Ausgabe 
14 (23.7.1854) 30
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»Unser hochwürdigster Fürstbischof kamen Montag Abends den 19. JuniHinWarmbrunn an. Der kommende Tag versammelte den gesammten ArchipresbyteratS-Klerns um seinen hohen Herrn; und an der gastlichen Tafel Sr. Ercellenz des HerrnGrasen Schaaffgotsch hörten wir aus dessen Munde ein Wort, daS, weil gesprochenvon einem der ersten katholischen Standesherren Schlesiens, als ein Act katholischerGesinnung uns unvergeßlich bleiben wird; und ich erlaube mir, dasselbe Ihnenfast wörtlich darnm mitzutheilen, weil wir nur beten können, daß eS sein Echo findenmöge in allen Edelhöfen der christlichen Welt.

Meine Herren und hochverehrten Gäste!" sprachen Se. Ercellenz,Wir stehenam Vorabende eines Festes, bei welchem das Loblied der Engel:Ehre sey Gott inder Höhe" aufs Neue in erhebender Weise ans der höchsten Spitze des nördlichenDeutschlands ertönen soll. ES gereicht mir zur großen Freude, daß daS Gotteshausfünftausend Fuß über dem Meeresspiegel, welches ein gotteSfürchtiger Vorfahr aufhohem 'Felsengrunde errichtet, das aber die Unbill der Zeiten seinem erhabenen Zweckeentfremdet hat, der Feier der heiligen Geheimnisse wieder geöffnet werden wird.Hierbei rechne ich es mir zu hoher Ehre, daß neben dem Namen Sr. fürstbischöflichenGnaden auch der meinige genannt werden wird, und füge dem die Versicherung bei,daß, gleichwie auf Felsengrund dieses Gotteshaus errichtet ist ein Abbild der fürdie Ewigkeit auf Petri Felsen gegründeten Kirche auch eine katholisch-kirchlicheGesinnung in meinem Innern stets gegründet seyn, und ich als treuer Sohn derKirche mich stets bezeugen werde. Ich spreche cS aus, ja ich bin deß' gewiß, daßstets ein Schaaffgotsch der Hüter dieses Gotteshauses seyn und die Familie Schaaff-gotsch jene katholisch-kirchliche Gesinnung stets in Thaten bekräftigen wird." '

Bei heiterm Wetter wurde Nachmittags das Hochgebirge bestiegen. Unser geliebterFürstbischof legten abwechselnd große Strecken zu Fuß zurück. Um acht Uhr Morgensden 31. Jnni begann die feierliche Reconciliation der Capelle, worauf seit 43 Jahrendas erste Kloria in excslsis vec> wieder ertönte. Nach dem Evangelium wandten sichder hochwürdigste Oberhirt an das Volk. Meine Feder kann nicht die Wahrheit,Kraft und Würde dieser apostolischen Rede wieder geben; was brauche ich auch mehrzu sagen, als unser hochwürdigster Fürstbischof Heinrich hat gesprochen, und alle Weltweiß, wie er gesprochen hat. Ausgehend von den Worten des königlichen Propheten:.,Jch erhebe meine Angen zu den Bergen, von wo mir Hilfe kommt!" zeigte uns unserChrysostomus, wie Golt sich oftmals der irdischen Höhen bedient habe, um unsereSeelen auS deu Tiefen der Sünde zu den himmlischen Höhen zu führen. Sie könnensich vorstellen, wie ergreifend diese Schilderungen seyn mußten, ausgeführt in derberedten Sprache unsers geliebten Bischofs. Und als Hochderjelbe sich zuletzt anSe. Ercellenz den edlen Grafen wandte, versichernd, er könne alle seine Gefühle deSheutigen TageS nur in Einem Worte aussprechen, nämlich:Gott lohne es! Gott lohne es Ihnen und Ihrem ganzen gräflichen Hause mit Seinem Segen und Frieden,den hier nicht die Welt, doch daS Bewußtseyn einer edlen That gibt", da habeich manchen Mannes Auge von Thränen feucht gesehen, und zwar von Thränen, dieder Mensch selten aber gern weint, nämlich von Freudenthränen.

Glücklich gelangten Se. sürstbischöfliche Gnaden wieder in das Thal; und derkommende Donnerstag führte Hochdenselben nach Hirschberg, das in wenig Stundenmit Blumen und Reisern sich geschmückt und seine Straßen, über die der geliebteOberhirt einzog, mit frischem Grün bestreut hatte. Magistrat und Stadtverordnete,so wie die Spitzen der übrigen Behörden, begrüßten an der Thür des Pfarrhausesden hohen Kirchenfürsten, der sichtlich überrascht war von so vielen Beweisen derHuldigung und Liebe, die von keinem Menschen angeordnet oder befohlen, freiwilligwie durch einen Zauber entstanden waren. Liebreiche väterliche Segensworte sprachauch hier der würdige Nachfolger der Apostel über Hirschberg und seine Bewohner.Ueberfüllt waren die geräumigen Hallen deö Gotteshauses von den Thalbewohnern,die, den bedeutenden Wochenmarkt besuchend, nicht das Glück geahnt hatten, einenkatholischen Bischof einmal sprechen zu hören I Nachdem gegen fünfzig Personen