Ausgabe 
14 (2.7.1854) 27
Seite
215
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

215

den Herrn in Versuchung zu sehen, oder in Noth daS Köstlichste, was siebesitzen, um schnödes Geld zn verkaufen.Ich hoffe daher mit jener Bekanntmachung Niemanden zur Unbesonnenheit zuverleiten, sondern habe einzig die Absicht, denjenigen, welche Willens sind und in derLage, eine so heilsame Reise zu machen, mit den erforderlichen Daten an die Handzu gehen und allen Denjenigen, welche das große Werk mit der gehörigen Ueberlegungund den nothwendigen Mitteln unternehmen wollen, sowohl als dem deutschen Vater-lande und der katholischen Kirche einen Dienst zu leisten. Denn die Folgen werdeneS zeigen: die sogenannte orientalische Frage ist nicht weniger eine deutsche als einekatholische, und der Besuch der heiligen Stätten ist nicht bloß eine Herzstärkung, son-dern auch eine Aufklärung über manche obschwebende Frage des äußern wie deS innernLebens deS Vaterlandes.

Rheindorf, den 8. Juni 1354.

Prisac, Pfarrer und Mitglied des Ritterordens vom hl. Grabe.

Randglossen.

Bekanntlich war eS sonst Tactik der akatholischen Schriftsteller, die Leistungenvon Katholiken auf dem Gebiete der Literatur und Kunst, wenn es irgend anging,völlig zu ignoriren. Da diese Waffe deSTotschweigens" nachgerade stumpf gewordenuns der Katholicismus sich durchaus nicht als diemorsche Ruine" erweisen will,von der man geträumt hatte, im Gegentheil überall ein frisches Leben entfaltet, dessenBlüthen und Blumen man sogar künstlicher Nachahmung unter fremder Firma würdigt,so ist die akatholische Literatur und Journalistik auf eine andere Practik verfallen undignorirt katholische Leistungen zwar nicht mehr ganz, recensirt sie aber so abfällig undabgeschmackt, daß dem nicht bereits besser informirten Leser die Lust vergeht, sich umdaö Buch weiter zu bekümmern. So ergehl es nun auch Ernst von Lasautr,dessen neueste Schriftder Untergang deö HellenenthnmS", gediegen wie Alles, waSbisher noch von diesem geistreichsten aller uns bekannten lebenden Philologen ausge-gangen, nur eine ganz kurze und äußerst trockene Besprechung in demselben kritischenInstitute erfahren hat, so zwar, daß man dem Schreiber recht anmerkt, wie ihm nurdarum zu thun sey, das katholische Kindlein wie einen mißgestalteten Wechselbalg ausdem Prokrustesbette der hausbackenen Brockhausischen Kritik zu Tode zu renken. Istdagegen der betreffende Autor bereits eine anerkannte, aller Verballhornung entwachseneAutorität, ein berühmter Name, dessen Verdienst anzuerkennen und zu rühmen mannicht umhin kann, so verschweigt man, daß er Katholik oder wenigstens, daß erPriester gewesen. So ist eS wohl nicht blos zufällig, daß in denBriefen überÄ. v. Humboldt's KoSmoS" II. S. 384. von KopernikuS nicht erwähnt wird,daß er Domherr in Frauen bürg gewesen, überhaupt über sein Leben fast garnichts mitgetheilt wird, während unmittelbar darauf KcpplerS Lebensumstände bis inskleinste Detail ansgeführt werden. ES hätte sich freilich sonst schwerlich anbringenlassen, .,daß mit der Volljährigkeit deS Erzherzogs Ferdinand die Verfolgung derProtestanten in Steiermark begann und Keppler davon mitbetroffen wurde." Ooer hatetwa der scharfsinnige Begründer eines neuen Weltsystems, welcher den Muth hatte,die Schranken der bisherigen Denkweise zu erweitern und einem durch lange Jahrhun-derte befestigten Irrthume entgegenzutreten, welcher dergestalt in die allgemeine Vor-stellungSweise verwachsen war, daß Melanchthon an einen Freund schrieb, man müssedie Obrigkeiten bewegen,eine so böse und gottlose Meinung mit allen ihr zu Gebotesiebenden Mitteln zu unterdrücken" hat, sage ich, der unsterbliche Entdecker uuserSSonnensystems weniger Anspruch auf unser Interesse als derjenige, der auf seineSchultern tretend das von ihm begründete System nur weiter ausbildete? Ach nein!Ein katholischer Domherr als Begründer deS neuen Weltsystemsverstieß zu sehr gegen gewisse traditionelle Vorurtheile vom protestantischen Alleinbesitze