Ausgabe 
14 (9.7.1854) 28
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begrüßen lassen, wie er ihn von den kalten Schotten und den geizigen Sachsen niezu hören bekommt; möge er dem guten Volke danken, dessen Kinder ihr Leben, jabeinahe ihre Seele für den Thron in Gefahr setzen viertausend sind ihrer a» Bordder Schiffe, wo ihre Religion geächtet ist und die Jrländer belehren, daß sie nochdie wunderliche Operation derReinigung" nicht der Kirche, sonderndeS christlichenGlaubens" durchzumachen haben, und daß die Geistlichen, welche mit ihnen Hunger,Pest und Armuth getheilt haben, einetyrannische Pricsterschaft" sind. Ich achteden Prinz-Gemahl zu sehr, um nicht zu wünschen, er möge sich davor hüten, ineiner so zarten Frage, wie die Religion ist, ein Parteimann zu werden. DaS Parla-ment beschäftigt sich mit einer Bill gegen das klösterliche, d. h. das ehelose Leben;wahnwitzige Mitglieder halten schmutzige Reden darüber und Meetings und Zeitungensind voll elender Schmähungen: unter solchen Reden muß eine eigene Rede gegen denColibat der Geistlichen, mit andern Worten gegen die kathoiischen Geistlichen sehlunziemlich erscheinen im Munde dessen, der dem Throne zunächst steht, und mankönnte leicht ans den Gedanken kommen, sie solle eine absichtliche Kundgebung deSWunsches einer höher stehenden Person in Bezug auf eine Bill seyn, die wir Katho-liken für eine Rechtskränkung halten. Prinz Albert mag sich in Krystallpa!ästcnbewege», so viel er Lust hat, er thut aber nicht wohl daran, in ein gläsernes HauSz gehen und von da aus Steine zu werfen, die man zurückwerfen könnte. (V. H.)

Eine Parallele.

Bei der Betrachtung all' der Bedrückungen, welche die katholische Kirche vonSeite mißtrauischer Regierungen unter dem Vorgeben der Wahrung von HoheitSrech-ten und der Sicherstellung vor etwaigen Gefahren zu erdulden hat, ist uns stets einGedanke vor die Seele getreten, den wir hier kurz aussprechen wollen, nämlich derVergleich zwischen der Stellung der katholischen Kirche und demdeS Freimaurerordens in Deutschland .

Die katholische Kirche besteht in Deutschland seit den Anfängen des Christen.thumS und seit mehr als tausend Jahren mit allen Garantien des Staats- undVölkerrechtes, das Freimaurerthnm besteht seit dem Anfang deS vorigen Jahrhun-derts, ohne vou irgend einem Staate gesetzlich anerkannt zu seyn. Die katholischeKirche ist wie eine Stadt hoch auf dem Berge, in dem Angesicht aller Völker, offenund unverdeckt, daS Freimaurerthnm ist eine geheime Gesellschaft, die sich überdie Welt, oder vielmehr unter der Welt verbreitet, mit unbekannten, gcheimnißvollenGrundsätzen und Mitgliedern, in einer Zeit, wo eben die geheimen Gesellschaften dieOrdnung aller Staaten zu vernichten drohen. Die katholische Kirche ist ein Vereinaller Völker, ohne Unterschied des Standes und der Stellung, ein Band, daS Fürstund Unterthanen, Hohe und Niedere, Reiche und Arme, Gelehrte und Unwissendeumschließt, d.iS Frcimaurerthum ist eine vom armen, niederen, unwissenden Volkegetrennte Kaste von Beamten, reichen Kaufleuten, Vornehmen, Vielvermögendcn,sogenannten Gebildeten. Die katholische Kirche hat ein sichtbares Oberhaupt, mitbestimmter Gewalt, uud sie wird deßhalb gescheuet, als gefährlich beargwohnt, unterbesondere Aufsicht gestellt, daö Freimaurerthnm hat ein uubekminteS, unsichtbaresOberhaupt, nu't unbekannter Gewalt, und ist ohne Aufsicht, ohne Controlc, ohne fürgefährlich gehalten zu werden. Die katholische Kirche fordert das Recht der Prüfung,der Anstellung, der Ausbildung ihrer Priester, und eS wird ihr im Namen der Lan-deShoheitörechte verweigert daS Freimaurerthum prüft, bildet, stellt an seine gehei-men Beamten, und daS ist nicht gegen die unveräußerlichen HoheilSrechte der Fürsten .Die katholische Kirche fordert das Recht, untreue Priester abzusetzen, ungehorsameMitglieder auSzustoßen, und eS wird ihr verweigert im Namen landesherrlicher Rechte daö Freimanrerthum hat ein geheimes, unheimliches, daS Licht scheuendes Gerichtder unbeschränktesten Art über seine Würdenträger uud Mitglieder, und das verstößt