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entzog ihm auch sein früheres BiSthum Trebisond und untersagte ihm alle priesterlichenFunktionen. Darauf ward Mennas, Vorsteher deS großen Spitals von Constauiino-pel, zum Patriarchen geweiht und vom Papste verpflichtet, in seine Hände ein schrift-liches Glaubensbekenntniß zu übergeben, ohne daß dieser noch sonst ein Grieche wider-strebte. Nun sollte unser AnthimuS sagen, ob diese Einmischung des römischen Bischofsin die Angelegenheiten des ersten Stuhles im Orient, diese Vernrtheilung und Ab-setzung eines Patriarchen, diese Einsetzung ueuer Bischöse an die Stellen der abgesetz-ten, eine bloße brüderliche Mitwirkung oder aber einen Act wahrer Autorität undJuriSdiction bedeutet und involvirt.
DaS Werkchen schließt mit dem Gedanken, daß diese Erörterungen zugleich alsTrost und als Stachel, als Ermunterung und als Warnung dienen sollen: als Trostund Ermunterung für die unirten Griechen, die sich freuen müssen, der Kirche anzu-gehören, für welche die eigenen Feinde, indem sie dieselbe bekämpfen, ein Zeugnißablegen; als Stachel, Sporn und Warnung für die Schismatiker, die aus den Wor-ten ihres eigenen Patriarchen den Irrweg, auf dem sie sich befinden, sehen können,so wie die Nothwendigkeit, zur wahren Heerde Christi zurückzukehren. Sicher streifen dieIdeen deS AnthimuS sehr nahe an den Protestantismus an; er kennt kein kirchlichesLehramtmehr, sondern nur die Bibel und die alten Canoneö, deren Hort und Inter-pret das Volk ist. Dahin ist es mit dem griechischen Schisma gekommen!
So ist in einfacher und populärer Weise die vom heiligen Vater in jener Allo-cution in Aussicht gestellte Widerlegung des schismatischen Manifestes gelungen. Die-selbe Allocution ward aber für einen schismatischen Griechen in Corfu, Georg Mar-coran, Anlaß, seinem heftigen Groll wider den Papst und die Lateiner Lust zu machenin dem kürzlich veröffentlichten Schriftchen: „8oprs »leuni passi clell' alloeuzions <li?ic> IX. Ö88ervgüiom cii Kiorgio Ugreorim. Lorlu 185-4, ?ipci^r»lig Alerourio^,daS auf 35 Octavseiten seinen griechischen Tert nebst der italienischen Uebersetzungenthält. Der Verfasser, ein Laie, zeigt sich sehr wenig in der Theologie bewandert;er hatte die Encyclica deS AnthimuS übersetzt, und deßhalb, so wie wegen der darinenthaltenen Grundsätze, besonders weil das Volk Hort deS Glaubens ist, hielt er sichzu deren Vertheidigung berufen. Darum griff er mit allem Ernste die päpstliche Allo-cution an. Er thut sich viel zu gut auf die prachtvolle Encyclica seines Patriarchen,von der die Versammlung im Nalican ganz erschüttert worden sey; er triumphirt, daßnoch keine Widerlegung erschienen; doch wird ihm jetzt die fast gleichzeitig mit derseinigen veröffentlichte oben besprochene Schrift zu Gesicht ^gekommen seyn, die derdamit beauftragte römische Theologe in sünf Wochen, seit er dazu committirt war,vollendet hat. Die feste Ueberzeugung deS Herrn Marcoran, daß die Worte desrömischen Bischofs zum erstenmal eine unüberwindliche Widerlegung in jener Encyclicagefunden haben, beweist nur zu gut, daß die Theologie nicht eben seine starkeSeite ist.
Mit großer Galle ereifert sich der neue Wächter der griechischen Orthodoricüber die verleumderische Bezeichnung „Schismatiker " für die von der römischeil Ge-meinschaft getrennten Griechen; es sey gewissenlos, so die orthodoxen Griechen zubenennen, „Getrennt von der wahren Kirche" und „schismatisch" ist für uns dochwohl gleichbedeutend; eS kommt also nur darauf an, wo die wahre Kirche ist. Wirder aber gegen daS ganze Alterthum und sogar gegen die byzantinisch kaiserlichenGesetze läugnen können, daß man unter katholischem Glauben stets den verstanden ha«,den die römische Kirche bekennt?")
Im Ganzen reduciren sich die Bemerkungen des Herrn Marcoran auf zweiHauptpuncte. Erstens sucht er mit einigen schlecht gedeuteten und übel angewendetenBibel- und Vaterstellen den photicmischen Irrthum vom AnSgang des heiligen Geistesvom Bater allein zu stützen und den JuriSdictionsprimat deS PapsteS zu bekämpfen.
Loluts?ione <Zi ^nlimo p. 91. sequ.»») Vergl. l.ex, i Lo6, l'lieoo'. cle liäe cstnolicii. s). t Loci. ^ust. I, 1,