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eS bei aller Einsamkeit die Weihe der Einsamkeit nicht hat, da alles, Gebet, Arbeit,c.gemeinsam geschieht, ja selbst der Schlafsaal gemeinsam ist. Da liebte ich unver-gleichbar mehr daS Karthäuserleben; eS schiene mir ein Paradies auf Erden. Alleindennoch wäre eS für mich keines, wenn man die Seelennoth so Vieler kennen gelernt,die thätige Hilfe brauchen, namentlich in diesem Lande. Ich war demnach c>anz sroh,nicht immer in den Mauern der stillen Trappistenabtei verbleiben, sondern der Bahnmeines Berufes folgen zn dürfen, besonders da die Erfahrung mich lehrte, daß manmitten im Gedränge deS MissionslebenS der Weihe innerlicher Einsamkeit durchausnicht entbehrt, noch zu entbehren braucht. Gottes Weisheit und Erbcirmung ist reichan jedem Orte für Alle, die sich ihr ergeben, und die verschiedenen Lebenszustände imVerbände der Kirche gereichen gewiß zu einer ihrer schönsten Zierden.
Bei der nächsten Station zu '5Sts cle morts pflanzte ich daS MissionSkreuz aufeinen sehr hohen an der Höhe kahlen Hügel auf, zu dem von der Kirche aus dievierzehn Stationen errichtet werden. Es wird gewiß der schönste Kalvarienberg inden Vereinigten Staaten werden. Am Vorabend Allerheiligen stand dieser ganze Bergsammt Umgegend in lichten Flammen. Es war ein Prairiefeuer. Man zündet näm-lich hier im Spätherbst daS dürre GraS an, dnS der Menge wegen Niemand mäht,und eS ist ein merkwürdiger Anblick, ein solches mit Windesschnelle forteilendes Prairie-feuer. Weh dem Landmann, der nicht darauf vorgesehen ist, und sein Haus und Hofnicht umackert hält; er könnte mit einem Male von einem solchen Feuer heimgesuchtwerden und Hab und Gut verlieren. Wenn ein solches Feuer herannaht, ist eS ambesten, man zündet ein Feuer entgegen an, und verhindert sogleich die Ausbreitungdieses zweiten; wenn dann daS erste Feuer herankommt, so ist daS Gras schon zuAsche verbrannt und das erstere Feuer erlischt aus Mangel an Brennstoff. Dießthaten wir auch hier.
Von I'öte 6e morts reiste ich bei harter plötzlich eintretender Kälte nach Daven-port. Ich erlebte auf der Reise dahin einen eigenen Fall, der auf daS Walten dergöttlichen Vorsehung ganz auffallend hinweiset. Ich hatte daS allerheiligste Sacrcunentbei mir, da ich von jenem Berge aus unter dem MissionSkreuz den Segen mit dem-selben gegeben. ES war jedoch mehr eine außergewöhnliche Fügung des Himmels,daß dem so geschah. Ich kam an einen Fluß, der über Nacht so überfror, daß daSBoot, welches die Ueberfahrt besorgt, für mehrere Stunden verhindert ward, sich Bahnzu brechen. Ich kehre um, und will in einem Hause die Ueberfahrtzeit abwarten.Siehe da kömmt ein Amerikaner daher, ein wohlhabender gebildeter Mann, und frägt,ob ich nicht ein katholischer Priester sey; er merkte eS an meinen Kleidern. Ich sagte:Allerdings. Da bat er mich, sogleich zu einer sterbenden Jrländerin zu kommen; die-selbe habe seil vielen Jahren keinen Priester mehr gesehen, und verlange sehr nachdessen Beistand. Ich eilte dahin, und hatte die so ganz unerwartete Gelegenheit, ihrdie heiligen Scicramente zu spenden. Wie groß war ihr Trost und Dank vor demHerrn, und wie wichtig und entscheidend für ihr seliges Ende.
Nach der Mission zu Davenport gab ich die Mission in Iowa City selbst, derHauptstadt des Landes. Bis Hieher erstreckt sich bis jetzt die Einwanderung der Deut-schen im Westen. Ich hatte die Freude, hier besonders viele Protestanten in dieheilige Kirche auszunehmen, und namentlich erbaute die Rückkehr einer zu den Metho-disten abgefallenen Katholikin mich und das ganze Volk. Sie trat nämlich bei Gele-genheit der feierlichen Erneuerung des Tausgelübdes, nachdem Kinder und Volk mitlauter Stimme betheuerten, für den heiligen Glauben selbst das Blut zn vergießen,vor das PreSbyterium, und warf sich reumüthigst an dem Taufbrunnen nieder, wosie öffentlich daS Vergehen ihres AbfalleS beweinte, und ich sie von der Ercommuni-cation lossprach.
Ich errichtete hierauf noch das MissionSkreuz an der St. Marienkirche, undbegab mich nach Burlington, der nach Dubugue größten Stadt im Staate Iowa .Sowohl hier wie in Iowa City errichtete ich daS MissionSkreuz ober der Stadt aufeinem Hügel im Friedhof. DaS Kreuz scheint nun über diese beiden ansehnlichen