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der Wissenschaft, als daß es gerathen erschien, irgend eine Andeutung darüber zugeben, wer Kopernikus eigentlich gewesen! Was sich doch große Geister bisweilen fürkleinlichen Kummer machen! Biot und Laplace suchten auS Aerger darüber, daßNewton in seinem Alter theologische Untersuchungen über die Offenbarung Johannisund die Weissagungen im Propheten Daniel anstellte, zu beweisen, daß Newton seinenVerstand nie völlig wiederbekommen habe, seit er einmal auf kurze Zeit in momentaneGeistesverwirrung verfallen, weil sein Hündchen in seiner Abwesenheit die brennendeKerze aus seinem Studirtische umgeworfen und ein großes Werk über Optik, die Fruchtmehrjährigen Fleißes, ein Raub der Flammen geworden war: und ein Briefsteller überden „Kosmos" empfindet einen in der That unkoSmischen geheimen Neid darüber, daßNikolaus Kopernikus uicht nur Katholik, sondern wirklicher residirender Domherr zuFrauenburg gewesen! Eben so ungenau mindestens drücken sich die „Briefe" (II. S. 211)über Friedrich von Spee auS: „Einen Gegensatz zu (Paul) Gerhard , trotz dermannigfachen Verwandtschaft mit ihm, bildet Friedrich v. Spee . Dieser ist eifrigerKatholik (allerdings, er war sogar Priester, auS der Gesellschaft Jesu !); die Innig-keit deS religiösen Gefühls, wie den lebendigen Ausdruck desselben theilt er mit Gerhard;allein seine Dichtungen athmen statt der protestantischen Einfachheit eine schwärmerischeMystik (davon hat sich die „protestantische Einfachheit" freilich gründlich rein gehal-ten!)." Daß Friedrich von Spee außerdem der Erste gewesen, der gegen das Unwesenund die Grausamkeit der Herenprocesse auftrat, wiederum ein Verdienst, daS unstreitig nochgrößer war als sein dichterisches, bleibt unerwähnt. Man wende uns nicht ein, daßdieß als nicht zur Sache gehörig übergangen worden, vielmehr gehörte es recht eigent-lich in eine Betrachtung, welche vorzugsweise das praktische Verhalten deS Menschenzur Natur erörtert. Diese Verirrung der Herenprocesse war aus grober, der Verach-tung der heidnischen Literatur der Griechen und Römer entsprungener Unkenntniß derNatur und ihrer Gesetze entstanden. Friedrich von Spee'S Auftreten gegen dieselben,zunächst veranlaßt durch die ihr ganzes Innere enthüllenden Bekenntnisse der unglück-lichen Schlachtopser im Beichtstühle, beruhte auf einer gründlicheren Menschenkenntnißund einer aufdämmernden richtigen Ahnung von dem Verhältnisse des Menschen zuder Natur und ihren Kräften. Das hat der Verfasser auch recht wohl gewußt, aberseine Vorurtheile, seine Parteilichkeit gegen katholisches Verdienst lassen ihn, sey esnun bewußt oder unbewußt, zu einer unbefangenen und vollständigen Würdigungdiesseitiger Leistungen nicht gelangen!
T e l g t e.
Das Jubiläum wird in diesem Jahre wie vor hundert Jahren am Tage vorMaria Heimsuchung, Nachmittags vier Uhr, wo das Gnadenbild auS der Capelle inProcession um den Kirchhof in die Kirche getragen wird, mit der Vesper beginnenund vierzehn Tage bis zum zweiten Sonntag nach Maria Heimsuchung dauern.Seine Heiligkeit, Papst Piuö IX., haben dazu den Jubiläums-Ablaß verliehen.Täglich wird vom frühen Morgen an die Andacht beginnen. Eine hinreichende AnzahlGeistliche, sowohl Welt- als Ordenögeistlichc, werden die nöthigen Funktionen imBeichtstuhl, CvmmnnionanStheilen, heilige Messe lesen, Predigten zc. besorgen. Dienähern Bestimmungen hierüber wird der hochwürdigste Bischof Müller, der die ganzeAnordnung übernommen hat, besorgen. Kirche und Capelle werden besonders aus-geschmückt, ganz besonders die Capelle, woran schon über ein Jahr gearbeitet wird.Im Innern wird dieselbe mit herrlichen Fresco-Gemälden und Vergoldungen durchHerrn Maler Büchtemann aus Münster geschmückt, und zwar so schön, daß gewißin Westfalen keine zweite solche zu finden ist. Auch von Seiten der Stadt wird allescmfgeboien, um sowohl die Processionen, als auch die einzelnen Pilger ehrenvoll zuempfangen.
Verantwortlicher Redacteur: ? Schönche»
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