Ausgabe 
14 (25.6.1854) 26
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ganz und gar das TrinitätSmysten'um verkehrt, indem er die göttlichen Personen aufzwei revucirt oder vier daraus macht und die distinctiven Eigenthümlichkeiten einerjeden verkehrt. Der Verfasser beweist, daß Papst DamasuS I. in der von ihm vorge-schriebenen ElaubenSformel daS ausdrückliche Bekenntniß deS AuSgangS des h. Geistes vomVater und dem Sohne forderte, ganz das Gegentheil der Meinung des PhotiuS, underklärt, daß das dritte ökumenische Concil von EphesuS im Canon 7 der allgemeinenKirche nichts verboten, sondern anticipationsweise schon den Irrthum des PhotiuSverdammt hat. Denn indem eS untersagte, einen von dem nicänischen, nachher imConcil von Constcmtinvpel näher entwickelten Bekenntniß verschiedenen Glauben zubekennen,") hat es iinplioite Jeden verdammt, der den einfachen affirmativen Satz:Der heilige Geist geht vom Vater aus" in den ganz anderen erclusiven verwandelt:Der heilige Geist geht nur vom Vater (a solo patre) aus", wie eS AnthimuS undmit ihm alle Anhänger des PhotiuS thun. Dazu ist eS unbezweifelt, daß die Vätervon Ephesus den AuSgang deS heiligen Geistes vom Vater und vom Sohne geglaubthaben, da sie die Synodika des heiligen Cyrillns von Alerandricn wie ihre eigeneaufnahmen und billigten, worin ausdrücklich das Ausgehen deS heiligen Geistes auchvom Sohne ausgesagt ist.

Ferner bekräftigt AnthimuS Alles, waS Pius IX. den Orientalen vorstellte.Der Papst hatte sie erinnert an die Spaltungen und Verluste, die diese einst so blü-henden Kirchen seir ihrer unseligen Trennung von dem römischen Stuhle erlitten, undan die Nothwendigkeit, behufs der Erhaltung der von Christus gewollten Einheit imNachfolger Pctri den höchsten Hirten der Kirche und den gemeinsamen Vater allerGläubigen anzuerkennen. Dagegen sagt AnthimuS, um zu beweisen, daß in seinerKirche trotz jener Trennung von Rom doch die Einheit des Glaubens und der Hierar-chie sich erhallen hat, bei ihnen sey der Glaube einig und orthodor, weil dessenBcschützung dem Volke anvertraut sey, welches es verhindere, eaß die Patriarchenund ihre Synoden Irrthümer im Glauben vorschreiben, und die Hierarchie erhalte sichin einer wunderbaren Einheit des Handelns, weil, wofern die Patriarchen sich nichtbrüderlich unter sich einigen können, man die Intervention der Regierung (d. h.deS Großlürken) anruft. Der feine Theologe sieht nicht, daß er damit das bestätigt,was er widerlegen wollte; mit einer merkwürdigen Vcrkehrung der Begriffe wie derSache selbst fagl tr, ihr Glaube sey einig, weil von der Vielheit, der Negation derEinheit, geregelt, ihre Hierarchie sey heilig, weil in letzter AnalysiS vom Sultangeleitet, der in Fragen der KirchendiSciplin das Nöthige entscheidet, wobei er wohlnicht die Concilien nachschlägt, sondern den Koran . Dn wird es dem Gegner deSgelehrten AnthimuS nicht schwer, zu zeigen, wie sehr ein solches System den Anord-nungen Christi betreffs der Kirche widerspricht, und wie sehr es noch die Beweiskraftder Worte Piuö IX. erhöht. Eben so zeigt er die ärmlichen Sophismen, mit denender Patriarch die Schristtcrte über den Primat Pelri aus dem Wege zu räumen ver-sucht, Teile, mit denen die Zeugnisse der heilic-en Väter und die geschichtlichen Urkun-den von allen Jahrhunderten übereinstimme». Das ist der wesentliche Inhalt deszweiten Theiles.

Es hätte nur AnthimuS sich an das erinnern dürfen, was im sechsten Jahr-hundert einem seiner Vorgänger begegnete, der denselben Namen trug. Bischof An-thimuS von Tredisonv war im Jahre 535 durch die Ränke der Kaiserin Theodora aufden Patriarchenftuhl von Conftantinopcl gekommen, und ward auf Antrieb derselbenvon Justinian kräslig unterstützt. Da er sich aber als Eutychianer und Gegner derSynode von Chalceoon zeigte, so ercommunicirte ihn der Papst Agapiius, ohne eineSynode zu berufen, sondern aus eigener Autorität, und setzte ihn ab, zugleich mitdem Patriarchen SevcruS von Aim'ochicn und andern Anhängern der Häresie. Ja er

") Vergl. darüber Iluzo LtKerisnus eonli-g l^rgecos I. III. e.. Klsnuel Lslecss I. IV.e. Krsec. Lvnc. klurent, 8ess. XI.

") Nergl. Lxri». clv gäor-U. lib. I. p. 9, in 5oel. c. Z. Ines. lib. XXXIV. p. 34S,3S4. 253. vial. cie Irin. lib. Vll. p. SS7.