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Kirchliche «tattstik deS rusfischen Reiches.
Das ungeheure russische Koiserthum zählt in allen seinen weit ausgedehntenProvinzen und Nebenländern mit Einschluß der zum Theile nur dem Namen nachseinem Scepter unterworfenen kaukasischen GebirgSländer nicht mehr als 67,170,000Bewohner, welche, obwohl auS den verschiedenartigsten Völkern zusammengewürfelt,dennoch der großen Masse nach dem russischen Zweige des slavischen Stammes ange-hören. Dem religiösen Bekenntnisse nach theilen sich die Einwohner Rußlands in:
lateinische Katholiken 7,000,000
armenische „ 60,000
griechische 240,000
nichtunirte Griechen und Georgianer 45,520,000
(worunter 350,000 Georgianer.)
nichtunirte Armenier 1,000,000
RoSkolniken 5,000,000
Lutheraner 3,165,000
Calvinisten 225,000
Herrnhuter 35,000
Mennoniten 75.000
Juden 1,850,000
Mohamedaner 2,400,000
Schamanen, Buddhisten und Heiden 600,000
Zusammen 67,170,000Natürlich nimmt die morgenländisch-orthodoxe Kirche unter der Leitung der„heiligen dirigirenden Synode" den ersten Platz ein, während alle andern sogenannie freieReligionSübung so lange genießen, bis sie wieder geplagt und verfolgt werden. Ander Spitze der griechischen Kirche steht, wie bemerkt, der Kaiser als qui>8i Papst,nächst ihm die Synode, zusammengesetzt auS einem Präsidenten, der ein General undGeneral-Adjutant deS Kaisers und die Seele der Synode ist, dann auS den Metro-politen von Nowgorod, St. Petersburg , Moskwa, Signach und Kusich (dieß ist derTitel deS Metropoliten von Georgien oder Grusien); dann dem Erzbischofe von Twer ,2 ProtohiereyS und dem weltlichen Oberprocurator und seinen Substitutcn. DerMetropolit von Kiew und der Erzbischof von Gori in Grusien sind außerordcnllichcMitglieder, aber nicht zur beständigen, persönlichen Anwesenheit bei den Sitzungenverpflichtet. Der KlcruS der griechischen Kirche ist, wie es sich wohl von selbst ver-steh!, zahlreich, obwohl für das große Reich nicht eben zu zahlreich, und besteht ausfolgenden Elementen: 7 Metropoliten , 28 Erzbischöfen, 38 Bischöfen, 483 Proto-popen, 58,000 Popen, 68M0 Protodiaconen, Diaconen, Hypodiaconen nnd Anagno-sten und einer großen Anzahl von Sacristanen und Sängern.
Eö besteht für jede Kirche une festgesetzte Zahl von Geistlichen; bei jeder Kathe-dralkirche, deren eS 73 gibt, sind: 1 Erzpriester, 7 einfache Priester, worunter zweials Schatzmeister, 1 Archidiacon und 4 Diacone und Hypodiacone, dann 2 Lcctoren,2 Sacristane und 33 Sänger angestellt. Bei jeder sogenannten Multerkirche, derenman 410 zählt, befindet sich 1 ErzPriester, 2 Priester, 2 Diacone und 2 Sacristanenebst noch 2 Sängern. Bei den größer» Gemeinden, welche 200 Häuser und darüberzählen, sind 2 Priester, 2 Diacone, 2 Sacristane und 2 Sänger angestellt, bei klei-nern Kirchsprengeln, welche höchstens 100 Häuser zählen, befindet sich 1 Priester,1 Diacon und 1 Sacriftan. Diese Weltgeistlichen müssen sämmtlich rerheirathet seyn,und wenn ihre Frauen sterben, in die Klöster als Mönche eintreten, da man ihrerhohen Bildung und Sittlichkeit keinen freiwillig keuschen oder enthaltsamen Lebens-wandel zutraut, welches Mißtrauen zum Theil durch die zeitweise bekanntgemachtenErgebnisse der geistlichen Gerichte aus Berichten der Synode über den sittlichen Zustandder Geistlichkeit der nichtunirten griechischen Kirche hinlänglich gerechtfertigt erscheint.