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Erlaubniß angesucht, die bestehenden vier Residenzen zu wahren Couventcn erheben zudürfen. Zwar erhoben sich dagegen manche Stimmen, wie in Bosnien, eben so inRom n»d in Stambul , Aber wie erhebend war die Freude der Väter, als sie am24. Juni desselben JahrcS die Genehmigung ihrer Bitten vom apostolischen Stuhleerlangten, und von Sr. Heiligkeit in einem eigenen Breve zur Vollendung ihresVorhabens kräftigst ermuntert wurden. Nun dürfen sie auch in diesen vier ResidenzenNovizen anfnehmen, Kleriker erziehen und für das Wohl der Christenheit in ausge-dehntcrem Maaße arbeiten.
Ein großes Glück war eS, daß zur selben Zeit Kurschid Pascha Vezir in Bos-nien wurde, der beste unter allen vorgehenden für die RajahS. Nach angelangterErlaubniß von Rom versprach der genannte Vezir, die Bitten der Väter in Stambul zu unterstützen; alsogleich wurde von allen Seiten an der Herbeischaffung deS nöthigenMaterials gearbeitet; wo hinreichende Grundstücke nicht vorhanden waren, wurdensie von den Türken mit den Geldmitteln der bereits bestehenden Convente erkauft.Man wählie hierzu die in jeder Hinsicht der Gesundheit zuträglichsten Orte. Obschonnun Alles vorbereitet war, konnte man doch nicht zum Baue schreiten, weil derFerman von Stambul noch nicht angelangt war. Hier halsen wieder die Bemühun-gen Sr. Heiligkeil PiuS IX. und die Gesandtschaft Sr. Majestät deS Kaisers vonOesterreich in Koustantinopel, an deren Spitze Graf v. Leiningen stand, so daß dasWerk betrieben werden konnte. Die Väter reichten eine neue in türkischer Spracheverfaßte Bittschrift ein, worin sie an sieben ausdrück ich benannten Orten neue Kir-chen zu erbauen und die bereits bestehenden vergrößern zu dürfen um Erlaubniß an-suchten. Es wurde von der hohen Pforte Judziner ESref Effendi als kaiserlicherCommissär beordert, besagte Plätze zn besichtigen. Nachdem er innerhalb dreißig TagendaS aufgetragene Werk beendigt hatte, erschien von Vezir Knrschio die mit dem AmtS-siegel versehene Erlaubniß, ohne allen Anstand, obschon der kaiserliche Ferman nochnicht eingetroffen war, an den bezeichneten Orten die Bauten zu beginnen.
Da wurde jedoch die Provinz mitten in ihren Hoffnungen schwer heimgesucht.In Sarajevo , der 80,000 Einwohner zählenden Hauptstadt Bosniens, wo sich zweiConsnlate befinden, war bisher keine katholische Kirche , sondern bloß ein einzigesunansehnliches Pfarrhans. Dieß brannte 1852 bis auf den Grund ab. Aber wodie Noth am größten, ist GottcS Hilfe am nächsten. Er erweckte wieder großmüthigeWohlthäter, die das Werk der Väter fördern halfen. Se. Heiligkeit Papst PinS IX.gab 46 5Skudi; Sultan Abdul Medjiv 1364 türkische Groschen; der hochwürdigstcHerr Bischof Stroßmayer 1878 türkische Groschen; Sc. Majestät Franz Joseph 38 Dukaten; die Stadt Agram 84 sl. C.M.; Herr Anton Brauicanic, emerilirtcrCousulatS-Sccrctär, 1000 fl. C.M. Selbst die Türken zeigten eine «»geheuchelte Freudeüber den Fortschritt der katholischen Religion und leisteten ihnen Beiträge, was sie denGriechen, die ebenfalls Kirchcn zu bauen beginne», nicht thun. Obwohl ihnen derKoran verbietet, die Christen zu unterstützen und ihren Kirchen Almosen zu geben, solassen sie doch in ihren Wäldern manchen schönen Baum fällen; ja, wo sie nähersind, führen sie denselben sogar an Ort und Stelle. Auch sind katholische Kirchcnfrei von jcder Gicbigkcit.
Der sehnlichst gewünschte Ferman erschien endlich am Schlüsse des Jahres1853, welcher alle Bitten der Vater befriedigte. Auch an den Allerhöchsten Hof inWien wurden zwei Brüder dieser Provinz gesandt, die ehrfurchtsvolle Vilie vorzutra-gen, daß in der ganzen österreichischen Monarchie Sammlungen sür die Erbauungdieser neuen Kirchen angestellt werden dürften. Die Bitte wurde Allerhöchsten OrtSgenehmigt. Besonders wohlthätig in dieser Hinsicht bewies sich bisher der hochwür-digste und hochwürdige KleruS. Auch aus Frankreich traf schon (durch die Vermitt-lung des General-Konsuls) eine beträchtliche Summe ein. Die Gelder werden demhochwürdigsten Herrn Bischof von Djakovar, dem Mittler zwischen Oesterreich undBosnien, eingehändigt. Und so läßt sich mit GottcS allmächtigem Beistand, wennder Friede nicht ans Europa weicht, eine glückliche Zukunft für daS durch Jahrhun-