Ausgabe 
14 (25.6.1854) 26
Seite
207
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

207

Berichte an den heiligen Stuhl gesandt; jedoch der Proceß der Seligsprechung bei sovielen Hindernissen, welche die unruhevollen Zeiten mir sich brachten, nicht sehr geför-dert. Aber auf die vereinigten Bitten sehr vieler Erjvischöfe und Bischöfe, Pfarreienund Klostergemeinden ward derselbe im Jabre 1845 r>on neuem eingeleitet, und mitungewöhnlichem Erfolge rasch fortgeführt. Schon im Jahre 1850 wurde daS Dccretüber die Tugenden veröffentlicht, und im vorigen Jahre jenes über die Wunder, undnun halten wir am 7. dieses Monats das erhabene Schauspiel, worin auf eine sobesondere Weise das Wort des Apostels von neuem in Erfüllung ging:WaS vorder Welt thöricht ist, hat Gott erwählt, um die Weisen zu beschämen, und dasSchwache vor der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zu beschämen, und daSGeringe vor der Welt und das Verachtete, und das, was nichts ist, hat Gott erwählt, um daS, was etwas ist, zu nichte zu machen, damit kein Mensch sich vorihm rühme." (1. Cor. 1, 27.)

Germana Cousin war im Jahre 1579 zu Pibrac, einem Dorfe nicht weitvon Toulouse in Frankreich geboren, und starb daselbst im Alter von 22 Jahren.(Münst. Sbl.) _

. :pLrüiM»Ä! ii!>K!ü,l>isA r»i 'in?t7i!>

Großartiges katholisches Unternehmen in London .

Ueber zweimalhunderttausend Katholiken aller Stämme und Zungen wohnen indieser Weltstadt, zerstreut unter zwei Millionen Protestanten aller Mcinungsschat-tirungen, daS Bild der Einheit mitten in der Zerfahrenheit. Einigt sie der Glaube,so trennt sie die Nationalität, deren wesentlichster Ausdruck die Sprache. Wohl zähltLondon 25 Kirchen, seine Umgebung 15 Kapellen, an beiden 104 Priester; wie wenigfür jene große Zahl von Kindern der Kirche! Und diese wenigen kommen meist nurden Einheimischen zu Gute, mit denen sie durch daS Band der Sprache verbundensind. Wem diese fremd ist (und wie groß ist nicht deren Zahl!) dem wird es schwer,geistliche Belehrung und Kräftigung zu erhalten, daS Sacrament der Buße zu empfan-gen, Beistandes und Trostes in seinen letzten Augenblicken sich zu erfreuen.

Hat daS Heidenthum der neuesten Zeit, nachdem cS den im Anfang diesesJahrhunderts erfundenen KoömopolitiSmuS als abgegriffen bei Seite geworfen, mitwühlerischem Eifer zu dem Rationalismus sich gewenver und wie in der vorchristlichenZeit Volk gegen Volk stellen wollen, so muß die Kircke (so wie in ihr allein derächte KosmopoliliömuS ruht) auch dieser Verirrung die Schranke anweisen, innerhalbwelcher allein sie, gleich der individuellen Persönlichkeit, zu Recht bestehen kann. DerPriester Vincenz Palotti, der im Jahre 1850 zu Rom im Ruf der Heiligkeitgestorben ist, und dort Katholiken ohne Unterschied der Nation und des Standesdurch den werkthätigen Glauben in eine allgemeine Bruderschaft vereinigt hat, faßteden großartigen Gedanken, in dem Mittelpuncte der Stadt London eine geräumigeKirche nach dem Vorbild der ältesten christlichen Basiliken zu bauen. An dieser solltenPriester aller Nationen: Deutsche, Italiener, Franzosen, Spanier, Ungarn, Slaven der verschiedenen Mundarten wohnen, gleichsam eine bleibende Pfingstversammlung,damit jeder Gläubige die Gnaden Gottes an dem Menschengeschlecht in seiner eigenenZunge verkünden höre; somit nicht Aufhebung, sondern Einigung der Nationalitätenauf demjenigen Gebiete, auf welchem dieselben zur Verherrlichung Gottes und zu dereigenen Erkräftigung mit dem vollen Ausdrucke ihres Gepräges auftreten mögen.Auch für Schulen, diese mit jenem Maaß pflegend, welches in ihrer Weisheit einzigdie Kirche an die Hand gibt, soll gesorgt werden.

Deßwegen hat der fromme Vincenz Palotti schon vor zehn Jahren auS seinemin Rom begründeten Institute zwei Priester nach London gesendet, um die Ausführungjenes Vorhabens anzubahnen, In dem Mnlclpnncie von Londons Altstadt ist auseingeleiteten Sammelbeiträgen bereits ein Bauplatz erworben. Aber die Kosten derAusführung in ihrem ganzen Umfange sind groß. Deßwegen nun, weil daS Beab-sichtigte die höchsten Interessen aller Voller berührt, ergeht der Ruf zum Mitwirken