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weil er nämlich in unreinen, ungesunden, niedern und feuchten Wohnungen schlafen,übel riechende Dünste einathmen, schlecht zubereitete Speisen zu sich nehmen mnß.Alle diese harten Entbehrungen aber wiegt andererseits der Trost aus, den er in seinerSeele empfindet, wenn er nach stundenlangem Beichthören, nach beendetem Brevier-gebete Abendö mit seinen Gläubigen gemeinsam nieverkiiieet, die Liiauei und andereheilige Gebete in ihrer Mitte knieend verrichtet, den Gottesdienst mit einem heiligenLiede beschließt, und endlich zum Schlüsse deS TagcS die Kleinen zu sich ruft, umihnen den Weg deS Heiles zu zeigen und fromme Liebe zu dem göttlichen Kinder-freund einflößt.
Wer tis zu Ostern das heilige Sacrament der Buße und deS AltarS nichtempfangen bat, der wurde von dem bosnischen katholischen Volke für einen großenSünder gehalten, verachtet, und dürfte serner dem Gottesdienste nicht beiwohnen;heut zu Tage ist man von dieser Strenge etwas abgekommen Ungeachtet des Man-geis an Glocken erscheinen doch die Gläubigen zur gehörigen Zeit zum Gottesdienst;die Bauern richten sich in der Zeit nach dem Stande der Sonne, in einigen Oerternbedient man sich als Zeichen zum Gottesdienste eines Hornes, woher eS auch kommt,daß die Türken daS Horn sür etwas den Christen Heiliges halten, und um sie zukränken, deS HorneS fluchen. Bestimmte Einkünfte haben die Mönche vom gläubigenVolke nicht; nur Manches, wie Holz, Heu u. dgl. wird gesammelt; meistens bestehtder Unterhalt aus Stipendien, deren es sehr viele gibt. Die öffentliche Kleidung derFrauciScaner ist die türkische, im Kloster ist selbe nicht zu trafen erlaubt, sondernJeder auf sein OrdenSkleid angewiesen. Ehemals trugen sie d,>S OrvenSlleid ohneRücksicht deS OrteS, litten aber eben deßhalb viele Verfolgungen, und da sie von derRegierung die Erlaubniß zu Bauten nicht erhalten konnten, änderten sie ihr Kleid,gingen unerkannt von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf, lehrten das Volk, spen-deten ihnen die heiligen Sacramente, und suchten auf diese Weise heimlich, ohne daßdie Türken den Zweck ahnten, Häuser zu bauen, in deren Stuben oder ärmlichenGemächern sie den Gottesdienst verrichteten. In der neuesten Zeit ist die Stimmungder Türken gegen die Franciscaner-Väter und ihre anbefohlenen Gläubigen günstigergeworden; eS hat sich auch niemals Einer aus ihnen eine Treulosigkeit gegen dieRegierung zu Schulden kommen lassen, wie dieß an den Popen der nicht-unirtenGriechen ölters geahndet wurde; die Türken achten die Francikcaner, wohl wissend,daß sie ihre Gläubigen zur Zufriedenheit, zum Gehorsam gegen jede rechtmäßigeObrigkeit ermuntern und fest einprägen, daß Lüge, Diebstahl und Mord einen Katho-liken mehr als den Türken brandmarken. Selbst das leivel der Türke, daß derKatholik in waS immer für einem Hause Morgens und Abends, ja sogar in Gemein-schaft seine Gebete verrichte; es geschieht sogar, daß in einer Ecke des HauseS derTürke betet, während die Christen ihre Litaneien und Gebete verrichten, da es demersteren gleichgiltig ist, wenn ein Anderer seinem Glauben öffentliches Zeugniß gibt.— Das häusliche Leben ist patriarchalisch; mehrere Familien leben ruhig zusammenin einem Hause, obgleich auch in neuerer Zeic einzelne Trennungen vorkommen.
(Schluß folgt.,
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RegenSburg.
RegenSburg , 13. Juni. Vorgestern Nachmittags vier Uhr wurde in derNiedermünsterkirche die kirchlich e Weihe der Standarte deS hiesigen katho-lischen GesellenvereineS vorgenommen. Der hochwürdigste Herr Bischof Va-lentin, obwohl den ganzen Tag über durch die AuSspenduug des heiligen Sacra-menteS der Firmung äußerst in Anspruch genommen, erzeigte dein jungen Vereine diehohe Gnade, besagte heilige Handlung in eigener Person nach dem herkömmlichenkirchlichen RituS vorzunehmen und die Feier deS Actes durch eine herzerhebendc, begei-sternde Rede über die Bedeutung der VercinSfahne zu erhöhen. Zahlreiches andäch-