Ausgabe 
14 (18.6.1854) 25
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tigeS Publicum hatte sich außer den Vereinsgenossen eingefunden. Ein ergreifenderChoralgesang schloß den Weiheact, worauf sich der Zug, gebildet aus den Vorständen,Mitgliedern, Freunden und Gönnern des Vereines, voraus die stolz in den Lüftenflatternde Fahne, von der Kirche in das Vereinslocal begab. Hier richtete der Vor-stand des Vereines Worte des Dankes, der Belehrung und Ermunterung an die Ver-einSgesellen, Worte, die in einem zweiten Vortrage eines Vereinsgesellen einenwürdigen Widerhall fanden und in einem dauernden Lebehoch auf die Wohlthäterdes Vereines, namentlich derer, durch deren freundliches, uneigennütziges Bemühender Verein in den Besitz der schönen Fahne kam, endeten. Die Fahne, in großerStandartenform, ist aus rothem Sammet gefertigt und durch die Kunst und den Fleißeiner frommen Dame ohne allen andern, als den im Jenseits zu erwartenden Lohnmit werthvollen Goldstickereien versehen. Sie trägt auf der einen Seite daS Bild deSheiligen Joseph, Patrones deS Vereines, auf der andern Seite in Goldstickerei dieWorte:Katholischer Gesellen-Verein 1854." Nach den besagten Vorträgen im Ver-einssaale begab sich die Gesellschaft in die passend und schön gezierten Gartenräume,woselbst eine gut besetzte Instrumental- und Vocal-Musik die ohnedem heitere Stim-mung der VereinSgenossen und Gäste nur noch mehr erhöhte. Plötzlich trat eine ehr-furchtsvolle Stille ein, nnd Aller Augen richteten sich nach dem Eingänge deSGartens. Hier erschien, gefolgt von seinem Secretäre, der hochwürdigste Herr Bischof,der stets ein Freund und Gönner deS Vereines, den Abend in der Gesellschaft seinerlieben Vcreinsgesellen zubringen wollte. Empfangen von den Vorständen deS Vereinesnahm der hochwürdigste Gast Platz in der Mitte der beglückten Gesellschaft, VonNeuem ertönten die harmonischen Klänge der Instrumental-Musik, von Neuem erschall-ten die schönen Stimmen kräitigen Männergesanges und wechselten mit sinnreichenTrinksprüchen, begeisterten Toasten und deklamatorischen Vorträgen ernsten nnd komi-schen Inhaltes. So endete in Freude und Heiterkeit der schöne Tag, dessen Niemandohne Lust und Wonne und ohne den Wunsch gedenken wird, daß mit der Fahneneugestärkle treue Liebe und Begeisterung für die Sache des Vereines in die Genossen-schaft der katholischen VereinS-Gesellen eingezogen seyn und sich erhalten möge.

Gott segne das edle Handwerk! (Bayer. VolkSbl.)

Nordamerika .

In die Irrenanstalt zu Utica im Staate New-Uork wurden im Jahre 1853424 Irren aufgenommen, 14 unter diesen hatten den Verstand verloren durch Ver-suche mit Klopfgeistern u. f. w., und 7 durch religiöse Ueberausregung oder durchGewissensbisse. Zwei Drittel dieser Irren waren arm, das eine Drittel bestand ausgewöhnlichen Leuten. Nun schickt aber die Stadt New-Uork ihre Irren nicht in diegenannte Irrenanstalt, welche vorzüglich von Landbewohnern eingenommen wird. Auchschicken begüterte Familien ihre Irren nicht in die Anstalt zu Utica . Man muß dem-nach annehmen, daß, wenn man die Zahl aller Irren und die Ursache ihres Jrre-seynS genau kennte, das Verhältniß der Irren, welche durch Klopfgeister u. s. w.ihren Verstand verloren haben, noch viel bedeutender seyn würde. Die Zahl der durchKlopfgeister u. f. w, irre Gewordenen vergrößert sich in einem solchem Maaße, daßdadurch Unruhe und Schrecken entsteht. Unter 2376 Irren, welche von 1843 bis1849 in die Irrenanstalt von Utica aufgenommen wurden, hatten 251 Personen ihrenVerstand durch religiöse Ueberaufregung verloren. Von den 424 im Jahre 1853 inUtica aufgenommenen Irren gehörten 142 Männer und 45 Frauen gar keiner religiö-sen Partei an, und hatten eben so wenig als ihre Familien irgend einen religiösenGlauben.

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.

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Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.