Ausgabe 
14 (25.6.1854) 26
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Zweitens erzählt er einige Thatsachen, welche die Gewaltthätigkeiten und Ränkebeweisen sollen, mit denen die lateinische Kirche die Griechen wieder mit sich zu ver-einigen versucht hat. In Betreff des ersten Hanptpunctes bringt er nichts vor, wasnicht schon in der Encyclica des AnthimuS gesagt und in der oben genannten, aufpäpstlichen Befehl verfaßten Antwort widerlegt worden wäre; dabei führt er unvoll-ständige, verstümmelte Terte an, deren vollständiger Inhalt und ganzer Zusammenhangihn allein schon widerlegen würde.

So beruft er sich z. B. öfter auf die Briefe Gregors des Großen, durch dieer beweisen will, der Papst habe sich nicht für höher, als die übrigen Bischöfe, son-dern für ihnen gleichstehend gehalten. Dafür führt er einen Brief dieses Papsteö anden Patriarchen EuloginS von Alerandrien an, der aber gerade seine Illusionen zer-stört und daö glänzendste Zeugniß sür den Primat Petri und seiner Nachfolger ent-hält; -) ferner ein anderes Schreiben, wo er PettuS daS erste Glied der heiligen undallgemeinen Kirche nennt, **) wobei unser Autor nicht bedenkt, daß daserste Glied"deö Leibes eben das Haupt ist, wie auch derselbe Kirchenvater den heiligen PetruSsonst so ost nennt, nicht bedenkt, daß in eben diesem Schreiben Gregor I. gegen denbyzantinischen Patriarchen seine JuriSdiction ausübt, ihn nachdrücklich tadelt wegen desangemaßten Titels und sür den Fall des Ungehorsams mit dem Anathem bedroht.Daß aber der Papst sichtbares Haupt der Kirche ist, hindert nicht, daß das unsicht-bare und wesentliche Haupt Christus sey, dessen Repräsentant und Stellvertreter nurder Papst ist; eben daS hebt Gregor öfter in seinen Briefen hervor, wenn er vonChristus als dem Haupte der Kirche redet. Kein Papst vielleicht hat so energisch dieRechte seines Primates vertheidigt, als der in seinen Ausdrücken so sanfte und gemä-ßigte Gregor.***)

Was den historischen Theil des Buches von Marcoran angeht, so behauptetderselbe geradezu, die römische Kirche habe die Reunion der Griechen zuerst mit Gewalt,Blutvergießen und Auto-da-fss zu verwirklichen gesucht, jetzt versuche sie mit Listund Ränken. Welche Beweise bringt er aber für diese schwere Anklage? Keinen ein-zigen; außer seiner dreist ausgesprocheuen Behauptung erinnert er nur im Vorüber-gehen an die tyrannischen Acte, welche die Legaten Jnnocenz' III. im Orient verübt,und an das Verfahren gegen die Griechen im Kirchenstaate und in anderen TheilenItaliens, wo man sie mißhandelt und ihrer Kirchen beraubt habe, wie in Ancona und in Berletta. Ueber solche Anklagen muß mau sich in der That wundern, nachdemunzählige Dokumente die von den Päpsten den Griechen auch im Schisma erwieseneLiebe bezeugen, nachdem ihre Anstrengungen, diese vom türkischen Joche zu befreien,ihr öfteres Auftreten zum Schutze der Griechen, selbst gegen die Lateiner, weltkundigsind. Ein schlimmeres Beispiel konnte aber unser Grieche nicht wählen, als daS vonJnnocenz III., der mit der größten Energie sich der Griechen gegen die lateinischenEroberer annahm, die ganze Expedition von 1204 mißbilligte, und sogar den Abend-ländern mit dem Banne drohte, f) Bekannt ist ferner, daß die Päpste stets denindiScretcn Eifer vieler lateinischer Priester zügelten, welche mit harten Mitteln die

*) >I, Lp. I, VIl, ep, 37 (ül, 40):(Zuis «mim nesci-lt. 8, ZZcclesism in ^po-

sUiIoium principis soliciit.ite liimntiim, cpii tirmitgtem montis trsxit in nowins, ut Petrus ü petr.i vocaretur? Lui Veritatis voce clicitur: 1'ibi dabo elsves regni coolorum. Luirursus clicitur: Lt tu iil!o.u.inclo conversus conlirm-, irgtres tuos. Iterumczus: Simon potro,sums me? pgsce oves mess. It-iauo eum niulti sint ^postoli, pro ipso tamen principstusvl>> ^postoioi'um priniiipis secles in üuctoi-it.ito convgluit, lzuso in tridus locis unius ost."Die letzten Worte sprechen den häufig vorkommenden Gedanken aus: In so ferne find neben Rom Alerandrien und Antiochien Patriarchalsitze und üben eine JuriSdiction über die andern Kirchen aus,als sie als dem Petrus zugehörig betrachtet werden; hier ist schon von vornherein die Gleichheit allerBischöfe gcläugnet,

Kpist. I. V. 18: primum membrum sanclgo et universslis Lcolesise.

Ueber die Renitenz des byzantinischen Patriarchen Johannes des Fasters schreibt er I. I V.ep, 64 (>il, 32) scl ^'grsom pstricium: In <zus si vieler» seois ^postoliese csnones rion ssr-vgri, (tsbit omnipotens veus, czuici conti-s eovtemptores ejus lscisw.- f) Vergl. Hurter, Jnnocenz III, Buch VI.