M 242
mir so lieb und unvergeßlich trostreich gewordene Guttenberg. Diese Stadt liegt amMississippi , und ein Ereigniß ganz außerordenilicher Art trug sich am Schlüsse derMission bei Aufpflanzung deS MisstonSkreuzeS zu, welches mich wohl, so lange ichin meinen Missionsarbeiten athme, trösten und ermuntern wird. Die Kirche ist derunbefleckten Empfängnis) Maria geweiht. Ich feierte daselbst am Rosenkranz -Sonntagden 35jährigen Gedächtnißtag meiner Primiz in der Kirche Maria Stiegen zu Wien .Die Mission schloß sich am 7. October als am ersten Freitag des MonatS . Wirtrugen das große Missionskreuz in feierlicher Procession gegen drei Uhr Nachmittagund richteten eS im Freien neben der Kirche auf. So wie nun das Kreuz sich zuerheben begann, erschien am blauen Himmel gerade über dem MissionSkreuz ein großesweißes Kreuz von ungefähr 1W Fuß Lange und der Querbalken 25 Fuß. DerKörper des Kreuzes war ungefähr zwei Fuß. Dieses Kreuz stand am Himmel bisdas MissionSkreuz in die Erde gesenkt war, beiläufig eine gute Viertelstunde. Als-dann begann eS sich noch höher zu heben, und ganz glorreich wie in Duft undStrahlen zu zerfließen. In einiger Entfernung von beiden Seiten deS KreuzeSsah man die Bildung von zwei Palmzweigen, so wie man selbe in den Händen derMärtyrer zeichnet, ebenfalls weiß wie das Kreuz. Eine protestantische Frau solldie erste gewesen seyn, die Andere auf diese himmlische Erscheinung aufmerksam machte.Wie groß der Trost und die Freude im Herrn unter dem Volke war, das wird derfromme Leser leicht ermessen. Was mich betrifft, so war und bleibt der Eindruck nurimmer einer und derselbe: ich dankte und danke nämlich dem Herrn vom Grundemeines Herzens und der innersten Tiefe meiner Seele, ein Anzeichen gesehen zu haben,das mich zu versichern schien: „der Wille GotteS geschehe durch mich ausErden, und sein Segen begleite das Werk." Diese Beruhigung gilt mirmehr als alle Wunder der Welt. Ich fühlte mich gar nicht aufgefordert, weiterSdarüber ein Won zu rede» oder zu schreiben, allein der hochwürdigste Bischof vonDubugue nahm es anders. Er schick-e sogleich zwei seiner Priester an Ort und Stelle,um die Aussage der Zeugen zu vernehmen, welche bereit wären, eidlich die Thalsachezu bestätigen, was auch wirklich geschah. UcbrigenS wiederhole ich, mir ist undbleibt es eins, ob ein Mensch in der Welt das Ereigniß glaubt oder nicht, oder eSso oder so erklären wolle; ich werde den Nutzen, den meine Seele daraus geschöpftund bewahrt, immer mit heißestem Dank gegen den Herrn zu bewahren suchen, undmuthig vorwärts gehen in seinem heiligen Dienste für das Heil so vieler durch seinheiliges Kreuz erkauften Seelen.
Ich begab mich hierauf nach dem sehr nördlich gelegenen Fort Atuison, undsanv daselbst eine Gemeinde, großentheils bestehend aus Deutschen, bei welchen ich zuOldenburg-Jndiana die erste Mission in Amerika im Jahre 1848 gegeben. Sehr oftziehen Einwanderer nach einiger Zeit in einen andern Staat, wenn sie am erstenPlatz sich einiges Vermögen erworben haben, mit welchem sie in einem fernerenStaat oft zehnmal so viel Land sich kaufen, als sie früher besaßen. Iowa hat einenausgezeichneten Boden, wenn gleich eS anderseits so ziemlich holzarm ist und auSPrärien besteht. Die nächste Mission gab ich zu Neuwien. Der hochwürdigste Bischofbenamue die Stadt so aus Dankbarkeil gegen die Spendnngen deS LeopoldinenvereineS.Ein Tiroler, Herr Lentner, ist daselbst Seelsorger. Ueber ZölZ Familien wohnen da-selbst, ohne daß nur ein Protestant dazwischen wohnte. Die letzten drei nahm ich beider Mission in die katholische Kirche auf Ich begab mich von dort nach Dnbugueund desuchle das in der Nähe der Sladi gelegene Trappistentloster. Es war mirinteressant, auf dem Wege meines thätigen MissionSlebcnS in die beschauliche Stilleeines TrappistcnklosterS einzugehen. Ich fühlte selbst in meiner Jugend, und auchals Weltpriester den stärksten Zug zu einem ganz beschaulichen Leben, und hatte wirk-lich den Trost, in meinen Studienjahren als Theolog mitten in dem Gewühle derResidenzstadt Wien das einsame Leben eines Kamaldulensers zu leben. Ich schätzemich nun aber noch weit glücklicher als Jesuit und OrdenSmann beide Lebensweisenzu vereinigen. Das Trappistenleben würde mich überdieß deshalb nie ansprechen, weil