Ausgabe 
14 (30.7.1854) 31
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247
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Franken, die ihm ein aus Saint-Servan gebürtiger, auf der Jnsei Jersei gestorbener'Herr vermacht hatte. Derselbe wohnte seil langen Jahren auf der Insel, hatte aberzwei Monate vor seinem Tode eine Reift nach Saint-Servan gemacht, um sich nacheiner alten Tante zu erkundigen, die ein sehr verkommenes Leben geführt hatte. LangeZeit hindurch dem Laster des TrnnkeS ergeben, war sie ein Gegenstand des AbscheueSfür die ganze Stadt gewesen. Er erfuhr, daß sie in dasZufluchtshaus" (m-iisoncl'iisile) so nannte man die Anstalt aufgenommen sey und sich jetzt gut betrage.Er besuchte die Anstalt und war hocherfreut, als er fand, daß seine Verwandte zuden Uebungen der Religion und einem ordentlichen Lebenswandel zurückgekehrt sey.Nach seiner Rückkehr errichtete er zu Jersei sein Testament und vermachte dem Abb6Le Pailleur jenen Theil seines Vermögens, der seiner Tante zugefallen wäre, indemer glaubte, und zwar mit Grund, so am besten für das Wohl dieser armew FrauSorge zu tragen. Diese Summe war eine schöne Hilfe zn den bedeutenden KostendeS Neubaues.

Zur nämlichen Zeit wurde der Johanna Jugan von der französischen Academi'e>die von ihrer Hingabe für die Armen Kunde erhalten hatte, der erste Preis der Stif-tung Monthyon, im Betrage von 3000 Franken, zuerkannt. Mit diesem Ehrenpreisesoll nach der Bestimmung deS Stifters jährlich die edelste That in Frankreich belohntwerden. Zu diesen beiden größern Geldsummen kamen manche Geschenke von Wohl-thätern und die Fuhrdienste, welche die in der Nähe wohnenden Pächter unentgeltlichleisteten. Kurz, das Gebäude war bezahlt zur nämlichen Zeit, als eS vollendet war.DaS neue Haus füllte sich schnell mit Armen. Gegenwärtig befinden sich in der An-stalt über hundert arme Leute beiderlei Geschlechtes, die von vierzehn Schwestern ver-pflegt werden.

Die Anstalt war den Bewohnern von Saint-Servan eine Veranlassung zu vielenschönen Handlungen christlichen Edelmuthes: nur eine derselben soll hier erwähnt wer-den. Die Arbeiter eineö gewissen Herrn Guibert/ eines vermögenden SchiffsrhederSin dieser kleinen Hafenstadt, vier- bis fünfhundert an der Zahl, legten ganz freiwillig,ein jeder fünf Centimes (5 Pfennige) wöchentlich, für die armen Leute deS ZufluchtS-hauses zusammen. Dieses Almosen, recht eigentlich der Heller der Armuth, brachte demHause großen Nutzen und war sür die guten Arbeiter eine Quelle göttlicheu SegcnS.

Kaum hatte die Anstalt zu Saint-Servan in solcher Weise festen Bestandgewonnen, so war auch schon der Zeiipnnct da, in weichem das Werk nach GotteSWillen eine weitere Ausbreitung erlangen und in andern Städten Frankreichs Bodenfinden sollte. Eine große Anzahl srommer Personen, fast lauter Arbeiter, ohne Ver-mögen, aber voll heißer Liebe zu Jesus Christus , ließen sich aufnehmen in die neuereligiöse Genossenschaft. Im Jänner 1846 wurde nun durch die Schwester MarieAugustiue (Johanna Jugan ), welche General-Oberin der Genossenschaft geworden war,daS zweite HauS zu Rennes und kaum sechs Monate darnach das dritte zu Dinan gegründet. Schon im nächsten Jahre (l.847) gründete sie ein viertes HanS zu TourSund im Jahre 1849 ein fünftes zu Paris , am letzten Orte unter Beihilfe von 45Conferenzen des heiligen Vince^z von Paul, Die Schwester Marie Therese, eineSder beiden jungen Mädchen, die Gott erwählt batte, das Werk zu beginnen, gründeteim nämlichen Jahre daS sechste HauS zu Nantes. DaS HauS zu Paris , im Sep-tember 1849 eröffnet, wird jetzt von hundert alten Personen beiderlei Geschlechtesbewohnt, die von zwanzig Schwestern mit einer Hingabe und Liebe gepflegt werden,wie sie nur der christliche Glaube einhauche» und lebendig crhallen kann. Die Räum-lichkeiten gestatten nicht, eine größere Anzahl armer Greise aufzunehmen; deßhalbbemüht man sich, ähnliche Häuser in den verschiedenen Stadtvierteln von Paris zuerrichten, und es ist gegründete Hoffnung da, daß diese Bemühungen gelingen werden.Wie überhaupt Paris den Ton angibt für ganz Frankreich , und was dort Anerken-nung gesunden, leicht anderswo Aufnahme erlangt, so war die Eröffnung deS HauseSzu Paris die Veranlassung, daß von allen Seilen Schwestern verlangt wurden, umin andern Städten Häuser einzurichten. In der kurzen Zeit eineS JahreS, vom Sep-