Ausgabe 
14 (9.7.1854) 28
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Gerechtigkeit in der Hand hielt, Vorurtheile und Bitterkeit gegen irgend eine Classevon Unterthanen an den Tag legte, welche das Recht hat, bei ihm Gerechtigkeit znsuchen, nach dieser Scene aber wohl nicht mehr hoffen darf, sie zu finden. Nunscheint mir, der Vertreter einer andern und noch höheren Art der Gerechtigkeit solltestets mit gleicher Zurückhaltung reden und nichc öffentlich confessiouelle Norurtheile anden Tag legen, welche viele Unterthanen kränken müssen. Die Gerechtigkeit der Re-gierung ist für die Unterthanen noch wichtiger, als die Gerechtigkeit der Gerichte;Billigkeit verlangen wir von dem Scepter noch mehr, als von dem Stäbe des Rich-ters. Wir haben nun zwar eine Fürstin, welche nicht nurdie Majestät, welche denKönig nmzäumt", sondern dazu noch ihr Geschlecht hindert, sich anders öffentlichauSzusprechen, als in einer von verantwortlichen Ministern verfaßten Rede. Aberihr Gemahl ist nicht durch solche Rücksichten beengt, und weun auch nicht neulich imParlamente erklärt wäre, unter königlichen Gatten finde ein eben so freier Gedanken-Austausch statt, wie in andern Familien, so würde man doch glauben, daß wennder Prinz-Gemahl offen und unzweideutig in einer öffentlichen Versammlung einenGrundsatz oder eine Ansicht ausspricht, dieß eiue populäre und nicht vsficielle Aeuße-rung der Grundsätze und Ansichten einer noch höher stehenden Person ist, deren Ge-sinnung keinem ihrer Unterthanen glcichgiltig seyn kann. Darum erwartet man natür-lich, daß daS erwähnte erlauchte Individuum in öffentlichen Reden sehr vorsichtig ist;nnd weun eS die Zurückhaltung nicht beobachtet, so schließt man, daß dieß absichtlichgeschehen ist. Daß Jemand, der sein irdisches Glück einer Heirath verdankt, denehelichen Stand für besser hält und in dieser Hinsicht anderer Ansicht ist, als derApostel, in dessen Kirche (St. Paul) das Fest der Söhne der Geistlichen gefeiert ward,

wundert mich gar nicht; aber, daß der Prinz ein solches Gemisch von schlechterTheologie und schlechter Politik zn Tage förderte, hat mich gewundert, da man sonstan ihm den besondern Tact rühmt, der für ihn in seiner Stellung nöthig ist. DerSatz ist ganz richtig, daß der Protestantismus schon in seiner Kindheit erkannte, daßfür ihn nur eine verheirathcte Geistlichkeit passe; ich glaube aber, einige von denhochwürdigen Zuhörern deö Prinzen werden roth geworden seyn oder gelacht haben,als sie den Schluß ziehen mußten, wie der Cölibat der Schlußstein des wuuderbarenBaues gewesen,der sich in den finstern Jahrhunderten deS MittelalterS erhob", sosey der Schlußstein des nationalen Baues, der in den erleuchteten Zeiten spätererJahrhunderte zusammenbröckelt, nicht Reinheit der Lehre, nicht apostolische Succession,nicht Dibellcsen, nicht der Schutz des Staates, nicht Heiligkeit des Lebens, sondern

daS Freien und Freieulassen, die Fortsetzung deS stereotypen Lebens der vorsünd-fluchlichcu Patriarchen und die Sorge, statt heiliger Schüler, wie sie ein FranciScnSund Domim'cuS hinterließen, vieleSöhne der Geistlichen" zn hinterlassen, für die inSt. Panl gesungen und in der City-Halle von Aldermen und Bischöfen dim'rt undloastirt wird. Ich glaube weiter, daS Gewissen einiger Pluralisten und andererHerren muß für den Augenblick nnrubig geworden seyn, als ihnen von einer so hohenPerson ganz ernsthaft versichert wurde, eine charakteristische Eigenschaft der reformirten,d. h. vcrheiratheten Geistlichkeit sey die Armuth. Aber der unziemlichste Theil derRede ist offenbar der Satz, worin die katholische Geistlichkeit im Allgemeinen alstyrannische Priesterschaft" bezeichnet wird. Ist daS Papstthum gemeint, an diesesglauben nnd ihm gehorchen die irischen Geistlichen und acht Millionen UnterthanenIhrer Majestät, so wie diejenigen, deren Bündniß England jetzt sucht nnd die Priester,welche auf dem Schlachtfelde eben so gut neben unsern Soldaten knieen werden, wieneben den ihrer Nation. Und warum müssen nun alle Katholiken, in England , Irlandnnd Frankreich , ihre Priester öffentlich von Jemand schmähen hören, dessen Worte wirals Ausdruck der Gesinnung derjenigen ansehen, für welche wir jetzt Blut und Lebenopfern sollen. Ist das klug oder politisch oder gerecht oder edel? Möge er, der könig-liche Redner nur hingehen, und vor den armen Burschen diese Ansichten auSsprechen,welche in die Reihen der Armee eintreten, in welcher er Feldmarschall ist. Möge ernoch einmal nach Irland kommen und sich nochmals mit dem herzlichen Hurraruf