Ausgabe 
14 (23.7.1854) 30
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geschah es auch, und es naheten sich wieder in dieser einen Pfarrkirche an 1500 Ehe-männer dem Tische deS Herrn, Ich halte diese Gemeinde für die größte in Amerika ,und sie ist zugleich eine der am besten geordneten. Dieß verdankt sie der eifrigenSeelsorge der PP. FranciScaner ans der Tyrolerprovinz. Pater Superior, der kürz-lich ankani, und den ich als Pater Quardian einst in Salzburg kennen lernte, nahmkeinen Anstand zu sagen, man könne diese Gemeinde der besten in Tyrol zur Seilestellen. In dieser Kirche feierte ich auch die heilige Charwvche und das hohe Oster-fest. Ich wüßte keine Kirche in Deutschland , wo alle Functionen dieser heiligen Zeitmir mehr Andacht und Feierlichkeit begangen wurden. Am heiligen Grabe branntenvom Gründonnerstag bis zum Abend deS CharsamstagS an 300 Lampen und Lichter.Am hohen Osterfest ertönte mit vollem Orchester das Alleluja, daS meinen Freundenin Tyrol und Oesterreich wohl bekannt ist, und ich feierte den Nachmittag in der mirso lieben St. Philomenenkirche auf gleich festliche Weise,

Gleich darauf kehrte ich in die Diöcese Cleveland zurück. Ich gab noch daselbstdie Mission in Glanvorf in der St. Johanniskirche. Auch hier ist ein Bruder- undNonnenkloster vom kostbaren Blute. Ju dieser Gemeinde lebte ein einziger alter Pro-testant, ein Schmid von Profession, dessen Bekehrung merkwürdig war, Er hatteeinen Sohn von ungefähr zehn Jahren, den er katholisch erziehen ließ. Er selbstkonnte sich jedoch nicht entschließen, ein Kind der allein wahren Kirche Christi zuwerden, da daS Borurtheil zu fest wurzelte, eS wäre eine Schande, im Aller dieReligion zu wechseln. Umsonst stellte man ihm vor, daß dieß kein Wechsel sey, wennman zu jener Religion zurückkehrt, welche die einzig wahre ist, und welche Menscheneinst mit dem Irrthum vertauschten. Bon einem Wechsel könne bei der Einheit keineRede seyn; so wenig als der Ausdruck richtig ist: wie viele Götter gibt es. Gott istGott und sein Reich ist sein Reich, die eine von Christus gestiftete Kirche, diemauzwar verkennen, nie aber ändern kann; so wenig als der Mensch, wollte er anch,im Stande ist, etwas in der Natur, wag ihr Wesen und ihre Kräfte beirifft, zuändern. Der alte Mann war blind für daS helle Licht dieser Wahrheil; allein erkonnte nicht dem Blick seines KindeS widerstehen, dem Gott die erlenchtende Kraftseiner Gnade gewährte. Dieses Kind sein Sohn trug das Kreuz iu der Processivnvor den Kindern, als man mich zur Kirche abholte. Als der Knabe das Kreuzbildin der Hand vor dem Bater vorüberging, blickte er denselben so freundlich, fromm undfroh an, daß daö Herz des Vaters sich in demselben Augenblick der Wahrheit zuwen-dete, und er sogleich den festen Entschluß faßte, katholisch zu werden, was auch nochwährend der Mission geschah.

Ich besuchte hierauf noch eine Landgemeinde, die lange den Trost und die Hilfeder Seelsorge entbehrte. Dieser Theil OhioS war vor einigen Jahren noch wenigbewohnt, und wilder Busch (so nennt man hier einen Wald). Man wird in Deutsch-land etwas befremdet seyn, wenn man in Briefen, Zeitungen :c. immer nur Busch und nicht Wald sagen hört. Wer einen amerikanischen Waid gesellen, dem ist dieSache kein Räthsel mehr. Die amerikanischen Wälder sind, wo noch keine fleißigeCultur geübt wird, so dicht verwachsen, und die vielen gefallenen Bäume liegen sokreuz und quer durcheinander, daß daö Gewächse mehr den Namen Busch als Waldverdient. Nach und nach wird auch hier der Busch zum Wald gelichtet werden, nieaber wird sich mehr der Name Wald in Amerika geltend machen. Busch, jeS (ja),firen (etwas ordnen), very well (ganz recht), dieß sind Worte, die den deutschenEinwanderern am ersten Tag schon bei Ohren und Augen in den Mund dringen,und die er auch beständig im Mnnde hat. Man dürfte manchen am zweiten, drittenTag fragen: sprichst du deulsch? und er wird antworten: jeS.

Es ist auch merkwürdig, wie sehr sich die Deutschen, auch vom gemeinsten Stande,schämen deutsch zn reden, und wie gerne sie auch ein, wenn gleich ganz gebrochenesEnglisch hcrstammeln. Ich fragte einst einen Arbeiter am See Michigan : sprichst dudeutsch ? Da amwortet er: nir vcrstend, anstatt des englischen I ci'ont untkr5tgr>6.Dummer Kerl, sagte ich, du kannst ja nicht einmal so viel Englisch, daß du recht