Ausgabe 
14 (25.6.1854) 26
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Bekehrung der Griechen erzwingen oder die Ausübung ihrer Riten hindern undbeschränken wollten. Wie weit die Päpste hierin von allem gewaltsamen Verfahrenentfernt waren, zeigen die Bullen von Leo X., Clemens VII , Paul IV. zur Genüge.Bekannt ist eben so die fürstliche Munificenz und die väterliche Liebe, mit der dierömischen Päpste die Griechen ansnahmen, die, besonders im 15ten Jahrhundert undseit der Eroberung von Constantinopel durch die Türken, nach Italien zu fliehen gcnö-lhigt waren. Kein Fürst bewies ihnen so viel Theilnahme, Milde und Hnld, Nie-mand gab ihnen so reichliche Unterstützung, und diese armen Vertriebenen bewiesenihnen auch die größte Dankbarkeit. HodiuS, Böruer, TiraboSchi und Mnstorivibieten dafür reichliche Belege. Oder sind vielleicht die von den Päpsten aufgewandtenSummen, sind ihre Wohlthaten rohe Gewaltthätigkeiten gewesen? Wirklich rechnetunser Autor die Gründung des griechischen Seminars unter Gregor XIII . (1581) zusolchen unerlaubten Mitteln, eine Anstalt, die ausgezeichnete griechische Bischöfe, opfer-willige Missionäre lieferte, die in den Orient keine Scheiterhaufen und A»to-da-'Sbrachten, wohl aber das Beispiel eines tadellosen Lebens und die Ueberzeugung undKraft der Rede, die keine Verfolgung anstifteten, oft aber auch das Opfer des fana-tischen HasseS von Seite griechischer Schismatiker geworden sind. Aus dieser Anstaltkamen Gelehrte, wie ArcudiuS, der LandSmann unseres Marcoran, wie Leo AllatiuS ,in dessen Werken dieser seine Einwendungen, wie die aller andern Schismatiker, völligwiderlegt finden kann. *)

Daß aber die Griechen sich über Intoleranz der Lateiner beschweren, ist auf-fallend. Um nicht zu reden von den Verfolgungen gegen die Lateiner in Rußland ,die alles Maaß übersteigen, darf man sich nur an die griechische Konstitution von1844, an die Behandlung des Pater PelagmS in Missolunghi , an die tausend Vcra-tionen der Lateiner im Königreich Griechenland erinnern. Auf den Ionischen Inselnhatten die Katholiken seit dem Untergang der Republik Veuedig nichts als Leiden nndDrangsale; in Jerusalem und im ganzen Orient sind eS dieselben Griechen, die bisauf diese Stunde sie in jeder möglichen Art bedrängen. Im Kirchenstaat nnd inNeapel haben allerdings die schiSmcm'schen Griechen nicht das Recht, Kirchen zuerbauen und öffentlich ihren Cultus zu üben; aber die weggenommenen Kirchen, überdie man sich beschwert, sind Eigenthum der unirten Griechen, und zwar mir Aus-schluß der nicht-unirten. Von jenen verlangen, daß sie diesen sie überlassen, ist nichtgerecht; daS hieße sie auS ihrem Eigenthum vertreiben. In jenen zwei italienischenStaaten haben die Schismatiker keinen RechtStitel, weder auS den Gesetzen des LandcSnoch auS vorhergehendem Besitz, auszuweisen für daS Recht ihres dort nicht aner-kannten CultuS, und doch fordern sie das, waS eine Vergünstigung, eine Gnadewäre, gebieterisch als ein Recht, während die Lateiner im Orient sowohl Gesetzezu ihren Gunsten, als uralten Besitzstand für sich haben. Es ist ein flagranterWiderspruch: auf der einen Seite die Katholiken ihrer wahren, verbrieften und unbe-streitbaren Rechte berauben, auf der andern sich beklagen, daß die Lateiner ihnendurchaus unverdiente Vergünstigungen und Privilegien nicht gewähren wollen. DiePäpste respectirten alle Privilegien der Juden, seldst da, als man sie aus andcrueuropäischen Staaten vertrieb, und erkennen alle in Livorno, Trieft, Marseille undandern katholischen Städten den nichtunirtcn Griechen gewährten Rechte noch heut zuTage an, während die orientalischen Schismatiker die mehr als fünshunderljährigenRechte der römischen Katholiken mit Füßen treten. **) DaS AllcS hätte unser VertreterdeS byzantinischen Schisma wohl überlegen sollen, ehe er mit solchen Vorwürfen indie Oeffentlichkeit trat.

Wir haben indessen allen Grund, zu hoffen, daß die väterlichen Worte deS

*) Hieher gehören die Schriften: ve Leclesisv Occiäentslis et Orientsiis Perpetuacovsensione Oe purgslorio ve processione Spiritus ssncti ve t^rsecorum likrisecelesisstiois.

") So ein gebildeter Grieche in einem Briefe nn einen Freund, divilts esttolics l. c.p. 433 43S.