Ausgabe 
14 (25.6.1854) 26
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regierenden Papstes nicht von allen Anhängern deS byzantinischen Schisma so aus-genommen sind, wie von dem ergrimmten Marcoian in Corfu. In Rom , wo einebesondere Einigung für die Wiedergewinnung der getrennten Brüder im Osten sichgebildet hat, hält sich gegenwärtig der für die Union begeisterte Grieche Pizibios auf,und über dessen EinigungSplan soll in einer Cardinal-Congregation vom 17. Mai d. I.bereits eine Berachung abgehalten worden seyn. Die Beförderer der Trennung könnenes nicht hindern, daß GotteS Gnade von Zeit zu Zeit einzelne erleuchtete Anhängerder orientalischen Secten zur wahren Kirche hinzieht. Auch bei den nichtunirtenArmeniern zeigt sich wieder eine größere Neigung zur Union. DemLonstitutionel"zufolge wird Fürst Leo von Armenien zu Rom erwartet, um mit dem heiligen Stuhldarüber in Unterhandlung zu treten; derselbe soll jung, geistreich und eifrig seyn, undgeeignet, die meisten Schwierigkeiten zu überwinden.

Welch' ein großes Glück wäre eS für den Orient, wenn eine solche solide Ver-einigung eines großen Theils der Getrennten mit der Mutterkirche zu Stande käme;welche unberechenbaren Folgen müßte das für die dortigen Zustände mit sich bringen!Vielleicht bereitet GotteS Barmherzigkeit dort Dinge vor, die sür die Zukunft von demgrößten Einflüsse, für die Kirche von herrlichem Segen seyn werden. (Kath. Wochenschr.)

Die Seligsprechung der Germane» Cousin.

Rom , 11. Mai. Die Seligsprechung der ehrwürdigen Jungfrau Ger-mana Cousin, welche am vorigen Sonntag in der Peterskirche mit der gewöhn-lichen Feierlichkeit statt fand, hat auf das Gemüth Vieler einen tiefen Eindruck gemacht.Germana war ein armeS Hirtenmädchen, daS ganz und gar nichts von alle dem,was die Welt bewundert und hochschätzt, besaß. Nicht nur entfernten sie ihre Geburtund ihr Stand von der großen Welt, sondern sie war auch ohne jene persönlichenVorzüge, welche in einem engern Kreise die Aufmerksamkeit hätten auf sie richtenkönnen. Sie war weder schön noch gebildet, noch in den Künsten deS weiblichenGeschlechts geübt; aber der heilige Geist hatte ihre Seele mit seinen Gaben geschmückt,und sie frühe gelehrt, Jesum Christum den Gekreuzigten zu suchen und nachzuahmen.Sie brachte fast ihr ganzes Leben auf dem Gebirge mit der Heerde, die sie weidete,zu, allem Ungemach der Witterung und allen Entbehrungen der Armuth preisgegeben,und auch, wenn sie in die ärmliche Hütte, in der sie geboren war, heimkehrte, fandsie weder Ruhe, noch Erleichterung. Eine hartherzige Stiefmutter quälte und verfolgtesie auf mannigfaltige Weise. Zu alle dem kamen Krankheiten und Schmerzen, die siefast nie ganz verließen. Germana ertrug alles mit unüberwindlicher Geduld undSanftmuth; denn, wie gesagt, der heilige Geist hatte sie früh daS Muster der Geduld,Jesum den Gekreuzigten, kennen gelehrt. Man sah sie stundenlang in der einsamenGegend, wohin sie ihre Heerde führte, auf der Erde, oft auch im Schnee, knieenddem Gebete obliegen, und obschon nicht selten von der Kirche weit entfernt, hielt keineWitterung noch irgend eine andere Beschwerde sie ab, dem hochheiligen Meßopfer bei-zuwohnen, und die heiligen Sacramente wenigstens einmal jede Woche zu empfangen.Ihr Leben war jedoch, wie der Apostel spricht, mit Christus in Gott verborgen, undobschon ihre Tugenden, ihre Andacht, ihre Geduld und zarte Liebe von denen, dieihr nahe waren, bemerkt und bewundert wurden, so zog sie doch auch nicht durchjene außerordentlichen Werke und Gaben, die oftmals das Leben der Heiligen aus-zeichnen, die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich. Aber als ungefähr vierzig Jahre nachihrem seligen Dahinscheiden ihr Grab geöffnet wurde, da ward ihr jungfräulicher Leibganz unversehrt und mit noch unverwelklen Blumen bestreut gefunden, und von jetztan begann Gott jene, die ihm in stiller Demuth gedient hatte, zu verherrlichen. EineMenge Wunder wurden an ihrem Grabe und an vielen andern Orten bei Anrufungihres Namens gewirkt. Schon damals, daS ist vor ungefähr zwei Jahrhunderten,wurden von der bischöflichen Behörde nach sorgfältigster Untersuchung authentische