Vierzehnter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Augsburger Pojheitung.
9. Juli ^V>- 28. 1854.
Diese« Blatt erscheint regelmäßig alle Gountage. Der halbjährige Abouuementsprei«5«> lr>, wofür e« durch alle kom'gl. bayer, Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kaun.
Die Adressen der katholischen Welt an den hochwürdigften Herrn
Mit dem jetzt erschienenen vierten Hefte liegen so ziemlich alle bisher anden Hochwürdigsien Herrn Erzbischof von Freiburg ans allen Theilen des Erdkreiseseingegangenen Adressen vor und constituiren den vollkommensten moralischen Beweis,daß die ganze Kirche die Grundsätze des heldenmüthigen Vertheidigers der kirch-lichen Freiheit und Selbststäudigkeit theilt und sein Verfahrenbilligt. Dieses ist aber ein herrliches Zeugniß eineötheilS für die Sache des hoch-würdigsten Erzbischoss und anderntheils für die Lebendigkeit und Entschiedenheit deSkirchlichen Geistes, welcher in unserer Zeit die gesammte Kirche und vor Allem ihrenEpiskopat durchdringt.
Wie unaussprechlich klein und kläglich erscheint dem gegenüber daS Toben deSabgestorbenen StaatSkirchenthumS und der Wind und Staub nicht sowohl des Zeit-,als vielmehr deS Zeitungsgeistes. ,
UebrigenS gewann gerade jetzt, wo man wagt, den Erzbischof der Rebellionnnd deS Bruches des Unterthaneneides um deßwillen zu zeihen, weil er eben jeneGrundsätze ausübt, denen der ganze katholische Erdkreis seine Zustimmung ertheilt hat,jenes Zeugniß eine noch erhöhte Bedeutung, und werden die Adressen, wenn sie nichtan sich schon durch Geist und Inhalt eine der interessantesten Erscheinungen der Zeitwären, das wichtigste kirchliche Document der Gegenwart.
Um zu sehen, welches die moralische Macht sey, gegen welche die badischeBeamtenschaft den Kampf aufgenommen, bedenke man, daß in diesen vier Heften derAnösprnch von nicht weniger als 169 Bischöfen und Erzbischöfen vorliegt, darunterfast alle Bischöfe gerade der zunächstliegenden und wichtigsten Länder: Deutschlands und Oesterreichs, Frankreichs, Großbritanniens, Sardiniens und der Schweiz , wäh-rend bei entfernteren Ländern offenbar nur die Raumentfernung schuld ist, daß nichtauch bereits sie in die Reihe eingetreten sind; jedoch sind bereilS einzelne Adressen,von Bischöfen, nicht bloß aus Spanien und Griechenland, sondern ans Amerika undIndien eingegangen. Es wäre genug an den bischöflichen Adressen, weil die Prie-ster und daS gläubige Volk nothwendig mit ihrem Bischöfe zusammenstimme». Den-noch ist cS erbauend und lehrreich für die Feinde der Kirche, wie viele Körperschaftenvon Geistlichen und Laien sich dem Beispiele der Bischöfe angeschlossen haben, wiedieß die vo^ir solchen ausgegangenen 133 weiteren Adressen zeigen. Besonders interessantist, wie zahlreich und mit welcher Begeisterung und Entschiedenheit gerade der deutscheKlerus sich-ausgesprochen hat, die 94 Collectivadressen von Stadt- und Landcapitelnund den GestGmcheiten der Geistlichen ganzer Landschaften gehören fast alle Deutsch-land an. (KathM.)