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Städte seine Arme auszubreiten, und gewährt einen sehr tröst- und hoffnungsvollenAnblick. Selbst die wilden amerikanischen Jungen hatten Gefallen an der Procession,mit welcher das große Kreuz in Burlington an seinen Platz gebracht wurde. Siemachten sich nach der Feierlichkeit auch Kreuze und Fahnen, und ahmten die Proces-sion nach, nicht zum Spott, sondern zum Vergnügen, doch so, daß man merkte, eSsey ein ganz guter Eindruck auf sie geschehen.
Die letzte Mission in diesem Jahre gab ich zn Fort Madison . Eine sehr freund-liche Stadt am Mississippi. Ein herrliches Missionskreuz von 33 Fuß auf einem achtFuß hohen Piedestal steht mitten in der Stadt, als Erinnerung an diese Gnadenzeit.Ich eilte nun nach Ciucinnati, um allda Weihnachten zu feiern, und noch einmal denpäpstlichen NunciuS zu sehen und zu sprechen. Eö wird meinen geehrten Lesern ausZeuungen bekannt seyn, in welch verbrecherischer Weise Hochderselbe allda von dendeutschen Atheisten behandelt wurde, die sich „freie Männer" nennen. Es zog nämlichein Zug von 6ö>> Männern, mit verschiedenen Mordemblemen bewaffnet, um zehn UhrNachts an daS Haus veS hochn'ürdi..sten ErzbischofS, wo Se. Ercellenz der hochwür-digste Nuucius Bedini wohnte. Sie halten dessen Bild und verschiedene Transparentemit den Inschriften: Nieder mit Bedini; nieder mit den Pfaffen zc. Die Polizei hemmtezwar ihr Ansinnen, Gewalt auszuüben gegen die Person des hochwürdigsten NuuciuS.Viele Verhaftungen und eine nngeheure Aufregung erfolgte. In der Halle dieser„freien Männer", welche zugleich ein großes Kaffee- und Unterhalrungshaus ist, hatteich die Ehre, in elligis an der Eeirc des päpstlichen NunciuS aufgeheult zu werden,waS mir übrigens gar nicht wehe that, uud auch keinen Schaden brachte. Da ichmich mit Missionen besonders unter den Deutschen beschäftige, bin ich diesen deutschenAtheisten besonders im Wege, und eS wachten an dreißig Männer dieselbe Nacht anmeinem Zimmer, daß die Leute nicht, wie sie drohten, ans der bildlichen VorstellungErnst machten. Indeß meine Zeit war noch nicht gekommen; möge sie einst kommen,und sich die Drohung socher Radicalen in Iowa erfüllen, wenn ich zuvor einmal ganzAmerika bereist habe, ÄlS diese nämlich daS große schöne Kreui, in Fortmarlisonmitien in der Stadt sahen, sagten sie ganz ärgerlich: „Könnten wir doch den Missionärselbst hinansnageln." Nur zu, Freunde — er verdient eS, kein Zweifel — oder viel-mehr: er ist einer so großen Gnade freilich ganz unwerlh.
So wie das Weihnachtssest vorüber war, rief mich ein Versprechen, eine Primiz-Predigt am Neujahrsicige in Lt. Louis zu halten, in diese Siadt. Ich eilte dahin,und brachte die letzte Nacht des JahreS auf der Eisenbahn zu. Für einen Missionärkein ungeeigneter Platz, um das Te Deum eben so dankerfüllt und innig, wie in dergeräumigsten, herrlichsten Kirche der Welt anzustemmen. Ich halte fest dafür, daßdieses unheimliche Anzeichen der sich heranuaheuden letzten Zeiten den Missionären nachGotteS weisester Vorsehung gerade den besten und schnellsten Vorschub leistet, um nochrecht vielen Herzen, an recht vielen Orten hilfreich beiznspringen, und.dem Herrn denWeg für sie zu bereiten.
So schloß sich meine Arbeit auf dem MissionSfelde hier in Amerika unter meinenLandsleuten für daS Jahr l853. Ich rufe den Beistand des Gebetes aller meinerin Christo lieben theuern Milbrüder unv Kinder der heiligen Kirche in unserm altenNaterlande an, mir die Andaner der Stärke und Gesundheit zu erflehen, die michbisher ganz unerschüttert begleitet, und um so mehr den Zufluß der Gnade des Herrn,damit ich als ein Ihm ganz vereinigtes Werkzeug arbeiten, und meine schwachenKräfte obne Unterlaß und Unterbrechung noch lange hin verwenden und ohne eineMinute Zeilverlust verbrauchen möge zur größern Ehre Gottes und zum Heile unzäh-liger Seelen, durch Jesum Christum, unsern Herrn.
F. Weninger,Priester der Gesellschaft Jesu und Missionär in Nordamerika .