Ausgabe 
14 (9.7.1854) 28
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derte schmachtende Bosnien erwarten. Möge eS bald über ganz Bosnien verbreitetwerden das Reich der Wahrheit, daß alle Jene, die in den Finsternissen des Aber-glaubens nnd der Liige wandeln, Jesum erkennen und in der wahren Kirche ihr Heilund ihre Seligkeit finde».

R o w.

Rom, il). Juni. In dem Studium Overbecks ist seit einigen Tagen daSlang erwartete Altarbild für den Kölner Dom z» sehen. Der Künstler arbeitete seitetwa sieben Jahren daran; er hat aber den Grundsatz, seine Gemälde in der Einsam-keit zu behalten, bis sie vollendet sind. Allerdings bleibt so der Geist unbeirrt nnddie Genesis deS Kunstwerkes entwickelt sich still und conseqnent aus ihrer Idee. DerWerth lebendiger Einheit, der dadurch dem Produkte erwächst, ist weit höher anzu-schlagen, als die Vermeidung dieser oder jener Controverse, der sich anch der größteKünstler durch die Jsolirung beim Schaffen aussetzt. Diese Bemerkung möchte, wiebei frühern Gemälden Overbecks, so auch bei diesem seinem neueste» ihre Anwendungfinden. Die Tafel hat eine Höhe von beiläufig achtzehn Fuß; schmal und spitz-bogig zeigt sie die Grundform des gothischen Fensters. In der obersten Abiheilnngleuchtet im weißen VerklärungSgewande aufblickend, ausschwebend, Maria, mitgefalteten Händen in senkrechter, feierlicher Hallung, in ovaler Goldglorie, von Engelnumgeben, welche durch effektvolle Bewegungen die hehre Ruhe der Hi'mmelsköuigiudesto fühlbarer machen und zum Zeichen der SeligkeilSsülle die acht Seligkeiten sym-bolisch repräsentiren. Die Königin aller Heiligen schwebte schon über die Chöre derHeiligen empor. Diese erscheinen in der Mitte des BildeS, den himmlischen Einzug derlang ersehnte» Gottesmutter verherrlichend. Die Gruppe zur Rechten *) eröffnet Abraham,knieend, das Opfermesser emporhaltend, mit Jubel aufblickend zu Derjenigen, die ihrenSohn in der That als Opfer dahingegeben; neben dem Erzvater der Sohn Jsaak alsjunger Mann, auffallend durch den Christus-Typus seines KovfeS; hinter ihm Jakob.Adam und Eva beschließen diese Gruppe; Adam, nicht als der ideale Urmeusch,sondern als der begnadigte Vater der Sünde und des TodeS; Eva mit Rührungemporschauend znr wahren Eva, ein Bezug, den die augenscheinliche Aehnlichkeit deSGesichtes noch entschiedener bezeichnet. Den Patriarchen gegenüber sehen wir dieGruppe der Propheten: David an ihrer Spitze, neben Abraham knieend, die Saitenrührend, das gekrönte Haupt in Anbetung senkend. Ueber ihn ragt MoseS in hoherGestalt, hinter beiden kniet JsaiaS in festlichem Kleide; von Ezechiel erscheint derOberleib, von Daniel das Brustbild mit jugendlichem, in seliger Vision geneigtem,holdseligen Angesichte; mit braunem, ernsten Gesichte blickt am Rande JeremiaS her-vor. Zwischen diesen beiden Gruppe» voll drastischer Wirkung zeigt sich ein Chorvon Frauen deS alteu Bundes, in perspektivischer Ferne, Sara hinter Abraham, dieHeldin Judith bei David, zwischen beiden die gekrönte Esther. Ruth und Abigailsind untergeordnet. Wunderschöne, in Licht und Glanz sich rollende Wolke» trenne»die Himmlische» von der Erde, welche perspektivisch in der Tiese liegt, Meer u»dLand. In der Mitte umgeben die dreizehn Apostel (denn auch Paulus ist dabei) daSleere Grab, in optischer Verkleinerung; die Kirche links mit einer nahenden Proccssion(die jedoch erst noch zu malen ist) symbolisirt den Maria-Cult; rechts stehen die Erz-bischöse Droste-Vischering und Cardinal Geisel, als Führer der marianischenAndacht in ihrem Dome. Diese tief liegende dämmerige Croenscene coutrastirt zurlichten HimmelSglorie in ei»er Weise, daß die Worte durch die Seele töne«:WaSoben ist, habet im Sinne, nicht was auf Erden." Ohne Zweifel wird das Bild inDeutschland bei aller Anerkennung und Bewunderung auf verschiedene Einwendungen

5, Bei Schilderungen von Kuustwcrken sollte man sich doch endlich zur gemeinsamen Beachtungder vom Objecte aus bestimmten Orientirung einigen, sonst verfällt man in das Absurduni, sagen zumüssen:dort links, der rechte Fuß."