht wurde.
Von Gregor XVI. alsbald nach dessen Erhebung mit dem Purpur bedacht —den 31. September 1831 — ward LambruSchini von dem scharfblickenden Kirchen-regenten als der geeignetste Mann für das wichtige Amt des StaatSsecretärS auSer-sehcn und im Jahr 1836 damit betraut.
Von da an beginnt nun die eigentliche Wirksamkeit des CardinalS, in welcherer das Loos aller größern Staatsmänner theure: von den Einen nämlich in denHimmel erhoben, von den Andern desto leidenschaftlicher in den Koth getreten zu wer-den. Aber Lob und Tadel müssen sich in dem Urtheile vereinigen, daß sie es miteiner über die Alltäglichkeit sich erhebenden Größe zu thun haben; und bei allem Hassegegen die Politik der Stabilität, welcher der Staatsmann huldigte, können die Gegnerdem Charakter ob seiner ungeheuchelten Tugend und Frömmigkeit den Zoll der Bewun-derung nicht versagen. Er selbst beschränkte sich in seinen alten Tagen darauf, denRuhm für sich iu Anspruch zu nehmen, daß er „Gregor XVI , habe in seinem Bettesterben lassen", und wer auf jene sturmbewegten Zeiten blickt, mit denen das PontificatGregors begann, auf diese wildschäumenden Brandungen der Demagogie, die denCardinal noch nach seinem Rücktritt von den Geschäften verfolgte; wer jene Scene insGedächtniß zurückruft, wie seine Feinde am Abend des 16. Novembers 1848 seineWohnung erstürmten, sein Bett mit Dolchen durchstachen und einer von seinen Büstendas Haupt abschlugen, voll Wuth darüber, nicht das lebendige Haupt des Flüchtlingsabschlagen zu können: der ermißt die Bedeutung dieses Ruhmes hinlänglich. DieWuth der Feinde ist hier wirklich ein Maaßstab für die Verdienste um Staat undKirche. Cardinal LambruSchini wird gegen viele politische Anklagen durch den unver-söhnlichen Haß derselben Meute, die jetzt wieder die Ruhe Italiens bedroht, sichergestellt.
Eine zarte Blüthe, die sich am Charakter dieses großen ManneS emporrankte,ist die innige Verehrung der seligsten Jungfrau, sie stellte ihn an die Spitze derer,welche die allgemein verbreitete fromme Meinung über die unbefleckte EmpfängnißMariens dogmatisch festgestellt wissen wollen. Inmitten der schweren Sorgen, die aufihm lagen, fand der Cardinal noch Zeit genug, um eine der besten Abhandlungenüber diesen Gegenstand auszuarbeiten. Es ist das nebst Anderem ein Beweis, daßweder der Besitz der Macht, noch die Sorgen der Geschäfte im Stande waren, dieFrömmigkeit des Ordensmannes oder den Eifer des Bischofs zu verändern.
Es ist zu hoffen, daß eine vollständige Lebensbeschreibung dem Andenken dieses