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Gesammtzcchl von 130,000 katholischen Seelen. Unter diessn Pfarreien gibt es solche,die mehrere Tausend Seelen in sich fassen, wie ToliSka mit 6000 Seelen. DieGründer der meisten sind ausschließlich die Klöster, indem sie von dem Anfangs spär-lichen Almosen sich Baustellen ankauften, auf denselben auch mit Hilfe der PfarrkinderPfarrhäuser (mehr Hütten ähnlich) aufführten, Gärten und Weinberge anlegten, weß-halb auch das Recht, Pfarrer zu ernennen, einzig nur ihnen zukommt. SämmtlichePfarreien besitzen jedoch nur zwei Kirchen (wenn sie diesen Namen im weiteren Sinneverdienen), und zwar so klein und elend, daß sie mehr Viehställen gleichen, wie z. B.in WareS und Jaicza, von welchen doch jenes vor diesem den Vorzug hat, daß eSseit undenklichen Zeiten eine 10 bis 20 Pfund schwere Glocke besitzt, die daS gläu-bige Volk zum Gottesdienste ruft, und trotz aller linkischen Demonstrationen und Be-mühungen für die Herabnahme derselben dennoch, und dieß zwar mit nicht geringenGeldkräften der Gläubigen an ihrem Orte blieb. Die Erlaubniß zur Erweiterungdieser Kirche wurde durch einen Ferman gewährleistet. In Jaicza besteht eine bisherstets verschlossene Sacristei, welche die Türken öfters schon zu erbrechen sich anschickten,aber, czuis oustoclitui- voi virtutv, von ihrem Ansinnen bis auf den heutigen Tagabstehen mußten. Niemand weiß, was dort verborgen sey. In Bosnien heißen diesezwei Gotteshäuser Kirchen; wo anders würde man ihnen einen unbedeutendenNamen beilegen; doch sind sie im wahren katholischen Sinne Kirchen, denn vor demheiligsten Altars-Sakramente, das hier aufbewahrt wird, brennt Tag und Nacht dieLampe . Was das übrige Gebiet betrifft, so findet man keinen sichern Ort zur Feierder heiligen Geheimnisse, 'als Privathäuser, Stalle, den freien Himmel, den kühlenSchotten irgend eines Baumes, wo das Volk im Regen, Schnee, in der Hitze undKälte, bei den heftigsten Windstürmen andächtig knieend, entblößten Hauptes derPredigt und dem heiligsten Meßopfer beiwohnt; ja cS gibt Andächtige -unter ihnen,die durch die ganze Dauer des heiligen Cults, welcher oft zwei Stunden währt,weder sich niedersetzen, noch irgendwo anlehnen. Kommt der Aeltere des HauseS vomGottesdienste zurück, so muß er seinen Hausgenossen den Inhalt der Predigt erklären;der Jüngere aber die Verordnungen deS Priesters, die Ankündigung der Fast- undFesttage, kurz Alles auseinand..rsetzen, was für kirchliche Disciplin angeordnet wurde.Es gibt Dörfer, die drei bis sieben Stunden von einem Kloster entfernt liegen; aberans diesen Dörfern pflegen die Gläubigen einen halben Tag früher aufzubrechen, denganzen Tag beim Gottesdienste zu verweilen, und erst am folgenden Tage nach Hausezu gehen. Wegen der weiten Entfernung der Dörfer unter einander, so wie wegendeS Mangels an Kirchen, wird bald an diesem, bald an jenem Orte die heilige Messegefeiert, je nachdem der Priester mit seinem Pferde (Wagen gibt eS nur an der Save-Gränze) bald da, bald dort erscheint. Am häufigsten aber wird an jenem Orte derGottesdienst gefeiert, welcher der Miltelpunct mehrerer Ortschaften ist. Gemeiniglichdient zur Verrichtung der heiligen Handlung der Gottesacker; dorthin begibt sich derPriester mit dem Pferde, daS ihm das Kloster, wenn er im kirchlichen Dienste reist,zur Verfügung stellt; nach Beendigung der Predigt und des heiligen Amtes genießt erentweder, was er in seinem Neisesacke vom Kloster zur Labung mitgegeben vorfindet,oder er begibt sich zu diesem Zwecke in das nächst gelegene Dorf. In der heiligenFastenzeit, die in Bosnien mit aller Strenge gehalten wird, da eS nicht erlaubt ist,weder weiße Feigen, noch Eier, Käse, Milch, Bntter, noch Speisen mit Oel zuessen, und Jeder sich mit Bohnen oder Kraut, Rettig, Rüben, Zwiebeln u. dgl.begnügt, wandert der Pfarrer von Ort zu Ort, vom ersten Fasten- bis zum Palm-sonntage, ertheilt katholischen Unterricht, hört die Beichten seiner anvertrauten Gläu-bigen, lieSt die heilige Messe und spendet auS den heiligsten Leib des Herrn. Beiseiner Weiterreise gibt er ihnen zugleich seinen künftigen Aufenthaltsort an, um beieinem Kranken u. f. w. alsogleich zur Hand zu seyu. Diese Zeit fordert von demDiener GotteS die meiste Anstrengung und Aufopferung; denn außerdem, daß er deSguten Beispiels wegen das strengste Fasten beobachtet, die vielen Beichten seine Kräfteübermäßig anstrengen, hat er noch mit vielen andern Unannehmlichkeiten zu kämpfen,