Einzelbild herunterladen

235

Kirche gehen, und über meine Missionspredigt Bericht erstatten. Anstatt aber in dieClubbversammlung zurückzukehren, ergriff ihn die Predigt also, daß er auf einmalwieder die Gnade deS heiligen Glaubens erlangte, und sogleich zu mir eilte, um mirsein Gewissen aufzuschließen und Hilfe zu suchen für das Heil seiner Seele.

Mit dem Feste Maria Lichtmeß begann ich die Mission in Thompson, Es istdieß daS vorzüglichste HauS der Versammlung der Brüder und Schwestern vomkostbaren Blute. Ich erbaute mich ungemein an dem Eifer, der besonders in denFrauenklöstern dieser Kongregation in Amerika herrscht. Sie leben in der höchstenArmuth, und beten Tag und Nacht unausgesetzt daS allerheiligste Sacrament an.Es war mir ein großer Trost, diese Anbetung hier in Mitte so vieler Ungläubigenund Irrgläubigen mit solchem Eifer geübt zu sehen, und nahm natürlich diesesununterbrochene Gebet für den Segen der heiligen Missionen in Anspruch. In dernächsten Kirche zu Scherman richtete ich das hundertste Missionökreuz auf, welchesich bisher in Amerika zu pflanzen das Glück und den Trost harte. Der Herr alleinweiß eS, welch eine ununterbrochene Reihe von Opfern, Gefahren und UeberwindungeneS verlangt, um auf den gebahnten und ungebahnten Wegen dieser neuen Welt, wiesich Amerika nennt, das Zeichen deS Heiles vom Süden bis zum Norden und vomOsten bis in den fernen Westen zu erheben, und man gäbe doch AlleS in der Weltfreudig hin, um eS thun zu können. Aber waS vermag ein armer Mensch, wie ichbin? Nichts, der Herr nur verleiht daS Wollen und daS Volldringen! Dieses tief-innerste Bewußtseyn dient mir zur großen Beruhigung und Ermunterung: Herr, eS istnicht mein Werk, sondern daS Deinige; ich sorge für Dich, sorge Du für mich!Mit andern Worten: Je weniger Ursache ich habe, auf mich selbst zu vertrauen, destomehr Grund habe ich, auf die Hilfe GotteS zu bauen.

Ich gab die nächste Mission in der heil. BernardSkirche zu Neu-Washington .Es wohnen daselbst viele Bayern . Ich habe bemerkt, daß kein Volk die Priester beiähnlichen Gelegenheiten mit größerer Feierlichkeit und Freudenbezeugungen empfängt,wie die guten Altbayern . Es kamen mir auch hier eine große Anzahl zu Pferde ent-gegen mit Fahnen und Freudenschüssen, und begleiteten mich an die Kirche. Da eSWinter war, fuhren wir in Schlitten dahin. Für die Eingebornen, die man hierAaukies (Jänky) oder Amerikaner nennt, ist eS immer sehr überraschend, wenn siesehen, mit welcher Ehrfurcht das katholische Volk die Priester ausnimmt, in Vergleichmit'der Glcichgiltigkeit so vieler Seelen gegen ihre Pastoren.

.Die nächste Mission folgte in der Stadt Tissin, in St. Johann Baptist Kirche.Eine Stadt von 10,000 Einwohnern. Der Staat Ohio (sprich Oheio) ist so dichtbewohnt, daß man glauben würde, mau lebe in Europa . Wenn ich mich nicht irre,so laö ich kürzlich, daß in diesem einen Staate, der ungefähr die Größe von Bayern hat, 36 Eisenbahn-Verzweigungen sich durchkreuzen. Ich selbst sah einmal an einereinzigen Station zugleich siebe» Bahuzüge zusammenkommen. Zn Tissin fand ich daSbestbestellte Musikorchester sür Kirchenmusik, Mau führte täglich eine neue musikalischeMesse bei den Hochämtern während der Mission auf, was ich sonst noch nirgendstraf. Ich gab hierauf die Mission in der sehr großen Landgemeinde der Bonifacius-kirche zu WolfSkreek. Auch hier befindet sich ein Bruder- und Franenkloster vom kost-baren Blnte.

Von da kehrte ich nach Cincinnati zurück, denn Ostern nahte heran und ichtrachtete die höchsten Festzeiten daselbst zuzubringen. Cincinnati war die erste Stadt,wo ich meine MissiouSthätigkeit für Amerika entfaltete, welche die größte Anzahl vondeutschen Katholiken von allen Städten der Union hat, vielleicht New-Uork ausge-nommen. Es leben daselbst ungefähr 40,000 deutsche Katholiken, und das katholischeLeben wurzelt hier tief. Ich betrachte diese Stadt wie meine Vaterstadt für Amerika ,und Ohio wie mein neues Vaterland, obwohl ich nun seit Jahren größtentheils ab-wesend bin.

Ich wollte noch in der Passionswoche die Erneuerung der Mission in der großenSt. JohanniSgemeinde abhalten, wo ich einst im Jahre 1343 die Mission gab. So