Ausgabe 
14 (30.7.1854) 31
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dienste fügte der Vicar von Saint-Servan, was sein > bescheidener Haushalt irgendleisten konnte.

In diesem Zustande verblieb da? Untrnehmen bis zum 29. September t841.Da nämlich miethete der Vicar ein schlechtes Unterhaus, welches zur Schenke gedienthatte, und weder gedielt, noch geflurt war. Die drei Schwestern zogen ein; zu ihnengesellten sich alsbald zwölf brave alte Frauen als Pflege; mehr Menschen konnte derRaum nicht fassen. Diejenigen der aufgenommenen Armen, die dazu noch Kräftehatten, fuhren fort, Almosen zu erbitten. Sie empfingen von der Armenverwaltungaußerdem Brod und Leinwand; das HauS verabreichte ihnen auf seine Kosten dieSuppe, und die sonstige Nahrung bereiteten ihnen die Schwestern von den gesammel-ten Gaben; es war vor der Hand unmöglich, ein MehrereS zu thun. Allein Gott,der seine Liebe und Fürsorge für die Armen offenbaren wollte, gab den Schwestern inden Sinn, ihren Pfl-glingen die Schmach und Beschwerde deS BettelnS zu ersparenund selbst diese Mühe über sich zu nehmen. Johanna Jngan, die älteste der Schwe-stern, ergriff ohne Umstände einen Korb und sammelte in den Häusern, wo die Armenregelmäßig unterstützt wurden, an deren Stelle die Pfennige und die Ueberbleibsel derTasel. Wenn Johanna verhindert war, traten für sie die andern Schwestern ein.Die unterstützenden Familien sahen sehr gern diesen Wechsel in der Person der Bitten-den, weil sie nun gewiß w^ren, daß ihre Almosen gut verwendet wurden. Zugleichi gewannen die Schwestern durch diesen Schritt immer mehr die allgemeine Theilnahmefür ihr frommes Werk, und es währte nicht lange, so sah sich das HauS in denStand gesetzt, sämmtliche Bedürfnisse der Armen, Wohnung, Nahrung und Pflege,selbst zu besorgen.

Ein Jzhr wohnten die Schwestern in dem schlechten Unterhause. Nach dieserZeit wurde es ihnen zu klein, denn hilflose Personen kamen von allen Seiten undbaten um Aufnahme, Der Vicar von Saint-Servan erstand ein altes Klostergebäudefür 22,000 Franken. Um diese Summe zu zahlen, verlangte er von Niemand eineGabe. Er selbst hatte vier- vis fünfhundert Franken zusammengespart, und legte dazu,was er durch den Verkauf seiner Uhr, eines Kelches und silberner Meßkännchen löste.Johanna Jug.n besaß ein kleines Vermögen von 600 Franken, die zinsbar angelegtwaren, die Eltern der beiden ersten Schwestern gaben diesen ungefähr 900 Franken,und eine vierte Arbeiterin, die sich der Genossenschaft anschloß, brachte derselben 400Franken zu. Mit diesem Gelde konnte man die Kosten deS KaufcontracteS decken undeine kleine Summe auf Abschlag zahlen. Hinsichtlich deS Restes rechnete man auf dieVorsehung. Man wirkte für die Armen, die Vorsehung konnte nicht zu Schandenwerden lassen. Und sie that es in Wahrheit nicht, denn ein Jahr später war daSHaus bezahlt, und daS Geld dazu auf tausend unvermutheten und wunderbaren Wegenzusammengekommen.

Die Zahl der Armen mehrte sich nun täglich. Die Mittel zu ihrem Unterhalteblieben immer die nämlichen, die Uederbleibsel der Tafel, die Sammlungen von Ge-müsen auf den Märkten, die erbetenen Almosen uud die Geschenke von Personen, die

i-daS HauS bejuchten.

Inzwischen war daS HauS voll geworden, ja eS wurde abermals zu klein, man

- mußte darauf bedacht seyn, einen Erweiterungsbau vorzunehmen. Die Genossenschaftbesaß dazn gar nichts als ein 50 Centimesstück (4 Sgr). Man leite eS zu denFüßen der heiligen Jungfrau hin und begann den Bau im festen Vertrauen aus ihre

> Hilft. Zuerst mußte ein kleines NebenhauS abgebrochen werden; die Schwestern tha-ten das selbst mit eigener Hand, machten dann mit Hilfe zweier Handlanger die Aus-grabungen für das Fundament deS neuen Gebäudes und schafften in einer Länge vonfünfzig Fuß die Erde so tief heraus, als für die Anlage der Keller nöthig war. So

r.war denn Alles für den Bau vorbereitet, aber man hatte noch immer kein Geld.Nichtsdestoweniger wurde das nöthige Material angeschafft und die Maurerarbeit einemMeister übertragen.

Mittlerweile erbte der Abbs Le Pailleur ganz unvermuthet ein Legat von 7600

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